Gelesen: »Pauline umschwärmt« von Jonathan Carroll

Carroll, Pauline umschwärmtTrotz seines Ich-Erzählstils, schafft es Jonathan Carroll mich (fast) immer am Kragen zu packen und neben seine Protagonisten zu zerren.

In »Pauline umschwärmt« durchlebte ich mit dem Bestsellerautor Sam Bayer nicht nur seine schriftstellerischen Höhen und Tiefen, sondern begleitete ihn zu Lesungen und Signierstunden. Schon zu Beginn registrierte ich skeptisch, dass sich der dreimal verheiratete Autor in seinen Fan Nummer Eins verliebte. Das kann nicht gut gehen. Und ich sollte Recht behalten, wie sich später herausstellte. Zunächst entpuppte ich mich jedoch an seiner Seite als Voyeurin und landete schließlich in Sam Bayers Heimatstadt Crane´s View, die mir bereits aus anderen Carroll-Romanen bekannt ist. Auch der ortsansässige Polizist Frannie McCabe ist kein Unbekannter.

Agentin und Verleger im Nacken, verwirft Sam sein unfertiges Manuskript und plant über seine Erlebnisse aus der Vergangenheit zu schreiben, die bis auf das Entdecken der Leiche des schönsten, intelligentesten, aber durchtriebensten Mädchens des Ortes nicht spektakulär sind. Während seiner Recherche zu Paulines Tod verstrickt sich Sam mehr und mehr in eine Story, die ihn zwar erneut auf der Bestsellerliste landen lassen könnte, die ihm aber auch mit Angst, Entführung und Erpressung konfrontiert.

Jonathan Carroll erzählt eine schnelle Story von Mord, Entführung, Liebe, Misstrauen – ein Krimi, dessen Protagonisten – hier vor allem der Polizist, aber auch Sam selbst – sich in manchen Situationen irrational verhalten. Dennoch besticht Carroll mit seinem Erzählstil und stellt somit kleinere logische Fehler in den Hintergrund.

Häppchenweise deutet Carrolls Roman auf Stephen King hin, dem er u.a. das Buch gewidmet hat. So erinnert das Erlebnis in Sam Bayers Teenagerzeit, als er mit Freunden Paulines Leiche findet, sehr an Kings »Stand by me«. Mehrmals finden die Boston Red Sox Erwähnung, die Stephen Kings Baseballclub darstellen. Und der weibliche Fan Veronica, mit der sich Sam auf eine Affäre einlässt, erinnert stellenweise an Stephen Kings Roman »Misery«.

Dennoch ist »Pauline umschwärmt« auch Lesern zu empfehlen, die Stephen Kings Werke nicht kennen. Und wer kurzweilige, sprachlich starke Unterhaltung mag, dem ist der Roman zu empfehlen. Leider ist er auf dem deutschen Markt nur noch in Antiquariaten erhältlich.

Jonathan Carroll
Pauline umschwärmt
(Originaltitel: Kissing the Beehive)
Europa Verlag 1999
ISBN 3-203-76001-0
(vergriffene Ausgabe)

© Text: Nicole Rensmann
© Cover: Europa Verlag

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