Gelesen: »Love« von Stephen King

»Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse.« Das Zitat von Nietzsche, den Stephen King laut der Pressemitteilung gerne zitiert, diente dem Verlag als Titelauswahl. Ob es nun sinnvoller gewesen wäre, den Originaltitel zu übernehmen, darauf möchte ich nicht näher eingehen.

Denn der Titel passt: »Love« handelt von Liebe – aber auch von Gewalt, Familie, Ruhm, Angst – ein Wirrwarr unterschiedlichster Gefühle im Stakkato, verteilt auf 732 Seiten.

In »Love« begleiten wir eine Frau bei der Trauerbewältigung. Dies allein mag nicht unbedingt spannend sein, doch Liseys Mann – Scott Landon – war nicht nur ein sehr erfolgreicher Schriftsteller, er besaß auch eine besondere Gabe, die oftmals grausam und blutig beschrieben wird.

Stephen King springt zwischen Liseys Gedankengängen, ihren lethargischen und widersprüchlichen Gefühlen hin und her. Häppchenweise serviert er die oftmals schmerzlichen Erinnerungen und vermischt sie mit der Realität – auch grammatikalisch, was den Lesefluss enorm hemmt. Dies geschieht so abrupt, dass es oftmals schwer fällt, der Handlung zu folgen. Viel zu rasant wechselt King zwischen Gegenwart und Erinnerungsfetzen und reißt uns ständig aus der Erzählung heraus. Ich schreie: KOMM AUF DEN PUNKT! – und einen Moment später: NEIN, NICHT SCHON WIEDER ZURÜCK! Bleib hier, erzähl mir mehr!

Und so steht Liseys gegenwärtige Situation zwar im Vordergrund, doch schon befinden wird uns wieder auf einer Reise, die uns in die Vergangenheit befördert. Die Einblicke in Scotts Kindheit hinterlassen blutige Schnitte. Doch auch Lisey und ihre drei Schwestern bekommen eine einschneidende Rolle. Und da wäre noch Scotts Leben, ihre Ehe, ein Attentat, das Erbe, sein Vater, der Bruder Paul, ein Verrückter, Misshandlungen und ein gieriger Bücherwurm. Nicht zu vergessen die tote Katze im Briefkasten und ein klischeebefleckter Showdown, der leider an einen schlechten Horrorfilm erinnert.

Stephen King widmet sein aktuelles Werk seiner Frau Tabby, und schöner kann eine Liebeserklärung – oft nur zwischen den Zeilen – nicht sein. Doch Tabitha King gefiel der Roman nicht, wie King seinem Publikum beichtete.

Mir fällt es schwer, das Buch zu beurteilen.
So sprunghaft wie King »Lisey´s Story« erzählt, mit so zwiespältigen Gefühlen bleibe ich auf der letzten Seite des Buches allein, und so schwer fällt es mir nun auch, ein Fazit abzugeben. Ich kann nicht sagen, ob gut oder schlecht.

»Love« -Ein Geniestreich oder vollkommen bescheuert!

 

Diese Rezension steht auch auf folgenden Webseiten:

  • www.stephen-king.de
  • www.bookola.de
  • www.schreib-lust.de

 

© Nicole Rensmann

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