Gelesen: Patrick Süskind »Die Taube«

Eine nicht ganz so starke Zugkraft wie »Der Kontrabaß« weist die 99 Seiten lange Geschichte über Jonathan Noel auf. Nahezu erschreckend schildert Patrick Süskind das eintönige Leben des als Wachmann arbeitenden Einsiedlers, dessen auf die Minute genau durchgeplanter Tagesablauf beim Anblick einer vor seiner Wohnungstür sitzenden Taube, aus den Fugen gerät und fortan nichts mehr so funktioniert, wie es jahrelang der Fall gewesen war. Und so macht Jonathan Noel, der Wachmann aus Paris eine seltsame Wendung durch.
Die Sprache steigert sich im Laufe der Erzählung zu einem stilistisch perfekten Konterfei.
Patrick Süskinds Hang zu männlichen Eremiten spiegelt sich in den drei Romanen »Der Kontrabaß« (1984), »Das Parfum« (1985) und »Die Taube« (1987) deutlich wieder. Dies mag daran liegen, dass der Autor selbst sehr zurückgezogen lebt und – laut verschiedenen Berichten – nur wenigen Menschen vertraut. Möglicherweise begeistert ihn die Besonderheit des jeweiligen Einzelgängers jedoch auch nur. Bleibt abzuwarten, was seine anderen Geschichten zu bieten haben, so wohl die älteren Storys, als auch die für November 2006 angekündigte 64 Seiten kurze Erzählung »Über Liebe und Tod«.


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