Rezension: »Planet Riesling« von Stuart Pigott / TreTorri Verlag

Cover: Planet Riesling von Stuart Pigott / TreTorri

Cover: Planet Riesling von Stuart Pigott / TreTorri

Riesling – Ein Wein, der das Gemüt der Weintrinker spaltet. Grund genug mich näher mit dem Weißwein zu beschäftigen. Anders als Stuart Pigott bin ich ein Anfänger, wenn es um (deutsche) Weine und Riesling im Speziellen geht.
Stuart Pigott ist Engländer und gilt in einschlägigen Kreisen als der Kenner für deutsche Weine.
Mit 15 Jahren entdeckte er seine Liebe zum Riesling, während er als Austauschschüler in einer Gastfamilie lebte. Fünf Jahre später arbeitete er in einem Restaurant und vertiefte seine Leidenschaft. Heute lebt der 1960 geborene Stuart Pigott in Berlin und New York. Als Autor und Journalist verknüpft er Genuss mit Kreativität.

Wie habe ich dieses Buch gelesen?

Kürzlich staunte jemand, als ich sagte, ich lese Kochbücher. Für mich ist das ein Studium der Sprache und des Genusses. Perfekte Kombi, nach meinem Gusto. Nun koche oder backe ich meist auch einiges aus dem Buch heraus. Bei einem Weinbuch wird das schwierig, denn zum Winzer werde ich sicherlich nie. Und bis ich ein Weinkenner bin, wird noch viel Wein gekeltert und getrunken.

Doch während ich mir einbilde kochen und backen zu können – kein Sterne-Niveau, aber gut – hege ich vor Wein einen gewissen Respekt.
Anders als bei der Anfänger-Literatur ist ein Buch über eine einzige Rebsorte eine Herausforderung. Lehrstoff auf hohem Niveau, geschrieben von einem Mann mit geübter Sensorik.

Wie gehe ich da ran? Ich las mir Interviews mit Stuart Pigott durch. Und da er in der Vergangenheit die Sendung »Weinwunder Deutschland – Stuart Pigotts Entdeckungsreisen« (BR) moderiert hat, konnte ich mich mit Videos auf den Autor und das Thema einstimmen.

Stuart Pigott ist wie ein Riesling, spritzig und voller Power, manchmal in sich ruhend, sympathisch, ehrlich.

Zum Buch

Hardcover, 230 Seiten, ein Geschichten-Informations-Band mit viel Text, wenigen Bildern. Darum lohnt es sich zu Beginn einen Blick in das Inhaltsverzeichnis des Buches zu werfen, denn bei neun Kapiteln mit mehreren Unterteilungen macht es Sinn, sich einen Überblick zu verschaffen.

Der Riesling. Wie sieht er aus, wie schmeckt er? Wo wird er angebaut und welchen Einfluss hat die Lage auf Geschmack und Farbe?
Wir reisen mit Stuart Pigott um die halbe Welt, um Riesling zu testen: USA – Nordosten, dann Westküste, Australasien, Sydney, Österreich, nach Italien und zurück in heimische Gefilde.
Das Buch endet mit den Top 100 der weltweit besten Rieslinge.

*Zitat Stuart Pigott: Beim Wein gibt es keine Objektivität und das ist auch gut so.

Weinberg Mosel

Weinberg Mosel

Interessant lesen sich seine Erfahrungen mit den einzelnen Weingütern. Die Entstehung, das Wachstum und das Urteil der dort produzierten Weine, weist auf sein Wissensspektrum hin. Hierzu fehlt jedoch ein Register zu Beginn oder am Ende des Buches, dann hätte jeder Weinliebhaber zwischendurch auch „nur“ mal eben nach seinem Lieblingswinzer nachschlagen können.

Der Inhalt ist breiter gefächert, als es das Inhaltsverzeichnis darstellt. Stuart Pigott schreibt witzig, verfällt jedoch stellenweise ins schwafeln und kommt vom Hölzken aufs Stöckchen. Auf den 230 Seiten beweist er sein über 30 Jahre lang gewachsenes Wein-Wissen. Das ist für Anfänger komplex. Manche Abschnitte sind zu lang, die Sätze arg verschachtelt, was sich bei einem Sachbuch sehr ungünstig auf die Verständlichkeit des Textes auswirkt. Andererseits ist das typisch pigottisch – es passt.

Hier lohnt es sich kapitelweise zu lesen, sonst werden Sinne und Augen schnell müde. Und das wäre schade, denn Stuart Pigott breitet sein unerschöpfliches Riesling-Wissen vor dem Leser aus.

Was habe ich daraus getrunken?WeinWinter

Den Riesling vom Weingut Winter (Erwähnung im Buch S. 149) habe ich erst kürzlich gekostet. In der etwas niedrigeren Preiskategorie (ca. 6,90 €) schmeckte ich Äpfel, Zitrone und Birne – säurestark, spritzig, frisch. Der Anbieter (hier: Jacques Weindepot) meint, der Geschmack des Weines erinnere an Physalis, Grapefruit und Kumquats, und empfiehlt den Riesling 2015 von Winter für den Alltag – diese Notiz hatte ich mir auch zum Wein gemacht.

Einige, der im Buch erwähnten Winzer sind mir vom Namen her bekannt, wie z.B. Kloster Eberbach, Juliusspital, Weingut Geil oder Franz Künstler, um nur ein paar wenige der deutschen Winzer zu nennen. Getrunken wird später.

Fazit

Ein Riesling-Erzählband, der ein großes Potenzial an Erfahrung und Erlebnissen widerspiegelt. Die Texte sind teilweise trocken, manchmal vollmundig. Stellenweise spritzig, selten fad. Es fehlt an visuellen Effekten, die das Geschriebene verstärken und die langen Kapitel auflockern.
Ich empfehle, das Buch bei einem Glas Wein – es muss kein Riesling sein, aber es dürfte – an gemütlichen Abenden zu lesen und immer mal wieder zur Hand zu nehmen.
Für Kenner und solche, die es werden wollen.

 

Stuart Pigott
Planet Riesling
Hardcover
TreTorri Verlag, Dezember 2014
280 Seiten
ISBN 978-3944628417
29,90 €

.

Webtipps

© Cover: Tre Torri Verlag

Vielen Dank an den Tre Torri Verlag!

*Das Zitat stammt aus »Weinwunder Deutschland – Stuart Pigotts Entdeckungsreisen« (BR)

6 Kommentare:

  1. Pingback: VDP-Weinpakete bei Gerolsteiner Weinplaces – Was steckt drin und lohnt sich das? – Nicole Rensmann

  2. Pingback: Verkostet: Riesling, Staatsweinkeller Weinsberg, Württemberg 2015 – Nicole Rensmann

  3. Pingback: Rezension: FINE – Das Weinmagazin / Tre Torri Verlag – Nicole Rensmann

  4. Pingback: Rezension: »Der Riesling – Weingut Robert Weil« / Tre Torri Verlag – Nicole Rensmann

  5. Pingback: Rezension: »Was is(s)t Deutschland« von Ursula Heinzelmann / TreTorri Verlag – Nicole Rensmann

  6. Pingback: geekchicks.de » geekchicks am 24.05.2016 - wir aggregieren die weibliche seite der blogosphäre

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.