Geburtstag mit Hund

Entdeckt habe ich seine Bücher, als ich ein Interview mit dem am 26. Januar 1949 in New York City geborenen Jonathan (Samuel) Carroll für phantastisch! vorbereitete (erschienen Juli 2004 – Ausgabe 15).
Seine neueren Werke halte ich für das beste Beispiel eines Kreuz- und Querdenkers – phantastisch irrational. Und leider scheint auch genau das sein Problem für den deutschen Markt zu sein.
Denn seit seiner Veröffentlichung »Das hölzerne Meer« im Juli 2003 ist bei den deutschen Verlagen kein aktueller Roman geplant. Zumindest aber bringt Suhrkamp im März 2006 eine Neuauflage von »Das Land des Lachens« auf den Markt.

Hier ein großer Ausschnitt aus dem oben erwähnten Interview:

Das wortreiche Talent und die künstlerischen Gene vererbten ihm seine Eltern:
der Vater Sidney schrieb Drehbücher zu »The Hustler« (1961) oder »A Big Hand for the Little Lady« (1966). June Carroll, seine Mutter, arbeitete als Schauspielerin in zahlreichen Shows am Brodway und spielte in den Filmen »An Angel comes to Brooklyn« von 1945 und »New Faces« aus dem Jahre 1954 mit.
Zwischen regelmäßigen Aufenthalten in Los Angeles, wuchs Jonathan Carroll in Dobbs Ferry, einem kleinen Ort nördlich von New York City, auf. Er galt als schwer erziehbar und rutschte in die Jugendkriminalität bis er an eine Privatschule in Connecticut geschickt wurde.
Jonathan Carroll studierte bis 1971 an der Rutger University of New Jersey. Im selben Jahr heiratete er Beverly Schreiner. Bis 1973 lehrte er Englisch an der University of Virginia, während er an seinem Abschluss (Master) arbeitete. Er lebt seit 1974 in Wien, wohin er wegen eines Jobs als Englischlehrer an der American International School zog. Lediglich für zwei Jahre kehrte er nach Amerika zurück und verbrachte diese Zeit Drehbücher schreibend in Hollywood. Doch während es ihn zurück nach Wien zog, lebt sein 1980 geborener Sohn Ryder, heute in New York.

Bereits mit zwölf Jahren begann Jonathan Carroll zu schreiben und verfasste Anfang 1970 erste Essays für ein literarisches Magazin, das er im College herausgab.
Eine seiner ersten publizierten Geschichten erschien im Oktober 1973 in »Cimarron Review« unter dem Titel »Reading My Father´s Story«, die heute auf seiner Website nachgelesen werden kann. Eine weitere Story, »Hand-Me-Downs«, wurde 1974 veröffentlicht. Seine Kurzgeschichte »The Party at Brenda´s House« publizierte 1976 der »Transatlantic Review«, und im Twilight Zone Magazine aus dem Jahre 1982 findet sich »The Jane Fonda Room« wieder. Zahlreiche weitere Veröffentlichungen folgten.
Sein erster Roman »The Land of Laughs« (»Land des Lächelns«) erschien 1980 in der Originalfassung, jedoch erst sechs Jahre später in Deutschland.
Seit 1988 arbeitet Jonathan Carroll ausschließlich als freier Schriftsteller und Drehbuchautor.

Viele seiner Romane und Kurzgeschichten erhielten Nominierungen für die unterschiedlichsten Auszeichnungen, wovon er diverse gewann. So erhielt seine Story »Friend´s Best Man« bekam 1987 den World Fantasy Award. 1992 erwarb der Roman »Outside the Dog Museum« (»Vor dem Hundemuseum«, Suhrkamp 1994) den British Fantasy Award. Und »The Panic Hand« (»Die panische Hand«, Suhrkamp 1989) wurde 1995 den Bram Stoker Award als beste Collection ausgezeichnet.

Bis dato publizierten mehrere deutsche Verlage seine Romane, darunter der Europa Verlag, Insel Verlag, Goldmann oder Suhrkamp. Jonathan Carrolls letzten beiden Romane »Fieberglas« und »Das hölzerne Meer« sind als gebundene Ausgabe beim Eichborn Verlag erhältlich.

Das bisher einzige deutschsprachige Sachbuch über Jonathan Carroll »Die schwarzen Systeme der Romantik« veröffentlichte 1993 Frank Duwald im Münchner Tilsner Verlag.

Wer Jonathan Carrolls Bücher kennt, weiß, dass er Hunde – Bullterrier – geradezu vergöttert und eine Neigung zu einem verstörenden Alltag besitzt, den er oft in eine phantastisch-surreale, teils exzentrische Geschichte packt.
Die temporeichen Handlungen und die zackige Sprache machen ein Überfliegen der Textpassagen nahezu unmöglich. Auffallend ist die Ich-Erzählform, die er in vielen seiner Romane anwendet. In ein nach Genre sortiertes Regal lassen sich seine Novellen und Romane nicht einordnen. Die Erzählungen bewegen sich in dem dunklen Raum zwischen zwiespältigem Alltag, Thriller Science Fiction und Horror. Möglicherweise gilt Jonathan Carroll aus diesem Grund, trotz der hervorragenden Kritiken, hierzulande noch als Geheimtipp. Was den Eichborn Verlag leider auch dazu veranlasste, laut Aussage des Lektorats, vorerst keinen neuen Roman von ihm zu verlegen.

Sein in Deutschland bis dato letzter, bei Eichborn, erschienene Roman »Das hölzerne Meer« gehört zu einer Trilogie, die in dem kleinen Ort Crane´s View, in welches der Polizist Frannie McCabe mehr als nur einen Protagonisten verkörpert. Warum das so ist, verriet uns Jonathan Carroll selbst.

In dem Interview für das Locus Magazin im Oktober 2003 sagten Sie, dass Ihre Bücher nicht länger als 300 Seiten haben. Die Crane´s View Trilogie jedoch hätte zusammengefasst weit mehr als 300 Seiten. Haben Ihnen der Polizist Frannie McCabe und vor die Bewohner des Ortes keine Ruhe gelassen?

Crane´s View basiert auf dem Ort, in dem ich aufwuchs – Dobbs Ferry, New York. Als ich das erste Buch der Trilogie schrieb, entwarf ich Charaktere, die mich interessierten und so wollte ich mehr über sie erzählen. Also schrieb ich das zweite Buch. Als ich damit dann geendet hatte, verlangte der Polizeichef von Crane´s View, Frannie McCabe – egoistisch wie er war – dass ich ein Buch nur über ihn schreiben sollte. Und so schrieb ich »Das hölzerne Meer«.

Legen Sie Wert auf die Worte Ihrer Kritiker?

Jeder Autor, der behauptet, er lese oder reagiere nicht auf seine Kritiken, lügt. Leider geschieht es in der Regel, dass du die Kritiker, die deine Arbeit mögen, geistig links liegen lässt und denjenigen, die sie hassen, sehr gut zuhörst.
Schriftsteller sind, generell, ein masochistischer Haufen.

Sie lieben Bullterier. Wie heißt Ihr derzeitiger Hund? Was fasziniert Sie an dieser Rasse?

Ich habe einen Bullterrier namens »Jack the Idiot«. Ich habe stets Bullterrier gehabt, weil ich denke, dass sie das Non Plus Ultra der Hunde sind. Wie ein Freund von mir sagt, sind Bullterrier die Porsche unter den Hunden – entweder du liebst sie oder du hasst sie, und dazwischen gibt es nichts.


Nun denn … Happy Birthday, Mr. Carroll!


Das komplette Interview, wie erwähnt, in der 15. Ausgabe von phantastisch!

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