Gelesen: »Coraline« von Neil Gaiman

»Coraline« habe ich als Verfilmung gesehen. Das ist schon ein paar Jahre her. Die Konstellation „Erst-sehen-dann-lesen“ empfinde ich als ungünstig, aber manchmal geht es nun einmal nicht anders.
In meinem Bestreben mehr zu lesen, bleibe ich oft bei Neil Gaiman hängen. Er schreibt schöne Geschichte, mal verrückt, skurril, in jedem Fall voller Phantasie. Seine Romane und Erzählungen haben für mich meistens einen Fehler: Die kühle Distanz zum Leser. Ich lese seine Bücher mit Interesse, aber ohne diesen „Wow“-Effekt. Neil Gaiman bietet für mich gute Unterhaltung, leicht unterkühlt, aber mit viel Phantasie und versteckten Botschaften zwischen den Zeilen.

Um was geht es?

»Coraline« erschien bereits 2014 im Arena-Verlag. Das Cover des Hardcovers ist auch das Cover vom Film. 
Auf 175 Seiten teilen wir das Schicksal von Coraline, die mit ihren Eltern in ein neues, etwas düsteres Haus gezogen ist. Ihre Eltern haben wenig Zeit für sie, wirken auch manchmal etwas zerstreut. Dafür sind die Nachbarn ziemlich verrückt. Um sich die Zeit zu vertrieben, denn Coraline ist ständig langweilig, besucht sie Miss Spink und Miss Forcible oder wandert durchs Haus. Dabei stößt sie auf eine Tür. Die Tür ist verschlossen, doch ihre Mutter öffnet die Tür für sie. Dahinter eine Mauer. Jetzt.
Aber in diesem Haus gehen seltsame Dinge vor sich. Und als Coralines Mutter in die Stadt fährt, um einkaufen zu gehen, öffnet Coraline die Türe selbst. Die Mauer ist verschwunden, dahinter sieht es so aus wie bei ihr zuhause. Sie geht hindurch. Und trifft dort auf eine zweite (kleine) Welt. Ihre Eltern sind da, aber das sind nicht ihre Eltern. Die Nachbarn sind da, aber das sind nicht die Nachbarn.
Coraline muss sich zwischen ihren richtigen Eltern und den anderen Eltern entscheiden. Doch diese Entscheidung wird ihr nicht leicht gemacht, denn hier sind gruselige Mächte im Spiel.
Zum Glück ist Coraline mutig, hat einen (manchmal sprechenden) Kater an ihrer Seite und einen Stein mit Loch in der Tasche.

Während des Lesens, poppten die Bilder aus dem gleichnamigen Film »Coraline« wieder auf. In diesem Fall passte die Erinnerung zum geschriebenen Wort gut. Ich bin mir nicht 100% sicher, aber ich glaube, Buch und Film sind sehr nah aneinander.

Der Verlag ordnet »Coraline« in die Ecke für Kinder von 0 bis 12 Jahre ein. Doch wenn es schon eine Einordnung geben muss halte ich hier ein „Ab 7 Jahre“ für angebrachter. Diese Geschichte ist düster und gruselig. Für Kindergartenkinder eher ungeeignet.

Aber Erwachsene dürfen das Buch natürlich lesen.

Was sagt das Buch aus?

»Coraline« ist die Geschichte über ein Mädchen, das sich – wie viele Kinder – zu Hause langweilen und die Eltern doof finden. Das macht sich ein Wesen zu Nutze. Doch Coraline ist mutig – nicht übertrieben mutig, eher in einem nachvollziehbaren Maße – und erkennt die Gefahr. Doch damit reicht es leider nicht. Sie muss ihre Eltern retten, den Kater, sich selbst und … aber ich will nicht zu viel verraten.

Fazit

Eine kleine Geschichte über Familie, Zusammenhalt und Mut, aber auch von Verrat und Täuschung.
Dazu eine Handvoll seltsamer Wesen, ein sprechender Kater, der an die Grinsekatze aus »Alice im Wunderland« erinnert und Ratten. Liest sich spannend!
Und in diesem Fall ist es auch egal, wenn der Film vorher gesehen wurde.
»Coraline« hat eine Herzlichkeit, die ich bei Neil Gaiman noch nicht gelesen habe.
Positive Überraschung. Schön!

 

 
Neil Gaiman
Coraline
Arena Verlag, 2014
Hardcover, 176 Seiten 
ISBN 978-3401064451
12,95 €

Auch als ebook und Hörbuch erhältlich.

 

Webtipps

 

© Cover: »Coraline« von Neil Gaiman / Arena Verlag

Aus meinem eigenen Bestand.

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