Rezension: »Der Speisemeister« von Frank Oehler

© Cover: Der Speisemeister von Frank Oehler / Kosmos Verlag

© Cover: Der Speisemeister von Frank Oehler / Kosmos Verlag

Frank Oehler ist ein Schnellsprecher und hätte Dieter Thomas Heck – na, wer kennt den noch? – Konkurrenz gemacht. Er labert ohne Punkt und Komma. Ich amüsiere mich jedes Mal, im positiven Sinne, wenn er auf RTL II in „Die Kochprofis – Einsatz am Herd“ – über Geschmack, fehlende Kochkünste und unzulängliche Küchenchefs schimpft. Herrlich.
Die Auftritte mit seinen Kochkollegen Andreas Schweiger, Ole Plogstedt und Nils Egtermeyer gehören seit mehr als zehn Jahren zum Tagesgeschäft. Doch mit dem Fernsehen hat seine Kochkarriere nicht begonnen.

Der am 09. Mai 1964 in Mussenhausen (Allgäu) geborene FO verließ – auf Wunsch der Eltern und weniger guten Noten – die Schule und lernte Koch. In zahlreichen Restaurants vertiefte er sein Handwerk und eröffnete sein eigenes Restaurant: Das »d´Rescht« in Hawangen. Punkte, Preise und der erste Stern im Jahre 2000 folgen. Der Herausgeber des Gault Millau krönt ihn zum kreativsten Koch Deutschlands. Je einen Stern holt FO für das Luxushotel »Las Dunas« in Marbella und den Erbprinz in Ettlingen.
Dann wurde es Zeit sesshafter zu werden. Seit 2008 führt er die »Speisemeisterei« in Stuttgart, für die er 2009 ebenfalls einen Stern erkochen konnte.

Sein neuestes Buch »Der Speisemeister« zeichnet ihn zwar als Koch seines Restaurants aus, beinhaltet jedoch saisonale, alltagstaugliche Küche, fernab von der Sterneküche, aber sterneverdächtig.

Tagliatelle - so lecker!

Tagliatelle – so lecker!

Zum Buch

Manche Bücher schaust du an und hoffst auf Inspiration. Dann schlägst du die erste Seite auf, die zweite und die dritte, öffnest die Buchseiten in der Mitte und bist enttäuscht.
Als ich Frank Oehlers Kochbuch »Der Speisemeister« öffnete, fühlte ich mich abgeholt. Ich las die Überschriften, schaute mir die Fotos an und studierte danach die Rezepte. Meine Freude wuchs, mein Magen knurrte und mein imaginärer Einkaufszettel ratterte.

Das Buch ist sehr fein gemacht, mit Lesebändchen und einem Schutzumschlag aus milchfarbenem Pergamentpapier. 192 Seiten mit mehr als 100 Fotos zeigen zu jedem Rezept eine bildliche Darstellung. Aufgeteilt sind die Rezepte nach saisonalen und regionalen Produkten, die im – Frühling, Sommer, Herbst und Winter – erhältlich sind. Dazu bietet Frank Oehler Grundrezepte wie Gemüsefond oder Gemüsebrühe-Pulver, Saucen, Grundteige und Dressings. Am Ende bietet das Buch eine Übersicht des Inhalts, sortiert von A bis Z mit Zutaten und Gerichten, und zudem nach Themen. Sehr schön, sehr übersichtlich.

Außerdem stellt Frank Oehler regionale Gemüsesorten vor und widmet ihnen zwei volle Seiten. Wissen und simple Rezepte für u.a. Spitzkohl, Tomate oder Rote Bete. Und ja, er stellt auch das Uria-Rind vor, mit Foto und passenden Rezepten, aber das habe ich – als Vegetarier – schnell überblättert. 😉

So sieht das aus, wenn die Tagliatelle irgendwo lagern müssen, bis sie in den Topf dürfen.

So sieht das aus, wenn die Tagliatelle irgendwo lagern müssen, bis sie in den Topf dürfen.

Was habe ich daraus gekocht?

In diesem Buch kleben auf fast allen Seiten bunte Zettelchen, die mir deuten: Nachkochen, ausprobieren, merken. Es gibt nur sehr wenige Seiten, die ohne Merkzettel geblieben sind.

Würziges Kartoffelgulasch mit Paprika (S. 156) – genau mein Geschmack. Kartoffeln, Paprika, Zwiebeln, Rapsöl, Rotwein, Tomatenmark, Gemüsebrühe, Salz, Lorbeerblatt, Nelke und Zitronenzesten. Kümmel und Paprika edelsüß. Alles vorhanden. Außerdem sollte Pimenton de la Vera ins Gulasch, das hatte ich nicht. Darum habe ich Piment d’espelette verwendet. Ich fand es sehr lecker. Die Alternative für den Fleischesser lautete: Chorizo.

Im Buch finden sich mehrere Rezepte mit Tagliatelle (S. 72) – und natürlich ein Grundrezept für die Zubereitung der Bandnudeln. Toller Nudelteig, der sich super rollen und durch die Nudelmaschine ziehen lässt. Tatsächlich die besten Tagliatelle, die ich bisher gemacht habe. Dazu gab es Rote-Bete-Raita (S. 160). Dafür braucht es außer Rote Bete nur ein bisschen Zucker, Zitronensaft, Joghurt und Schnittlauch. Rote-Bete-Salat habe ich schon öfters gemacht, manchmal gebe ich noch Walnüsse dazu und andere Gewürze. Rote Bete muss im Winter sein. Gerne öfters.

Das war aber nur der Anfang, es warten noch viele leckere Gerichte, die ich gerne als Anregung nehmen oder exakt nachkochen werde.

Würziges Kartoffelgulasch mit Paprika

Würziges Kartoffelgulasch mit Paprika

Was mir richtig gut gefällt!

Fast alle Rezepte sind vegetarisch, bieten jedoch unter der Überschrift „So schmeckt’s auch“ Alternativen für alle, die auf Fleisch und Wurst nicht verzichten möchten. Natürlich gibt es auch weitere Tipps, wie ein Gericht verfeinert oder für den nächsten Tag verwendet werden kann. Die Rezepte sind für jeden umsetzbar. Die Zutatenliste ist überschaubar und die Anleitung gut.

Fazit

»Der Speisemeister« zeigt was Deutsche Küche heute ist. Vielfältig, kombinierbar – für Vegetarier, Veganer und Fleischesser. Perfekt auch für Kochanfänger und für die Familie mit unterschiedlichen Ernährungsvorlieben.

Ein Buch für mich und meine Familie. Ich vergebe 7 Sterne – von fünf.

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Frank Oehler
»Der Speisemeister«
Kosmos Verlag, 2015
Laminierter Pappband mit Schutzumschlag
100 Fotos, 192 Seiten
ISBN  978-3-440-14639-2
29,99 €

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© Cover: Kosmos Verlag

 

Vielen Dank an den Kosmos Verlag!

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Ein Kommentar:

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