Rezension: »Wein. Das Buch.« / Süddeutsche Zeitung Edition

 © Cover: »Wein. Das Buch.« / Süddeutsche Zeitung Edition

© Cover: »Wein. Das Buch.« / Süddeutsche Zeitung Edition

Noch ein Buch über Wein? Gibt es da nicht schon genug? Ich finde: Nein!
Solange Winzer experimentieren und neue Aromen hervorbringen, Wein im Weinkeller gesammelt und bei großen Events oder im kleinen Kreis mit Genuss getrunken wird, brauchen wir auch Autoren mit feiner Nase und sensiblen Gaumen, die sich literarisch dem Thema nähert. Und zwar immer wieder. Denn eine neue Generation der Weintrinker rückt nach. Und die will nicht nur trinken, die möchte wissen.

Zum Buch

Das Design

Ein liebevoll gestaltetes Buch spricht den Leser mehr an, rechtfertigt immer einen höheren Preis und lässt auch das Herz eines Bibliophilen höher schlagen. Ich kriege Herzklopfen, wenn ich ein schönes Buch aufschlage. Und wenn dann der Inhalt noch passt, bin ich glücklich. Aber zum Buchinhalt komme ich später.
Vorab muss das Design erwähnt werden. Denn Herausgeber und Verlag haben sich für »Wein. Das Buch.« optische Raffinessen ausgedacht. 

Der Buchrücken ist in Kork geschlagen, der Buchschnitt in goldrot getaucht – das sieht edel aus. Textstellen können mithilfe der beiden Lesebändchen – rot und weiß – markiert werden. Hier fehlt nur ein Bändchen in rosé, passend zu den drei Weinfarben, aber wir wollen mal nicht kleinlich werden. 

In einem Umschlag, der hinten im Buch liegt, befinden sich zwei Aromaräder für deutsche Weiß- und Rotwein (vom Deutschen Weininstitut). Dieser Umschlag ist so feste verklebt, dass er mir nicht beim ersten, aber beim zweiten Mal an einer Stelle einriss. Aber wie so oft, kommt es auf den Inhalt an. Und dem widmen wir uns jetzt. 

Inhalt 

Die Texte werden von neun verschiedenen Autoren geschrieben, die sich auf unterschiedliche Art dem Wein widmen.
Das Inhaltsverzeichnis strukturiert die wichtigen Themen rund um den Wein. Beginnend mit dem Vorwort, das der Herausgeber Ralf Frenzel persönlich verfasst hat. Es folgt ein allgemeiner Artikel zum Thema »Worum geht’s beim Wein?« von Markus del Monego.
»Die Einführung in die Sensorik« stammt von Prof. Dr. Hans Hatt und liest sich stellenweise etwas holprig. Dieser theoretische Teil wird überwunden, wenn es auf S. 29 mit den Rebsorten und den Aromen losgeht. Nun wird es bunt. Denn die Leitaromen werden in Bildern dargestellt. Eine visuelle Unterstützung, die mir auch bei »Mit allen Sinnen Genießen« von Jacopo Cossator und Fabio Petroni (Edition Delius) positiv auffiel. So lassen sich Aromen besser merken und zuordnen. 

Doch in »Wein. Das Buch.« wird die Merkfähigkeit nicht nur visuell unterstützt, sondern mithilfe eines Probeweins praktisch erläutert. Wer jetzt Lust hat, kann sich den Wein kaufen und selbst herausschmecken, ob Sauvignon blanc nach Minze und Holunder schmeckt oder im Merlot wirklich das Aroma von rohem Fleisch steckt. Denn bei all der Theorie, nur die Praxis ergänzt das eigene Aromenspektrum im Gehirn.

Stefan Pegatzky erläutert die Geschichte des Weins mit all den guten und schlechten Facetten. Interessant lesen sich Interna zum VDP und die – ich nenne es mal – Machthierarchien. Nach diesem Kapitel bestärkt sich mein Eindruck, Wein, so wie wir ihn heute trinken und schätzen, gibt es erst seit Kurzem. Und hinter den Kulissen wird um Anerkennung hart gekämpft. 
Die Kapitel für die Weinprobe im häuslichen Wohnzimmer (von Caro Maurer) und die Weingläserkunde von Kristine Bäder lesen sich flott und bieten hilfreiche Tipps, aber auch Rund-um-Wissen.  

Aromaräder für Deutsche Weine

Aromaräder für Deutsche Weine

Ab S. 177 wird es wieder praktisch, denn vier Verkostern probieren den selben Wein undteilen ihre Eindrücke mit. Und dabei zeigt sich, dass Michael Schmidt, Caro Maurer, Dirk Würtz und Markus Del Monego Weinkenner sind, aber andere Düfte wahrnehmen und teilweise unterschiedliche Früchte und Gewürze herausschmecken. Ein sehr beeindruckender Test zu einem Tinata, Toscana Ross, Monteverro von 2010 (Preis, rund 80,- €). 

Wein zum Essen

Meine Kollegin sagt immer: »Zu einem gute Essen, gehört auch ein gutes Glas Wein.« 
Stefan Pegatzky nimmt sich diesem Thema ab S. 187 an. Pro Gericht – zehn Stück insgesamt – stellt er drei Weine vor, die nicht unter den verwendeten Zutaten verschwinden und das Gericht nicht verderben sollten. (Einmal empfiehlt er auch Bier – das aber nur nebenbei. 🙂 )
Zu den Gerichten finden sich knappe Rezeptangaben. Mit Austern, Zander, Kabeljau, Lasagne, Rumpsteak, Tafelspitz, Gulasch, Wiener Schnitzel, Brotzeit (mit Wurst) und Poularde sind alle Rezepte sehr fleisch- und fischlastig. Nichts für Vegetarier. Schade.

Machen wir es schnell, denn diese Rezension wird zu lang. Das zeigt jedoch auch, wie umfangreich und vielschichtig »Wein. Das Buch.« ist. Und schließlich soll nichts vergessen werden. 

Auf den letzten Seiten beschäftigt sich Susanne Grendel mit dem Weinkauf, den richtigen Flaschenöffner, stellt sich die Frage: Kork oder Drehverschluss und endet ihre Beratung mit der richtigen Trinktemperatur. 

Das Buch schließt mit einer kleinen Auswahl an Linktipps und der Vorstellung aller Mitwirkenden. 

Das Glossar von A wie Abgang bis W wie Weinstein erklärt wichtige Wein-Wörter. 

Fertig. Jetzt ein Glas Wein. 
Obwohl, nein, es ist Mittagszeit, eine gute Zeit zum Verkosten, aber nicht zum Trinken. 

Kritik

Vor dem Fazit eine kleine Kritik
49,90 €. Liebevoll gestaltet, breites Wissensspektrum, auch durch die verschiedenen Autoren. Doch:
Der Buchdeckel biegt sich leicht durch. Das ist bei einem Hardcover schade und auch ungewöhnlich. Wenn ich eine 1,5 l Flasche Magnum – voll natürlich – daraufstelle, könnte das Problem behoben werden, aber das ist ja nicht Sinn eines Buches. Ich vermute, das hängt mit dem Korkrücken zusammen. Steht das Buch im Regal, fällt der kleine Schönheitsfehler nicht weiter auf. Ich hoffe, dass über die Jahre hinweg, der Buchdeckel sich nicht weiter nach oben wölbt.

Problematischer ist auch aus meiner Sicht – und vermutlich ist es allein meine Sichtweise, denn nur wenige werden sich daran stören – das Lektorat. 
Bei dem Text des einen Autors fehlen Interpunktionen, der andere hat ein Problem mit dem Plusquamperfekt und ein Dritter schiebt unverständliche Schachtelsätze ein. Das ist im Einzelnen nicht tragisch, stört aber gehäuft. Vielleicht kann der Verlag bei der 2. Auflage noch einmal drüber lesen. Ich bin sicher, die Fehler fallen dann selbst auf. Ich kenne ja das Problem selbst. Aber hier im Blog liest kein Lektor und kein Korrektor drüber und alles ist gratis – auch die Fehler. 😉
Bei 49,90 € eher weniger. 

So, genug von meiner Korinthenkackerei. Denn im großen Fazit ist alles gut.

Fazit 

Ein außergewöhnliches Buch, dem die verschiedenen Autoren mit all ihrem Weinwissen die richtige Würze und ein ausgewogenes Verhältnis verleiht.
»Wein. Das Buch.« ist für Alle, die nicht nur Wein trinken, sondern zelebrieren möchten, für Anfänger und Fortgeschrittene, in jedem Fall für diejenigen, die Bücher und Wein lieben. 
Aufgrund der Aufmachung bietet sich »Wein. Das Buch.« auch als Geschenk an – dazu eine gute Flasche Wein. Natürlich.  

Was habe ich dazu getrunken?

Während der Lektüre dieses Buches habe ich einige Weine verköstigt, und es fällt mir schwer, einen einzigen Wein herauszupicken und vorzustellen. Demnächst soll es mal wieder einen autarken Wein-Beitrag geben, damit der Wein auch die entsprechende Aufmerksamkeit erhält, die er verdient. 

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Diverse / Hrsg.: Ralf Frenzel
»Wein. Das Buch.«
Süddeutsche Zeitung Edition & Tre Torri Verlag
Hardcover, Dezember 2016
mit goldrotem Schnitt, Korkrücken und zwei Lesebändchen
266 Seiten
ISBN 978-3-86497-375-8
49,90 €

 

Webtipps

 

 

© Cover: »Wein. Das Buch.« / Süddeutsche Zeitung Edition

Vielen an die Süddeutsche Zeitung Edition und Agentur Becker für die Zusendung des kostenlosen Rezensionsexemplars.

Ein Kommentar:

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