Rezension: »Das Sizilien Kochbuch« von Andreas Hoppe / Südwest Verlag

»Das Sizilien Kochbuch« von Andreas Hoppe / Südwest Verlag

»Das Sizilien Kochbuch« von Andreas Hoppe / Südwest Verlag

Zweiundzwanzig Jahre – von 1996 bis 2017 – löste Andreas Hoppe als Mario Kopper gemeinsam mit Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) Fälle im Tatort. Sein Abgang aus der Serie war für alle überraschend. Und das Warum wird nicht öffentlich diskutiert. Auch ich werde  keine Spekulationen anstellen. Aber so viel sei gesagt: Kopper wird fehlen. 

Der Figur Mario Kopper wurden italienische Wurzeln verliehen und damit die Liebe zu italienischem Essen.

Der Schauspieler Andreas Hoppe, geboren 1960 in Westberlin, beschäftigt sich auch privat mit gutem Essen.
Als Co-Autor veröffentlichte er 2009, gemeinsam mit Jacqueline Roussety, das Kochbuch „Allein unter Gurken. Mein abenteuerlicher Versuch, mich regional zu ernähren“ (Pendo-Verlag).

Sein neuestes Buchwerk ist der Hauch eines melancholischen Rückblicks auf 20 Jahre Tatort und eine kulinarisch-poetische Betrachtung Siziliens. 

Birnenkuchen

Birnenkuchen

Ins Buch geschaut

224 Seiten im Hardcover verpackt. Das Wort „Sizilien“ fühlt sich wie ein Prägedruck an, deutlich erhaben, als seien die Buchstaben auf jedem Buch einzeln darauf gemalt.
Rezepte und Fotos stammen von Cettina Vicenzino.
Wie schon erwähnt, finden sich in »Das Sizilien Kochbuch« nicht nur sizilianische Rezepte, sondern auch zahlreiche Texte, in denen Andreas Hoppe sich von seiner Zeit beim Tatort verabschiedet – hier schwingt viel Melancholie mit – und auf eine neue Zeit freut.

Das Inhaltsverzeichnis auf den ersten Seiten spricht von Freundschaft, Ankommen – Syrakus, Trauer – Taormina oder Klärung  in Calatabiano bis hin zur Rückkehr in Syrakus.
Zwei Rezeptregister – eins in Deutsch und eins in Italienisch – listen alle Rezepte alphabetisch auf. Die Rezepte sind gut beschrieben, die einzelnen Handlungen leicht nachzueifern. Auffällig sind die knappen Zutatenlisten. Besonders beim „Süßkram“ werden Kekse, Kuchen oder Desserts eher pur hergestellt. 

Welches Rezept habe ich zubereitet?  

Ich bin noch lange nicht fertig mit dem Buch. 
Hier die ersten vier Probe-Koch-Aktionen.

Mandelpudding

Mandelpudding

Crostata – di pere Coscia alias Birnenkuchen (S. 156/157) wird ähnlich zubereitet wie die Linzer Torte, allerdings minimalistischer. Anstatt Himbeerkonfitüre wird Birnenmarmelade verwendet. Der Teig besteht aus wenigen Zutaten. Hier würde ich einen Teil des Mehls mit gemahlenen Mandeln oder gemahlenen Haselnüssen ersetzen, dann wird der Kuchen aromatischer. Auch ein bisschen Zimt, Vanille oder Kardamom passen gut als Gewürze in den Teig. 

Ebenfalls mit wenigen Zutaten lässt sich Biancomangiare (S. 160/161) alias der Mandelpudding zubereiten. 
Zucker, Weizenstärke, Milch oder Mandelmilch und 1 Bio-Zitrone – das war es schon. Bei der Verwendung von Mandelmilch ist dieser Pudding sogar vegan. 
Da die Milch mit den Zutaten erhitzt werden muss, kann ich mir hier weitere Geschmacksvariationen vorstellen: Rosenblätter, Vanille oder Lavendel mitkochen, dunkle oder helle Schokolade schmelzen und einrühren. Aber auch verschiedenen weihnachtliche Gewürze wie Zimt, Tonkabohne oder Nelken passen gut. Auch Kaffee dürfte diesem Pudding ein neues Aroma geben. 

Brioche al Profumo D’arancia alias Brioche mit Orangenblütenwasser (S. 82/83).
Hier kommt Orangenblütenwasser als Aroma zum Einsatz. Der Hefeteig lässt sich problemlos herstellen. Er ist wunderbar und lässt sich auch im Kühlschrank aufbewahren, nachdem er „aufgegangen“ ist. Ich hatte den Teig vergessen und konnte am späten Abend die Brioche nicht mehr zubereiten. Am nächsten Tag ließ sich der Teig sehr schön verarbeiten und die Brioche fertigstellen. Lecker und fluffig. 

Ossa di Morti oder süße Totenknochen

Ossa di Morti oder süße Totenknochen

Für die Ossa di Morti alias Süße Totenknochen (S. 44 /45) braucht es außer 500 g Zucker, Zimt – und Nelkenpulver nur noch 500 g Mehl. Das sind lediglich vier Zutaten. Klingt erst mal machbar. 
Ein interessanter, eher zäher, teil klebriger Teig, der eine Überraschung bereit hält. Leider hat sich mein Ofen auf die zeitlichen Angaben im Rezept nicht eingelassen. Die erste Fuhre verbrannte, die zweite transformierte nicht, die dritte funktionierte dann besser. ABER – und diese Warnung befindet sich auch im Buch: für die Knochen brauchst du gute Zähne. Denn die süßen Totenknochen aus Sizilien sind knochenhart.
Für Gebissträger absolut ungeeignet! 
Da hilft nur eins: In Kaffee tunken und abwarten… 

Fazit 

»Das Sizilien Kochbuch« ist ein ansprechend gestaltetes Buch in und über Sizilien mit dem Schwerpunkt Kochen. Die Rezepte sind interessant, einfach nachzukochen und mit eigenen  kulinarischen Ideen zu ergänzen.  Andreas Hoppe und Cettina Vicenzino haben Poesie, Melancholie und Kulinarik in diesem Band vereint. 
Sehr schön. 

Andreas Hoppe
»Das Sizilien Kochbuch«
Südwest Verlag, September 2017
Hardcover, 224 Seiten
ISBN 978-3517096094
24,99 €
Auch als ebook für 19,99 € erhältlich.
 

Webtipps

© »Das Sizilien Kochbuch« von Andreas Hoppe / Südwest Verlag
Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des kostenlosen Rezensionsexemplars. 

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