Historische Wein-Gadgets: Das Tastevin

Tastevin von Berndorf

Tastevin von Krupp Berndorf, Österreich

Innerhalb von wenigen Tagen stieß ich zweimal auf das Wort „Tastevin“.
Das erste Mal in »Wein, die 100 wertvollsten Weine der Welt von Michel-Jack Chasseuil«.
Das zweite Mal, als ich ein Weingut in einer älteren Ausgabe (1998) »Der grosse Johnson« nachschlug und im Kapitel „Vom rechten Weingenuss“ hängen blieb. Und wie das manchmal mit Zufällen ist, entdeckte ich auf eBay ein Tastevin, als ich etwas völlig anderes suchte. Ich schlug die Kapitelstellen in den o.g. Büchern noch einmal nach. Der Preis in der Auktion erschien mir günstig. Das Tastevin, das nicht unter diesem Namen angeboten wurde, war stark angelaufen. Egal. Sofort-Kauf. Ohne 1-2-3 – Meins. 

Eine neue Sammelleidenschaft beginnt!

Tastevin – was bedeutet das?

Die Bezeichnung stammt aus dem Französischen. Taste vin bedeutet wörtlich übersetzt „Teste Wein“.
Das Tastevin ist eine Weinprobierschale, die seit dem 14. Jahrhundert in den Weinkellern  zu Probierzwecken benutzt wurde. 

© Foto aus: »Der grosse Johnson«, 1998 "Vom rechten Weingenuss" (S. 669)

© Foto aus: »Der grosse Johnson«, 1998 „Vom rechten Weingenuss“ (S. 669)

Wie sieht ein Tastevin aus? 

Ein Tastevin ist eine kleine Schale, mit einer zusätzlich daumengroßen Halterung an der Seite und einem Ring, der als Griff für den Zeigefinger, und zusätzlich als Öse Verwendung findet. Durch den Ring wird eine Kette oder ein Band gezogen, denn das Tastevin wurde traditionell um den Hals getragen. Allerdings verfügen nicht alle Tastevins über eine Öse. 
Manche Tastevins sind glatt. Viele haben unterschiedlich geformte Einkerbungen, die einen Zweck erfüllen. Elektrisches Licht war noch nicht erfunden, die dunklen Weinkellergewölbe wurden mit Kerzen und Fackeln ausgeleuchtet. Das flackernde Kerzenlicht brach sich in den Rillen und Einbuchtungen des Tastevins. Die Schattierungen und die Farbe des Weins konnte exakt bestimmt, Trübungen ausfindig gemacht werden. 

Manche Tastevins sind kunstvoll dekoriert (z.B. mit Weinblättern), mit Reliefen verziert und dazu mit Gravuren versehen – oftmals mit dem Namen des Besitzers oder des Weingutes. 

Die Schmuckbranche verkauft Mini-Tastevins mit Halskette, die eher symbolischen Charakter besitzen und keinen Nutzen haben. Für Sommeliers, Weinfreunde und Weinsammler aber eine schmückende Idee. 

Aus welchem Material besteht ein Tastevin?

Tastevins wurden aus Silber gefertigt. Die Farbe des Rotweins lässt sich auf dem silberfarbenen Untergrund deutlich bestimmen. Nur eine kleine Pfütze Rotwein ist ausreichend, um Farbe und Trübungen zu erkennen.
Silber hat übrigens auch eine antiseptische Wirkung. 

Tastevin mit Rotwein

Tastevin mit Rotwein

Weinprobierschalen gibt es also in Silber oder Messing versilbert. Doch auch Zinn zählt zu den Metallen, aus denen die Schmiede Tastevins fertigten. Auch vergoldete Tastevins gibt es, stellten aber wohl eher den Reichtum seines Besitzers dar und weniger den Zweck, die Farbe des Rotweins zu analysieren. 

Außerdem sind auf dem Markt Tastevins aus Glas, Porzellan oder Keramik zu finden. Wobei hier die Funktionalität und der Ursprungsgedanke ebenfalls fraglich ist. 

Wo kommt das Tastevin her?

Der Name verrät: Frankreich hat sich diese kleine Weinprobierschale ausgedacht. In »Der grosse Johnson«, Kapitel „Vom rechten Weingenuss“(1998, S. 669) heißt es:

Zitat: Das Gefäß […] ist zum Abzeichen für feierlich-fröhliche Weinproben in Burgund geworden. Eine schlichtere Version wurde für Chateau Lafite-Rothschild kreiert. 

Wikipedia meint, große Trinkschalen (ab 1500 v. Chr.), seien die Vorläufer des Tastevins, mit denen der Wein aus den Amphoren geschöpft wurden.

Weiter heißt es: 

Zitat: Im 15. Jahrhundert wurde in Burgund eine kleine Tasse mit glatten oder bossierten Wänden als taste vin bezeichnet. Im Languedoc hieß das Gerät tassontassottassette und tasse à vin. In England wurden die ersten Probierschalen dieser Art im 14. Jahrhundert erwähnt. Der Höhepunkt des Tastevin war im 18. Jahrhundert, als Goldschmiede die reliefverzierten, getriebenen und ziselierten Probierschalen kunstvoll fertigten. 

© Foto aus »Wein, die 100 wertvollsten Weine der Welt von Michel-Jack Chasseuil«

© Foto aus »Wein, die 100 wertvollsten Weine der Welt von Michel-Jack Chasseuil«

Michel-Jack Chasseuil hegt und pflegt in seinem Weinkeller nicht nur mehr als 35.000 Weinschätze, sondern auch historische Wein-Accessoires. Darunter eine baltische Probiertassse aus der Vorkriegszeit.

Probiert wurde mit allem, was Flüssigkeit bei sich behielt. Doch die Farbe des Rotweins konnte nur in einem Silberschälchen bestimmt werden  – dem Tastevin.

Da liegt wohl der Unterschied zwischen den Weinprobierschalen und dem ursprünglichen Tastevin.

 

Quellen / Webtipps

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