Rezension: »Whisky-Wissen« von Cyrille Mald und Alexandre Vingtier / Edition Delius

© Cover: »Whisky-Wissen« von Cyrille Mald und Alexandre Vingtier / Edition Delius

© Cover: »Whisky-Wissen« von Cyrille Mald und Alexandre Vingtier / Edition Delius

Obwohl ich viel über Spirituosen lese und schreibe, konsumiere ich selten bis eher gar keinen „harten Stoff“. Mich faszinieren Herstellung, Aromen, die Vielfalt auf dem Markt und die Menschen dahinter. Mein Schwerpunkt liegt also weniger beim Konsum, sondern (noch / eher) bei der Theorie. Das ist ungewöhnlich?! Naja. 
Allerdings habe ich das Glück auf eine Vielzahl an Whiskys zurückgreifen zu können. Ein Tasting zuhause ist kein Problem. Mein Mann ist der Whisky-Experte /-Sammler.

Schauen wir mal, wohin mich das neue Wissen rund um und mit Whisky bringt. 

Die Franzosen Cyrille Mald und Alexandre Vingtier teilen ihr »Whisky-Wissen«, in ihrem gleichnamigen Buch mit. 
Dabei haben sie sich ein großes Ziel gesetzt. Aber erst einmal der Reihe nach. 

Zu den Autoren

Cyrille Mald und Alexandre Vingtier brachten ihr Whisky-Buch 2017 unter dem Titel »Iconic Whisky« in Frankreich heraus. Leider fehlt im Buch eine Biografie der Autoren. Und auch das Internet weiß nicht viel, abgesehen davon, dass Alexandre Vingtier Spirituosen-Experte ist. Er arbeitete als Autor und Redakteur für zahlreiche Zeitschriften, darunter das La Revue du Vin de France – das (seit 1927) führende Wein- und Spirituosenmagazin in Frankreich. Außerdem ist er Herausgeber von Rumporter, ein Magazin, das sich – wie der Name zu erkennen gibt – auf das Thema Rum spezialisiert hat. 
Er hat mehrere Bücher veröffentlicht und sitzt häufig in internationalen Verkostungs-Jurys.
Alexandre Vingtier ist ein Kenner, ein Spirituosen-Gourmet, einer vom Fach. 

Cyrille Mald schreibt für das oben erwähnte Magazin Rumporter. 

Ins Buch geschaut

Im Vorwort erläutern die beiden Autoren ihre Intention und geben einen kurzen Überblick zum nachfolgenden Aufbau des Buches. 
Nach dem Autoren-Vorwort kommt Serge Valentin zu Wort. Ich muss zugeben, ich weiß nicht, wer das ist. Er wird nicht vorgestellt und taucht auch nicht im Impressum auf. 
Nach einer kurzen Recherche weiß ich nun, Serge Valentin betreibt einen Blog. Whiskyfun.com  wird bei einigen Whisky-Fans jedoch kritisch betrachtet. Nun, ich belasse es dabei. 

Sein Vorwort ist in jedem Fall ziemlich frech gegenüber allen bisherigen Whisky-Veröffentlichungen. Gleichzeitig lobt er die Autoren und ihr aktuelles Werk. 

Vor diesen Vorwörtern gibt es ein Inhaltsverzeichnis, das sich über mehrere Seiten erstreckt. Außerdem eine Tabelle mit diversen Erklärungen zu Abkürzungen und – nicht zu vergessen – das Aromarad. Weinkenner kennen das, in der Whisky-Branche ist das Aromarad Neuland. 

Los geht es mit der Frage Was ist eigentlich Whisky? die Erläuterung ist mehrfach mit Überschriften unterteilt, das erleichtert Lesen und Verständnis.

All das habe ich schon mal bei meiner Prüfung für den WSET gelesen, doch hier geht es ins Detail. Wusstest du z.B., dass Whisky nicht nur aus den gängigen Getreidesorten Roggen, Gerste, Weizen oder Mais hergestellt wird? Auch Quinoa und Buchweizen – die sogenannten Pseudogetreide – werden verwendet.  
Zuckerbildung, Malz, Gärung, Hefe und natürlich die Destillation sowie die Reifung im Fass werden erklärt. Das Kapitel endet mit der Erläuterung über die unterschiedlichen Herstellungsbestimmungen in den einzelnen Ländern.

Die chronologische Entstehungsgeschichte beginnt im Jahre 432 (nein, ich habe keine Zahl vergessen) und endet heute. 

Jetzt werden alle Komponenten für die Herstellung zusammengefügt, dann folgt die Herstellung – wir sind aber noch nicht bei der Destillation. Nein, erst muss das Getreide bekanntlich keimen. Jeder einzelne Schritt wird erklärt und mithilfe von Grafiken visuell untermalt. Am Ende destillieren wir dann natürlich, sonst gibt es keinen Whisky. 

Wir kommen zu den Fässern, in denen der Whisky zum Endprodukt heranreift. Butt und Oloroso-Fässer sind aber nur zwei von all den möglichen Fässern, die bei der Reifung Verwendung finden. Über zehn Seiten rund um Fässer, inklusive Grafik. 

Whisky: Balvenie

Whisky: The Balvenie Doublewood

Endlich kommt die Degustation, die in zehn Schritten vorgestellt wird. Beim Wein reicht uns: Auge – Nase – Mund. Für den Whisky braucht es ein paar Schritte mehr. Interessant ist Schritt Zehn: Nach der Degustation wird das Glas hermetisch verschlossen, damit sich die Grundaromen, die noch am Glas haften, nicht verflüchtigen. DAS gibt es auch beim Wein, spricht aber keiner drüber. Doch die Aromen, die im leeren Glas zurückbleiben, geben der Nase einen letzten Beweis über die Aromen des Getränks – und auch über die Güteklasse von Wein, Whisky, Gin & Co. 

Ha, auf Seite 77 werden wir Gälisch. Wunderbar. Ein kleiner (Aus)-Sprache-Kurs gälisch-deutsch. Das gefällt mir, habe ich mich doch schon einmal vor Jahren aus Recherchegründen (siehe »Ciara«) mit Gälisch beschäftigt. Da kommen Erinnerungen auf. 

Dann wird es bunter, denn wir bereisen die Herkunftsländer, beginnend mit Schottland, Irland, Japan, USA, Kanada und dem Kapitel „Übrige Welt“. Hier finden sich Whiskys aus Deutschland, Italien, Schweiz, Indien, Frankreich, Dänemark und zahlreichen anderen Ländern. 

Es folgen 750 Whisky-Sorten, die relativ kurz mit Foto und Aromen vorgestellt werden. Hier kommen auch die bereits erwähnten Abkürzungen und das Aromarad zum Einsatz, allerdings ist es etwas schwierig die Abkürzungen immer wieder nachzuschlagen. Und ich gebe zu, noch habe ich nicht herausgefunden was AAA, AA, BB, bedeutet. Das ist allerdings auch nicht so wichtig. 

Überraschend und interessant sind Kombinationen Whisky und Essen

Mit Tabellen, Umrechnungstabellen, Erläuterungen und einem umfassenden Register endet das Buch.

Fazit

Im wahrsten Sinne: „Harter, aber verdammt guter Stoff.“ 
Informativ, interessant, voll und rund. Obwohl die Meinungen über die Whisky-Bewertungen auseinander gehen, aber Geschmäcker sind nun einmal auch beim Whisky unterschiedlich.

»Whisky-Wissen«  ist ein Buch für Kenner und Anfänger. Ein Nachschlagewerk mit hohem Wissensgehalt. Einziges Manko: Ein Hardcover wäre schöner gewesen und ist auf Dauer haltbarer.
Kaufempfehlung!

 

 
Cyrille Mald / Alexandre Vingtier
»Whisky-Wissen«
Edition Delius Klasing, 2017
Klappbroschur, 448 Seiten
1000 Fotos und Abbildungen
ISBN 978-3-667-11085-5
29,90 €

 

Webtipps

 

© Cover: »Whisky-Wissen« von Cyrille Mald und Alexandre Vingtier / Edition Delius

Vielen Dank an den Verlag – Edition Delius – für die Zusendung des kostenlosen Rezensionsexmeplars. 

Mach es wie die Gebrüder Grimm: Erzähl es weiter.

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