Rezension: »Niemalsland« von Neil Gaiman

Rücken/Cover: "Niemalsland" von Neil Gaiman

Rücken/Cover Erstausgabe (ohne Schutzumschlag): „Niemalsland“ von Neil Gaiman

Neil Gaiman wurde mir schon in der Vergangenheit mehrfach empfohlen. Aus irgendwelchen Gründen bin ich aber stets an ihm vorbei gelaufen. Dann las ich »Anansi Boys« und fand den Roman gut. Er hat mich aber nicht vom Hocker gerissen. Dennoch kaufte ich mir weitere Bücher, die aber auf dem Buchstapel liegen blieben, keins packte mich, denn Gaimans Bücher, zumindest die wenigen, die ich bisher (an)-gelesen habe, bleiben ein bisschen an der Oberfläche des Protagonisten, die Charaktere handeln oftmals sehr irrational – situationsbedingt. Doch das spricht mich nicht immer an. Die Geschichten selbst sprühen vor Ideenreichtum, was ich wiederum klasse finde. Litrarische Zwickmühle.
Nun lag also vor einiger Zeit »Niemalsland« auf einem Trödeltisch und ich griff zu:
1. wegen Neil Gaiman – ich wollte unser Autoren-Leser-Verhältnis noch nicht aufgeben.
2. wegen meines NiemaNDslandes. Da war die Angst, ob er meine Idee vor mir hatte.
Hatte er nicht, er hatte eine andere. Welch ein Glück – für uns beide, vor allem für mich.

"Niemalsland" - Manga-Ausgabe, Panini 2007

„Niemalsland“ – Manga-Ausgabe, Panini 2007

Zahlen & Fakten zu »Niemalsland« – TV, Comic, Buch

Das Buch erschien 1996 in England bei BBC Books. Die Erstauflage in Deutschland erfolgte 1997 – die ich vom Buch-Trödel-Krabbeltisch gefischt habe – bei Hoffmann und Campe. »Niemalsland« basiert auf der gleichnamigen TV-Serie NeverWhere, zu der Neil Gaiman das Drehbuch geschrieben hat. Die Miniserie wurde in England bereits 1996 in sechs Teilen ausgestrahlt – der Erfolg blieb aus. Das Buch hingegen erfreut sich heute noch großer Beliebtheit bei den Lesern.
2007 publizierte Panini »Niemalsland« als Manga. Der Illustrator Glenn Fabry hauchte den Charakteren mit Strich und Farbe ein weiteres Leben ein.

Inhalt

Richard Mayhew geht nach London, nicht ohne sich vorher – im doppelten Sinne – „die Kante zu geben“, nicht ohne vorher eine seltsame Begegnung mit einer alten Frau und eine mit dem Rinnstein zu haben. In London lernt er Jessica kennen, die große Liebe, die just endet, als ihm Door vor die Füße fällt – ein junges Etwas, blutverschmiert, das seine Hilfe braucht.
Währenddessen steuern zwei unangenehme Typen – Mr. Vandemar  und Mr. Croup – auf das heutige London zu – zuletzt hielten sie sich in der Toskana auf, vor 400 Jahren. Sie suchen Door, die über eine namensähnliche Begabung verfügt: Sie öffnet Türen in alle Welten.
Und schon ist Richard, der gar nicht wie ein Held wirkt und sich auch nur selten so benimmt, in seine eigene Heldengeschichte verstrickt, die allerdings kein Mensch erkennt, denn mit einem Mal ignoriert ihn die gesamte Welt, keiner hört ihn und schlimmer noch – es hat ihn anscheinend nie gegeben. Dummerweise erinnern sich Mr. Vandemar und Mr. Croup an Richard und haben Übles mit ihm vor.
Richard flüchtet. Nur wohin? Er landet schließlich in Unter-London, in dem eine Ratte das Sagen hat, Katzen als Delikatesse verspeist werden und auch sonst alles irgendwie anders ist. Da kann er nicht lange bleiben. Er sucht Door, denn sie ist die Tür zu seinem verschollenen Leben. Und als er sie gefunden hat, purzelt er in das nächste Abenteuer, das ihn zunächst zum Lachen bringt … zunächst.
Auf seinem Weg trifft er seltsame Orte und skurrile Typen und sogar Jessica taucht noch mal auf. Gejagt von Mr. Vandemar, Mr. Croup und deren unsichtbaren großen Boss sucht er mit Door die Mörder ihrer Familie und erobert sein Leben zurück.

Cover: "Niemalsland", Neil Gaiman, Heyne Verlag 1998

Cover: „Niemalsland“, Neil Gaiman, Heyne Verlag 1998

Fazit

Neil Gaiman macht in »Niemalsland« keine überflüssigen Worte, hier passt alles, es wird nicht geschwafelt und auch nichts schön geschrieben. »Niemalsland« wirkt stellenweise wie ein Drehbuch. Lücken fülle ich mit meiner Phantasie – manchmal, nicht immer. Einige Charaktere bleiben äußerlich plakativ. Ich habe fast keine Vorstellung davon, wie sie aussehen könnten. Ist Door eine Frau? Mädchen? Ratte oder doch eher ein Kobold? An einer Stelle im Buch schreibt Neil Gaiman von ihrem „Koboldsgesicht“, an einer anderen (S. 181) „ein kleines rotznasiges, koboldhaariges Mädchen“. Somit bleiben mir die Protagonisten über die Seiten hinweg ein bisschen fremd. Erst im letzten Drittel des Buches fühle ich mich richtig in der Geschichte angekommen.
So oder so: Ich habe selten ein in dieser Art stilistisch spartanisch-knallhartes und phantasiestarkes Buch gelesen. Überraschend gut.
Liebenswert: Das Nachwort.

P.S. Wenn du über das Buch sprechen willst, verwende die Kommentarfunktion hier im Blog, zurzeit bin ich arbeitsbedingt nicht in den Sozialen Medien anzutreffen. Dankeschön.

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Neil Gaiman
»Niemalsland«
Originaltitel: Neverwhere (BBC Books 1996)
Hoffmann & Campe Verlag, 1. Auflage, 1997
Übersetzung: Tina Hohl
351 Seiten
ISBN 3-455-02307-X
Diese Ausgabe ist nicht mehr erhältlich.

Der Roman ist aktuell beim Heyne Verlag als Taschenbuch (8,95 €) und als ebook erhältlich.

Webtipps:

Ein Kommentar:

  1. Pingback: Rezension: »Das Graveyard Buch« von Neil Gaiman – Nicole Rensmann

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