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zur Lesung vom
30.08.2002 in der Denkerschmette, Kippdorfstr. 27, Remscheid
anlässlich des Projektes und der Anthologie
»Gedanken im Sturm«. Musikalische Begleitung durch die Remscheider
Pianistin Lisa Schulz, Moderation durch Elmar Gunsch. Die
Autoren: Steve Comes, Achim Friker, Emar Gunsch, Thomas Hundhausen, Nicole
Rensmann, Betty Schmidt, Matthias von Schramm, Angela Wagner, Nina Winkler
Fotos zur Veranstaltung finden
Sie in der Galerie.
Autorenstimmen
Betty Schmidt, 04.09.2002
Für mich war es ein Riesenspaß und
ein super spannender Abend. Ich bin sehr froh, dass ich dabei war! Ein ganz
großes Kompliment an Dich und auch an die anderen, die daran beteiligt waren!!
Für mich als "Greenhorn" war es eine Ehre mit einem Mann wie Elmar
Gunsch an einem Tisch zu sitzen und über Poesie "verbunden zu sein".
Achim Friker, 31.08.2002:
Ich war beeindruckt von der
Organisation, von der Moderation durch Herrn Gunsch und natürlich von der
Musik. Ich glaube, das Pogramm ist gut beim Publikum angekommen. Es hatte durch
die - dem Buch entnommene – Reihenfolge der Lese-Vorträge einen
angemessenen inhaltlichen Bogen und durch die musikalischen Intermezzi die
Zeit, das Gehörte zu verdauen. Die Zuhörer waren über die komplette Dauer
konzentriert bei der Sache. Einige haben sich nachher geäußert, und zwar ausschließlich
positiv. (Abgesehen davon, dass einer Dame missfiel, wie wenig ich mich für
Sternzeichen interessiere; immerhin weiß ich jetzt, dass mein Desinteresse
astrologisch begründet ist.) Besonders froh bin ich - was heißt hier froh!?;
mir ist ein ganzer Steinbruch vom Herzen gefallen -, dass sogar mein - im
ernsten Rahmen des Programms sicherlich heikler - satirischer Beitrag beim
Publikum derart gut angekommen ist. So kribbelig ich vorher war, so high bin
ich anschließend gewesen. (Ganz weg ist es bis jetzt nicht.) Ich halte den
Abend für eine rundum gelungene Veranstaltung.
Ausschnitte aus dem Reisetagebuch Viersen –
Remscheid, Matthias von Schramm
[...] Dann werde ich sinnieren, ein wenig
über die Freiheit an sich und die Großzügigkeit des Menschenschlages erzählen,
mir an den Magen fassen und Abends mit Schorsch, der mir als Chauffeur dient
nach Remscheid fahren, allein um dort die großartige Nicole Rensmann, Angela
Wagner, Steve Comes und den Märchenerzählerfreund den berühmten Elmar Gunsch
kennen zu lernen, der uns „Gedanken im Sturm – Erprobte“
moderieren wird. Die Nacht legt sich aalend über Bremen, zügig wolkig, rumplig
und ich ziehe im Zug weiter.
Bekannt aus Funk und Fernsehen sagt
mensch im Allgemeinen. Da aber ja das Buch einem guten Zwecke dient, dient es
hoffentlich der Sache den freundlichen Promi Gunsch voran zu stellen. In RP
Online ist das geschehen und meine alte Freundin Barbara – hachja wir
kennen uns nächsten Sommer nun auch schon zwanzig Jahre – will auch
kommen. Aus Köln. Jetzt nehme ich mich hier mal ganz im Ganzen vor meinem
Notebook und diesem Dummbatz und sage – nun bin ich also Autor. Autor
sein heißt ja nicht nur zu Veröffentlichen, sonst viel mehr noch nach Außen hin
diesen Eindruck zu vermitteln. Wenn ich ganz tief in mich hinein horch ist es
ein Glückskeksgefühl. So ein Gefühl gibt es natürlich nicht, denn es ist eine
Erfindung des Autoren Matthias von Schramm – aber das macht es ja auch
aus glaube ich. Übrings habe ich mir vor der Reise den Bart gestutzt. Das ist
nicht wegen dem öffentlichen Auftritt – und dies sage ich mit besonderem
Hinweis zu den Frauen im vier w Forum, denen ich Texte widme – sondern
damit ich vor mir selbst so dastehe, dass ich sagen kann, ich habe was getan.
Also ist es letztlich doch wegen diesem öffentlichen Auftritt ihr Schnuten.
[...]
29.08.2002 21:17:18
[...] Muss beiläufig sagen, die
selbstgebastelte Regionalbahn von Duisburg nach Viersen hat sich sehr
entwickelt, denn nun ist zu lesen, wo sich der Zug befindet. Das wurde vor zwei
Jahren noch nicht für nötig gehalten, zu einer Zeit, als ich das letzte Mal
Viersen bereiste. Schorsch war rasiert, jedoch mit Hund und aus einem VW Polo
Jahrgang 1981 war einer Jahrgang 1988 geworden. Menschen wachsen halt, auch
wenn sie ihre Bärte schneiden.
[...] Ein ausgiebiger Spaziergang
ins wirklich sehr Grüne an die Niers rundet die Vorbereitungen auf den Ausflug
nach Remscheid ab. Um 17 Uhr machen wir uns, der Schorsch und ich auf den Weg.
Nun wäre es schön gewesen auf der Reise dorthin viel Vertraute erwarten zu
können, aber das war natürlich nicht möglich. Die wohlwollende Milde in
Madonnas Gesicht beispielsweise hätte mir gut getan, die Altmeisterin des
Ziegenbart ziehen gibt mir einen ruhigen Stand, eine Mitte quasi. Nicht minder
gern hätte ich den großen Kämpen Michael an meiner Seite gehabt, einen fürwahr
engagierten Rezitator unserer Anthologie „Gedanken im Sturm“. Aus
dem ehemaligen Pullover mit Haaren ist etwas erwachsen, was nur im nächsten
persönlichen Gespräch verifiziert werden kann. Ich schweife ab.
Unendlich scheint das Wuppertal an
das als Po Remscheid dranhängt. Das bergische Land hat Gassenenge, Gassenhauer
weniger, denn es ist ruhig. Irgendwann nach abschüssigen 18% den bereits
erklommenen Berg hinunter steht still und verwunschen die nach den
Beschreibungen Nicole Rensmanns unverkennbare Denkerschmette. Schmette kommt
von Schmiede, wie wir später erfahren.
Wir sind die ersten, es ist halb
sieben, als Autor sind Getränke für mich gratis und ich lasse mich kühn zu
einem großen Glas Wasser hinreißen. Der Wirt im weißen Hemd ist ein herzhafter
Mann, der die Wohnzimmeratmosphäre der Lokalität vorstellt. Ein langer
Biertisch an einer Fensterfront. Acht Stühle dahinter, zwei an der Seite.
Später wird in der Mitte Elmar Gunsch Platz nehmen, rechts neben ihm ein
gewisser Matthias von Schramm.
Nach einer Weile trifft Achim Friker
mit Begleitung ein. Ein freundlicher Herr, vielleicht zehn Jahre älter als ich,
seinem Antlitz nach Raumfahrt engagierter Physiker. Dieser Mann ist verfechter
der alten Rechtschreibung und davor gehört teilweise der Hut gezogen. Ich bin
in grün gehalten und warte ab. Dann erscheint Nicole Rensmann mit Mann und
einem Berg von Prospekten und neuen Büchern. „Gedanken im Sturm“
schien vergriffen, neugedruckte Exemplare konnten ausgelegt werden. Bald lerne
ich auch meine Mitherausgeber im Komplettpack kennen. Steve Comes, der junge
hochaufgeschossen Bursche aus Köln kommt im Anzug, Angela Wagner hält sich
dunkel und Nicole Rensmann elegant und schwarz. Wir sind auf Anhieb die
Verstehen ist da, ohne die anderen je gesehen zu haben.
Bis auf Mareen Göbel finden alle
angekündigten Autoren den Weg in die Denkerschmette:
Nicole Rensmann beginnt mit der
Einleitung, gefolgt von Nina Winkler mit „Als Helden und Engel
geboren“, jung, schüchtern aber sehr freundlich. Matthias von Schramm
liest „Zwillingstürme“. Steve Comes sagt „Sie hatten alle
Namen“. Achim Friker folgt mit „Tannen und Käuze“ Elmar
Gunsch sagt etwas zum „Atavismus“ Lieb und engagiert ernst ist
Betty Schmidt mit „Sprichwortsalat“ Thomas Hundhausen, ein
ortsansässiger Steinmetz, ein Vielkünstler sozusagen spricht von: „Tod
einer Materie namens Mensch“ Und Angela Wagner beschließt mit: „Ein
gemütlicher Abend!“
Bis es dazu kommt nimmt der
Brummbass des wetterkartenmenschenlnden Elmar Gunsch den Raum ein. Das
Volumen wird gepflegt mit Rotwein, ein bis oben geschlossenes Hemd verziert den
edlen Wanst. Ich versuche möglichst unauffällig beim bestellen meines zweiten
Glases Wassers meine Hand dem Manne zu reichen.
„Gunsch!“, sagt er mit
warmen Händedruck, verneigt sich kurz „Matthias von Schramm!“, sage
ich. „Aha – einer der Herausgeber!“, sagt er und lächelt
weinselig. Ich bestelle mein Glas Wasser und stehle mich aus dieser Situation
gleich wieder, bevor sie peinlich werden könnte.
Ich begrüße meine alte Freundin
Barbara. Leider fährt der letzte Bus gegen zehn, den sie wieder nehmen muss.
Aber es wird reichen der Veranstaltung beizuwohnen. Schorsch hält mittlerweile
unaufdringlich seine Kamera bereit, Fotos werden aber auch von Nicoles Vater
gemacht. Kein Problem, denke ich. Wir nehmen für die Lesung Platz. Ich betrete
den Raum, Applaus der jungen und alteingesessenen Remscheider beginnt den
vollen Raum akustisch zu füllen. Dann merke ich, Elmar Gunsch folgt mir,
abwiegelnd, dass er nur ein kleiner Teil des Projektes ist. Wir nehmen Platz,
lächeln uns kurz an, eine überschaubare Meute von Reportern (es können zwei
gewesen sein) nehmen Herrn Gunsch mit ihren Kameramonstern in Beschuss.
Die junge Pianistin Lisa Schulz
übernimmt die musikalische Begleitung. Sie wird das außergewöhnlich
beeindruckend tun, teilweise unterstützt von ihrem kleinen Bruder – ein
echter Vierhänder dann.
Der Bass neben mir mit seinem
Rotweinglas sendet zunehmend Ruhesignale. Ein Mann mit Statur. Ähnlich wie
einst Omar Cajjam. Einen Verhaspler habe ich in meinem Text, danach kühlt der
Körper ein wenig ab. Applaus ordentlich.
Höhepunkt gewiss aber mein
Lieblingstext der Buches „Tannen und Käuze!“ Toll das ein Achim
Friker kurz nach dem 11.9. zu Satire in der Lage war. Ich beneide diese
Leistung schon ein wenig, da sie prinzipiell mein Genre berührt.
Die Begeisterung über einen
gelungenen Abend macht sich allenthalben breit. Nicole erntet per Blumengebinde
den Dank von uns anderen Herausgebern für ihre Hartnäckigkeit. Angela Wagner
betont eindringlich was alle denken: „Ohne Nicole hätte es
„Gedanken im Sturm“ nie gegeben.“ Im Gegenteil, es hätte
unsensibel „Trotz dem Terror“ oder ähnlich geheißen und wäre kein
Buch geworden. Wir geben uns gegenseitig Autogramme in die Autorenexemplare,
ernten solche von Elmar Gunsch. Er muss dann los, Richtung Herford. Zum
Abschied sage ich ihm, wie sehr er mir die Ruhe gegeben hat. Er setzt seine
warme Pranke väterlich auf meinen Oberarm und sagt: „Sie waren nervös?
Hab ich gar nicht gemerkt – machen sie es gut mein Lieber!“
Nachdem Elmar Gunsch auch Nicole
Rensmann geherzt hat, löst sich der für mich grandiose Autorenabend auf. Wir
benötigen eine kurze Weile für 200 Kilometer Autofahrt nach Viersen. Das sind
zwar 120 Kilometer mehr als normal Du, aber das war auch das einzige Verfahrene
an diesem Abend. [...]
Dann eine Nacht versucht im Schlaf
zu versinken, was nicht leicht war. [...]
Nicole bekommt von mir die Abschluss
SMS dieser Reise, zum Blumengebinde von Freitag noch einen Gruß. Der Zug hier
ist voll und ich klemme mich in die Enge zweier Sitzreihen, der bedeckte Himmel
verhindert, dass ich den Screen nicht sehen kann. Aber ich schreibe mir eh noch
auf einer Wolke der Betäubung blind Gedanken von der Seele.
Anhand der Reaktionen auch dieser
Umgebung sehe ich wie wenig ungewöhnlich ich bin. Das ist ganz gut; so tauge
ich in dieser Hinsicht doch zum Autor, denn wenig ungewöhnliche Leute finden
sich ja oft im Schreiben. Manchmal finden sie sich auch dort wieder. Vielleicht
gelingt es mir, mich daheim wieder einzusammeln.