Rezension: »Zu Gast in Highclere Castle – Geschichten und Rezepte aus dem echten Downton Abbey« von Countess of Carnarvon / Callwey Verlag

© Cover: »Zu Gast in Highclere Castle - Geschichten und Rezepte aus dem echten Downton Abbey« von Countess of Carnarvon / Callwey Verlag

© Cover: »Zu Gast in Highclere Castle – Geschichten und Rezepte aus dem echten Downton Abbey« von Countess of Carnarvon / Callwey Verlag

„Sei hier Gast, sei hier Gast, sei hier Gast!“

Die TV-Serie Downton Abbey zählt zu meinen persönlichen Serienhighlights. 
Die Charaktere sind großartig und authentisch, die Dialoge ebenso und dazu nicht selten witzig. Die Geschichten rund um die Familie Crawley und ihr Personal sind wunderbar erzählt. 

Ein Leben Anfang des 20. Jahrhunderts in einem herrschaftlichen Schloss, mit guten und bösen Charakteren. Intrigen, Liebe, Tod, Krieg – all das, was das Leben bereithält – findet auf und rund um Downton Abbey statt. 

Dazu wunderbare Schauspieler, weniger bekannte und prominente wie Maggie Smith oder Shirley McLaine. Nicht zu vergessen eine Kulisse wie in einem Traum, zumindest für alle, die historische Gebäude und Antiquitäten mögen. Auch geschichtliche Details werden in der Serie eingepflegt, z.B. wann das erste Telefon vermarktet wurde oder der erste Lockenstab. 

Erwähnenswert sind auch die Synchronstimmen, die durchaus zu den Charakteren passen und mit Seele den Schauspielern eine deutsche Stimme verleihen. Das ist heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich.

In der heutigen Zeit, in der am Fließband Serien produziert werden, die nur auf Einschaltquoten zielen, aber nicht auf die Feinheiten achten, zählt Downton Abbey zu einem künstlerischen Serienkleinod. 

Die Serie Downton Abbey spiegelt nicht zu 100% das wahrhaftige Leben zu der damaligen Zeit wieder. Hier und da wurde ein bisschen geschönt, aber das macht diese Serie aus. Das wollen wir sehen!
Nur einmal geschieht ein brutales Verbrechen auf Downton Abbey, das die gesamte Stimmung zerstört und den Zuschauer verstört zurücklässt. Und das auch deshalb, weil die Charaktere einem so nah sind. 

Downton Abbey ist eine Mischung aus »Die Waltons« und »Das Haus am Eaton Place«, aber besser.  

Mehrfach täglich kredenzt das Küchenteam auf Downton Abbey köstliche Kuchen, leckere Diner und feine Suppen. 

In Zusammenarbeit mit den wahren Bewohnern von Downton Abbey hat der Callwey Verlag ein Buch herausgegeben. Seien wir also »Zu Gast in Highclere Castle – Geschichten und Rezepte aus dem echten Downton Abbey«.

Ins Buch geschaut

Das Design: ein schwerer, übergroßer Buchband – Hardcover mit Schutzumschlag und rosafarbenem Lesebändchen.  

Die Vorsatzblätter stimmen bereits auf die Epoche ein und zeigen goldbemalte Stuckelemente, farbige Papiertapeten und eine Tür mit Goldgriff. Ich liebe es jetzt schon. Allerdings bin ich mit solchen kleinen Details auch wirklich schnell zu kriegen. Schauen wir mal weiter. Ein gemütlicher Sessel vor einem Kaminfeuer lädt zum Verweilen ein, wir blättern weiter und stellen uns vor, in diesem Sessel zu sitzen, auf Highclere Castle, dem echten Downton Abbey. 
Zu Beginn begrüßt uns die Countess of Carnarvon, die uns durch Highclere Castle führt – keine Fiktion, sondern Realität. Sie erzählt die Geschichte des Schlosses und dessen Bewohner.

Zitat: Fiona Countess of Carnarvon ist mit dem 8. Earl of Carnarvon verheiratet, dessen Familie seit 1679 auf Highclere Castle lebt. Neben ihrem Einsatz für den Familiensitz ist sie Autorin der internationalen Bestseller Lady Almina und Das wahre Downton Abbey und Lady Catherine and the Real Downton Abbey.

Das Inhaltsverzeichnis führt die einzelnen Kapitel auf. Noch vor dem Frühstück erfahren wir mehr über Architektur und Politik. Es folgt ein Rundgang durch den Salon, wir genießen Fische & Meeresfrüchte in der Schlossküche, erleben ein Wochenende mit dem Schriftsteller Henry James, bestaunen die Bibliothek, stibitzen ein Stück von Fleisch, Wild & Geflügel aus der Küche und haben längst noch nicht alles gesehen, gekostet, genießen können. Es folgt: Das Empfangszimmer, Gemüse, Suppen & Herzhaftes, Musik und Missklang, Nachmittagstee, Der Speisesaal, Süßes … Zu Hause. Dazwischen lernen wir verschiedene Personen kennen, die auf Highclere Castle arbeiten. 
Soweit das Inhaltsverzeichnis, gehen wir einen Schritt hinein – ins Schloss. 

Ins Buch geschaut – Die Details

Das Inhaltsverzeichnis hat es bereits verraten, hier geht es nicht um die Film-Crew, die Hintergründe zur Serie oder die Schauspieler. Wir sind zu Gast auf Highclere Castle – keine künstlich erbaute Filmkulisse, sondern ein Schloss, das – so erfahren wir – für die Serie kaum verändert wurde, abgesehen von den technischen und fortschrittlichen Details, die das nachfolgende Jahrhundert mit sich gebracht haben. 

Eine Vielzahl an Fotos zeigen Gemälde, die Inneneinrichtung, den Garten, Bücher. Auszüge aus dem Haushaltsbuch, Fotos von Fotos oder Karten sowie Bilder zu den Rezepten ergänzen diesen umfassenden Geschichtsband.

Die Rezepte sind gut erklärt, teils mit wenig, teils mit mehr Aufwand zu befolgen.  Interessant sind auch die geschichtlichen Anekdoten und Entstehung zu einigen Gerichten. 

Was habe ich daraus gekocht?

Der Baba au Rhum

Baba au Rhum

Das Ambiente einer Schlossküche gibt den Rezepten natürlich die gewisse Würze. Und ich bin auch nicht Miss Petmore (aus Downton Abbey).

Darum habe ich mich für ein bescheidenes Rezept entschieden: 
Ofengeröstete Bete-Knollen (S. 162/163): Hier sollten gelbe und rote Bete verwendet werden. Bei uns auf dem Markt gibt es nur rote. Die Zubereitung geht sehr schnell, denn die Bete muss vorher nicht gekocht werden: Schälen, in Schiffchen oder Streifen schneiden und mit einer Marinade aus Öl, Knoblauch, Gewürzen und Kräutern vermischen. Dann kommt alles in den Ofen und brutzelt dort vor sich hin.
Eine gute Alternative zu Kartoffeln oder auch perfekt als Beilage. Ich würde beim nächsten Mal aber noch einen Spritzer Orangensaft in die Marinade geben, das verleiht der Bete noch ein bisschen Frucht zu ihrem erdigen Aroma.

Danach wurde es süß und saftig. Der Baba au Rhum (S. 226/227) ist ein mit Rum getränkter Napfkuchen, der eigentlich als Dessert kredenzt wird. Ich habe die doppelte Menge genommen und daraus einen Kuchen gebacken. Wow!
Um den Kuchen richtig zu tränken, habe ich zusätzlich mit einer dünnen Nadel (z.B. Holzspieß) Löcher in den Kuchen gestochen. Der Sirup für die Tränke wird aus Rum, Wasser und Puderzucker hergestellt. Zitronenscheiben, Zimtstangen und Sternanis werden mitgekocht.
Ein supersaftiger Kuchen aus Rührteig mit weihachtlichem Aroma. Lecker!

Fazit

Ein umfassendes Werk über Hihgclere Castle – dem Schloss, das Weltruhm durch eine TV-Serie erlangte, das jedoch schon Jahrhunderte vorher Geschichte geschrieben hat.

»Zu Gast in Highclere Castle – Geschichten und Rezepte aus dem echten Downton Abbey« ist ein Buch für Downton-Abbey-Fans, aber auch für Menschen, die von Schlössern beeindruckt sind und sich für die englische Geschichte interessieren. Ein toller Band, der (fast) alle Sinne beansprucht. 
Eins fehlt jedoch zwischen all den Fotos und Erzählungen: Ein Blick in den Weinkeller.

 

»Zu Gast in Highclere Castle – Geschichten und Rezepte aus dem echten Downton Abbey« 
Callwey Verlag, September 2017 
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 288 Seiten
ISBN 978-3-7667-2292-8
39,95 €

Auch als ebook für 22,99 € erhältlich.

 

Webtipps

 

© Cover: »Zu Gast in Highclere Castle – Geschichten und Rezepte aus dem echten Downton Abbey« von Countess of Carnarvon / Callwey Verlag

Vielen Dank an den Callwey Verlag für die Zusendung des kostenlosen Rezensionsexemplars.

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