Romane schreiben ist …

Früher habe ich das Roman schreiben mit Kindererziehung bzw. Kinder kriegen verglichen. Beginnend mit der Idee, die im exakten Vergleich als Eisprung bezeichnet werden könnte, bis hin zur Befruchtung des Eis, wenn eine zweite Idee auf die erste trifft. Beides passt zusammen und der Embryo Roman beginnt sich langsam zu entwickeln. Eine Störung von außen wäre jetzt fatal. Doch die Idee festigt sich, erhält ein Skelett – das Grundgerüst. Wie ein Baby im Mutterleib entwickelt sich auch der Roman langsam weiter, gedeiht, wächst. Wenn diese Entwicklung in der Endphase liegt, wird unser Baby Roman geboren. Bei dem Baby hilft uns die Hebamme, bei dem Roman ist es der Lektor. Und dann geht alles so rasant schnell. Nach unser liebevollen Pflege und Erziehung lassen wir das Kind auf die Welt los – und den Roman auch. Und egal was geschieht, wir stehen dazu.

Doch wie das auch in jeder guten Geschichte sein sollte: Auch neue Metaphern müssen her. Und gestern, nachdem ich zufrieden stellend an »Romanicus« gearbeitet habe und mir später ein paar Gedanken über den weiteren Verlauf der Geschichte machte, bemerkte ich, dass es bei »Romanicus« anders ist.
An »Romanicus« zu arbeiten, das ist, als sei ich frisch verliebt. Manchmal hege ich Zweifel, ob es auch wirklich das Richtige ist, doch dann arbeite ich daran und weiß, es ist DAS Buch – zumindest zum jetzigen Standpunkt.
Und diese Form der Zuneigung gedeiht langsamer, ich muss jeden Tag daran arbeiten, damit sie erblühen kann. Klar, das klingt kitschig. Aber Liebe ist zwar wunderbar unsichtbar, stark fühlbar, aber eben auch schnulzig.
Und keine Beziehung funktioniert, ohne dass beide Seiten dafür arbeiten. Nun mag sich einer die Frage stellen, was »Romanicus« mir gibt, damit die Beziehung funktioniert.
Ich reiche den Menschen darin meine Hand und begleite sie ein Stück. Sie schenken mir dafür ihre Charaktere und ihre Geschichten – so ließe es sich schlicht ausdrücken, obwohl es weitaus mehr ist.
Ohne Miteinander, Kompromisse, das Drehen und Wenden, ohne Liebe, Gefühl, Zweifel und Wut geht es nicht – oder nur selten. Aber ist es nicht das, was eine Partnerschaft ausmacht? Ist es nicht wunderbar, wenn wir am Ende des Weges stolz auf unser Werk blicken können und wissen, mit welcher Hingabe wir daran und damit gearbeitet haben?
Das Ende dieses einen Weges ist der Anfang eines Neuen und somit der Beginn für eine neue Geschichte. Und im Fall der Romanehe können noch viele weitere folgen, ohne großen emotionalen oder finanziellen Schaden anzurichten.
Und wer weiß, beim nächsten Roman empfinde ich wieder neu und suche den Vergleich in der Natur, den Gezeiten, bei einem Uhrwerk …

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