Verkostet: Domaine de L’AIGLE Pinot Noir 2014 / Gérard Bertrand, Südfrankreich

Die Trauben

Pinot Noir, bei uns auch als Spätburgunder bekannt, zählt zu den sensiblen Trauben, die besonders viel Pflege, Liebe und Können benötigen. Zu viel Feuchtigkeit mag die dünne Haut der Spätburgunder-Traube nicht und mit Hitze kann sie auch nicht gut umgehen. Auch der Önologe muss sein Handwerk verstehen. Dann aber schenkt Pinot Noir Weine mit vielschichtigen Aromen, von fruchtig bis würzig, samtig im Mund, mit langem Nachhall.
Spätburgunder-Trauben haben ihren Siegeszug vor Urzeiten in Burgund begonnen und sich von da aus verteilt. Heute wächst Pinot Noir beinahe überall auf der Welt, aber nicht jeder Spätburgunder ist gut. Frankreich, Deutschland (z.B. Ahr) und Neuseeland zähle ich zu meinen Pinot Noir-Favoriten.
Doch auch in Österreich, Schweiz, Italien, Spanien und in den USA wird Spätburgunder angebaut.
Reinsortig wird der Spätburgunder für Rosé, Rotwein und Blanc de Noir verwendet. In Champagner oder einem Crémant gehört Pinot Noir unbedingt, gern mit anderen Rebsorten kombiniert. Bei Sekt oder Crémant finden sich auch reinsortige Pinot-Noir-Schaumweine – Blanc de Noir mit Kohlensäure sozusagen.

Domaine de L’AIGLE Pinot Noir 2014 / Gérard Bertrand, Südfrankreich

Gérard Bertrand – ein bekannter Geheimtipp, empfehlenswert

Der am 27. Januar 1965 geborene Gérard Bertrand stammt aus einer Winzerfamilie. Mit zehn Jahren wies ihn sein Vater Georges in die Geheimnisse des Weines ein. Doch mit neunzehn Jahren entschied sich Gérard zunächst gegen die elterlichen Weingut-Wurzeln und wählte eine Karriere als professioneller Rugbyspieler. Eine Karriere, die auch sein Vater schon einmal anstrebte.
Ab August 1987 unterstützte er seinen Vater in der Domaine de Villemajou. Als dieser überraschend bei einem Unfall stirbt, übernimmt Gérard Bertrand das Weingut. Damals war er 22 Jahre jung. Parallel spielte er bis 1994 professionell Rugby, diese Karriere beendete er als Captain of Stade Français.

© Cover: »Le vin à la belle ciel« Gérard Bertrand

© Cover: »Le vin à la belle ciel« Gérard Bertrand

Bei der Domaine de Villemajou blieb es nicht, heute gehören ihm neun Weingüter, darunter u.a. die Domaine de Cigalus, Domaine de Villemajou, das Château Laville Bertrou, und Château l’Hospitalet.

Und obwohl er mehr als 600 Hektar Rebflächen bewirtschaftet, achtet er auf biodynamischen Anbau. Diese Erfahrung hat er in seinem Buch »Le vin à la belle ciel« (2015, dt: „Der Wein unter dem guten Stern“) festgehalten. Das ist allerdings nicht seine einzige Publikation. Gérard Bertrand veröffentlichte in Frankreich weitere Bücher wie »Le Veau de boucherie: Concilier bien-être animal et production« (2003)  und »Schneider, maître verrier« (1998), die jedoch nicht annähernd solch eine Beachtung fanden wie seine Weine.

Seine Weine sind beinahe überall im Handel erhältlich. Hervorzuheben wäre hier die Beziehung zu Jacques Weindepot, die bereits 1975 begann. Bis heute sind speziell ausgewählte Weine von Gérard Bertrand im Sortiment von Jacques zu finden.

Domaine de L’AIGLE Pinot Noir 2014

Der Wein

Die Trauben dieses Weines stammen von den höchstgelegenen Weinbergen im oberen Tal der Aude und des Languedocs, der Domaine de L`aigle. Hier herrschen niedrigere Temperaturen und es regnet mehr als im üblichen Weinanbaugebiet des Languedocs, perfekt für die empfindliche Pinot Noir-Traube. Ozeanische Einflüsse bewahren die Aromen und verleihen den Weinen – in Kombination mit dem Boden – Frische, Frucht und Mineralität.

Alkohol: 13,5 %
Zucker: 1,2 g/l
Säure: 4,9 g/l

Farbe: Rubinrot mit einem hellrosa-bräunlichen Rand, leichte Schlieren (schmale Kirchenfenster) am Glas.

In der Nase, sofort präsent: Johannisbeere, Heidelbeere, Himbeere, wenig Nelke, sehr schöner Duft.

Dafür muss er schon ein bisschen offen sein: Hauch von Sherry, ein bisschen Mon Cheri

Im Mund: saftig, kräftig, feine Würze und Frucht, vielschichtig, aber säurebetont. Bleibt lange im Mund.

Fazit

Ein Wein für den gemütlichen Abend auf der Couch, der jedoch auch zum Grillabend passt und einem kräftigen, herzhaften Essen standhalten kann. Keine Kanten, keine Ecken, eher rund und ausgewogen.

 

Webtipps / Quellen:

 

© Cover: »Le vin à la belle ciel« Gérard Bertrand

Ein Kommentar:

  1. Pingback: Wie trinke ich Wein mit mehr Genuss? – Nicole Rensmann

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