Interview Andreas Eschbach – 2004

Und für alle, die keine Briefe schreiben und auch die Kindergeschichte verschmähen möchten, gibt es nun noch ein Interview, das auch ins Archiv gehört.

Chronologisch passt es nicht in die Reihe, da ich Andreas Eschbach bereits 2004 interviewte. Das Interview erschien nicht in phantastisch!, sondern bei Mr. Fantastik (Plattform eingestellt)  und ist beim Archivieren an mir vorbei gerutscht. Aber hier ist es nun:

Der Xillionen Dollar Mann

Interview mit Andreas Eschbach von Nicole Rensmann

Schon immer hatte er den Wunsch gehegt, Schriftsteller zu werden, doch er brauchte Jahre, um sich dies einzugestehen und so suchte er zunächst nach anderen Wirkungskreisen. Obwohl der am 15. September 1959 in Ulm geborene Andreas Eschbach sich bereits in der Grundschule als Comicautor versuchte, und er mit zwölf Jahren erste Erzählungen schrieb, dauerte es noch etliche Jahre bis er seinen Wunsch mit dem nötigen Enthusiasmus verfolgte. Heute gehört er zu den bekanntesten deutschen Phantastik-Autoren, nach dessen Büchern sogar in der Show »Wer wird Millionär?« gefragt werden. Aber erst zog er nach Stuttgart, wo er 1978 Luft – und Raumfahrttechnik studierte. Noch vor dem Abschluss wechselte er in die EDV–Branche und arbeitete als Softwareentwickler. Zusammen mit einem Partner gründete er 1993 eine EDV–Beratungsfirma, aus der er sich aber mit der Zeit zurückzog und die er schließlich im Juni 1996 verließ, um sich völlig der Schriftstellerei zu widmen. Mit seiner zweiten Frau Marianne, die ihm als Krankenschwester mit ihrem Fachwissen zur Seite steht, lebt er seit September 2003 in Frankreich. Er hat einen im Jahre 1983 geborenen Sohn. Viele seiner jugendlichen Schreibergüsse bewahrt er, wie er sagt, in einem geheimen Versteck auf und holt sie nur ab und an heraus, um sich darüber zu freuen, dass diese nicht veröffentlicht worden sind. 1992 begann er mit den Arbeiten an »Die Haarteppichknüpfer« und publizierte seine Story »Dolls« in dem Magazin c´t. Weitere Kurzgeschichtenveröffentlichungen folgten. Im Sommer 1994 erhielt er ein Stipendium der Arno Schmidt Stiftung für hochbegabten Nachwuchs.

»Die Haarteppichknüpfer« erschienen schließlich im Frühjahr 1995 als Hardcover im Schneekluth–Verlag. Mit seinem Erstling räumte er gleich mehrfach ab: So erhielt er 1996 den SFCD-Literaturpreis. Belgien und Frankreich kürten »Die Haarteppichknüpfer« zum besten ausländischen Roman. In Frankreich zählte der Roman 1999 sogar zu den seit 18 Jahren ersten Science–Fiction Romanen, die dort publiziert wurden. 2004 folgte die polnische Veröffentlichung unter dem Titel »Gobeliniarze« im Solaris Verlag, die von einer engagierten Leserin – Joanna Filipek – in Eigeninitiative übersetzt wurde. Anschließend suchte sie über einen Zeitraum von zwei Jahren einen passenden Verlag. Und so fährt Andreas Eschbach im Juni 2004 zu seinen polnischen Fans zum SF–Festival nach Nidzica.

Um noch einmal zu seinen Anfängen zurückzukehren, reisen wir ins Frühjahr 1996, machen einen Zeitsprung und halten im Jahre 2015 bei der »Solarstation«. Der ebenfalls von Schneekluth publizierte Roman, in dem es – wie der Klappentext verrät – um einen Mord und Komplott auf der japanischen Raumstation NIPPON geht, erhielt den Kurd–Laßwitz–Preis und erneut den Literaturpreis des SFCD. Eine Verfilmung der »Solarstation« war im Gespräch, wurde aber aufgrund des technischen Aufwands zunächst verworfen.

Mit dem zwei Jahre später publizierten Roman »Jesus Video« heimste Andreas Eschbach nicht nur alle deutschen Genrepreise ein (Kurd-Laßwitz-Preis 1998, Deutscher Phantastik Preis – DPP und Deutscher Science Fiction Preis – DSFP), sondern machte auch den Sender PRO 7 auf sich aufmerksam, der den Roman – für Leser und Autor nicht zufriedenstellend – zu einem abendfüllenden Zweiteiler adaptierte.

1998 erhielt seine Story »Die Wunder des Universums« den Literaturpreis des SFCD für die beste Story, was Andreas Eschbach zusätzlich zum ersten Autor machte, der vier Mal in Folge den Literaturpreis des Science Fiction Clubs Deutschland gewann.

Mit dem 1998, als Gastautor geschriebenen, Perry Rhodan Band Nr. 1935, »Der Gesang der Stille«, erfüllte er sich einen Jugendtraum. Ein Jahr später folgte »Kelwitts Stern« bei Schneekluth und 2001 erschienen seine Jugendromane »Das Marsprojekt«, und »Perfect Copy« beim Arena–Verlag. Noch im selben Jahr brachte der Bastei Verlag die Fortsetzung von »Die Haarteppichknüpfer« heraus: »Quest« erhielt im Jahr 2002 den Kurd–Laßwitz–Preis für den besten deutschen Roman und für die besten Illustrationen, die von Thomas Thiemeyer stammen.

Kurz darauf folgte, ebenfalls bei Bastei Lübbe »Eine Billion Dollar«, zu dem Andreas Eschbach gegenüber phantastik.de erklärt: »Eine Billion Dollar ist auf seine Weise auch ein fantastischer Roman, im Grunde eine Alternativweltgeschichte, könnte man sagen. Die Geschichte basiert auf der einfachen mathematischen Tatsache, dass aus kleinen Beträgen durch Zins und Zinseszins über lange Zeiträume hinweg theoretisch gigantische Summen werden können – und auf der simplen Annahme, dass das einer mal tatsächlich durchgespielt hat.« Dass mit diesem Geld der Menschheit die verlorene Zukunft zurückgegeben werden soll, stellt den Erben allerdings vor einige Komplikationen.

Durch die Erfolge aufmerksam geworden, bot die Frankfurter Allgemeine Zeitung Andreas Eschbach die Gelegenheit an, einen Fortsetzungsroman zu schreiben. Von September 2001 bis Juli 2002 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung somit die »Exponentialdrift«, welche der Bastei Verlag im Juni 2003 als Taschenbuchgesamtausgabe neu auflegte. Kurz danach folgte die Hardcover Ausgabe »Der Letzte seiner Art«, die mit dem Kurd-Laßwitz-Preis gekürt und für den Deutschen Science Fiction Preis 2004 nominiert wurde. In »Der letzte seiner Art« schildert Andreas Eschbach das Leben eines in Rente lebenden und dem Philosophen Seneca verfallenen Cyborg, der sich seinen Ruhesitz in Irland ausgesucht hat und dort von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Die Hörbuchfassung, gelesen von dem Schauspieler Martin May – bekannt aus dem Welterfolg »Das Boot« – ist ebenfalls erhältlich.

Zuletzt erschien im Januar 2004 »Die seltene Gabe«, ein weiterer Jugendroman bei Arena.

Seine im Jahre 2000 in der französischen Anthologie »Destination 3001« publizierte Story »Der Alptraummann« plante der Heyne–Verlag für 2003 in der Anthologie mit dem Titel »Zukunft« ein – wobei die Zukunft dieser Anthologie noch nicht geklärt zu sein scheint, denn bis dato ist das Buch nicht erhältlich. Dafür erschien die Kurzgeschichte jedoch in der spanischen SF–Zeitschrift GIGAMESH, Ausgabe Nr. 35.

Für Juni 2004 wird bei Bastei die Anthologie »Eine Trillion Euro« angekündigt, die Andreas Eschbach herausgegeben hat. Neben den deutschen Autoren Wolfgang Jeschke, Michael Marrak und Marcus Hammerschmitt wird auch von Andreas Eschbach eine Geschichte in der Anthologie vertreten sein. Ferner finden sich darin Storys unterschiedlichster SF–Autoren aus Europa zusammen.

Andreas Eschbachs Bücher werden teilweise ins Italienische, Tschechische, Spanische, Russische, Französische und Englische übersetzt.

Seine literarischen Vorbilder bewegen sich von Konsalik und Simmel bis hin zu Robert Silverberg und Alistair MacLean, den er selbst als Jugendidol bezeichnet.

Der sonst geduldige und freundliche Autor mutiert zur Furie, sobald sein Name verunstaltet wird. So müssen sich Journalisten vor dem Silbernen Wolfram, frei nach Wolfram von Eschenbach, einem Autor des zwölften Jahrhunderts, in Acht nehmen. Möglicherweise trinken die „Falschschreiber“ auch nur zu viel Kaffee aus feinem Porzellan, das den Stempel Eschenbach trägt?! Wie dem auch sei, der Name Eschbach ist in seinem literarischen Zusammenhang einzigartig und sollte somit richtig notiert werden.

Letztes Jahr bist du mit deiner Frau nach Frankreich umgezogen. Abgesehen von der Auto-Ummelde-Odyssee, die in dem Tagebuch auf deiner Website nachgelesen werden kann – gefällt es euch in der Bretagne? Erkennen dich die Leute oder genießt du dort den Status des Fremden?

Natürlich gefällt es uns hier, deshalb sind wir ja hergezogen. Inzwischen, nach über einem halben Jahr, werden wir immerhin schon nicht mehr als Touristen betrachtet, wie es anfangs war – man geht zum Friseur und wird gefragt, wie einem der Urlaub hier gefalle -, wir kennen unsere Nachbarn ein bisschen und so weiter. Aber davon abgesehen kennen mich bloß ein paar französische SF-Fans, die hier im Großraum Brest leben. Die haben inzwischen auch schon das französische Pendant zu einer Lesung mit mir organisiert. In Frankreich, muss man dazu wissen, ist es nicht üblich, dass ein Autor aus seinen Werken liest; die bloße Idee findet man hier merkwürdig. Stattdessen heißt das „Rencontre“ und besteht aus einer etwa dreistündigen Diskussion, in der ein Moderator und das Publikum Fragen an den Autor stellen. Ich hatte allerdings eine Übersetzerin zur Seite; so dolle ist das noch nicht mit meinem Französisch, als dass ich das alleine könnte.

In einigen Interviews und Porträts wird hartnäckig auf das dir 1994 verliehene Stipendiat hingewiesen, das dir den Weg zum professionellen Schriftsteller geebnet haben soll. Denkst du das auch oder wärest du auch ohne diese Art der Förderung deinen Weg gegangen?

Ich hatte damals ja bereits einen Verlag gefunden, das Stipendium hat da also keine Rolle mehr gespielt. Es war in anderer Hinsicht wichtig. Es bestand im Grunde aus einem zehntägigen intensiven Seminar, bei dem man mit anderen Autoren, Übersetzern, Lyrikern, einem Juristen mit Schwerpunkt Urheberrecht, Filmemachern und so weiter zusammen war und bei dem ich ein Gefühl für die „Realität“ des Schriftstellerdaseins gewonnen habe. Schwer zu beschreiben, was genau da stattgefunden hat, aber es hat mir bestimmt ein paar Jahre der Irrungen erspart auf einem Weg, den ich allerdings sowieso gegangen wäre.

In seinem zweiten Teil von »Wie man einem verdammt guten Roman schreibt« sagt James N. Frey, er dachte, er habe vielleicht von zwanzig Teilnehmern seines Workshops zwei bis drei, die Potenzial besitzen. Doch er stellte genau das Gegenteil fest. Nur die meisten seiner Studenten verfielen den „Sieben Todsünden der Jungautoren“ (fehlendes Durchhaltevermögen, keine Lernfähigkeit etc.).
Hast du Ähnliches auch im deutschsprachigen Raum und bei deinen Seminaren beobachtet?

Ich sehe das ein bisschen anders als Mr. Frey. Das Potenzial, sich schriftlich gut und klar auszudrücken haben viele, aber das Zeug zum Schriftsteller haben wenige. Das, was er als „Todsünden“ schildert, sind im Grunde negative Beschreibungen der dafür nötigen Sekundärtugenden wie Ausdauer, Neugier, Produktivität und so weiter. „Biss“, in einem Wort. Den spüre ich bei ganz, ganz wenigen, muss ich leider sagen.

Wie bildest du dich weiter?

Nachdem ich inzwischen vermutlich den größten Teil der Bücher, Websites usw. über das Handwerk des Schreibens gelesen habe, bemühe ich mich, alles wieder zu vergessen und mir meine eigenen Gedanken zu machen. Ich lese viel – seit wir in Frankreich leben, haben wir keinen Fernseher mehr, was sich auf das Dasein unglaublich entspannend auswirkt und meiner Leserate enorm gut getan hat -, und ich bemühe mich, nicht nur zu lesen, sondern nebenbei auch einen Blick dafür zu bewahren, was der Autor da macht, wo er etwas gut macht, wie er das macht, was man daraus lernen kann. Das sind im Grunde die besten Lehrbücher übers Schreiben: Die guten Bücher anderer Autoren.

Gibt es bestimmte Wörter, Zitate oder Phrasen, die du grundsätzlich nicht in deinen Romanen verwendest?

Nein. Das fände ich auch blöd, sich da irgendwelche Beschränkungen aufzuerlegen. Das Gegenteil passiert mir manchmal – dass bestimmte Wendungen zu oft in den Text fließen, so eine Art momentane Mode. Ich versuche das immer auszumerzen, aber manchmal merke ich es erst, wenn das Buch gedruckt ist.

Wie bereitest du dich auf eine Lesung vor?

Da gibt es keine besondere Vorbereitung, abgesehen von organisatorischen Dingen, die vielleicht zu regeln sind. Ich setze mich hin, schlage das Buch auf, schalte das Mikro ein, wenn es eines gibt, und los geht’s. Gut, den Text bereite ich vor – das heißt, ich kürze ihn ein wenig. Man kennt das von Hörbüchern: Die meisten Texte, die sich beim Lesen richtig anfühlen, klingen beim Vorlesen zu lang.

Auf deiner Website kündigst du die Arbeit an einem neuen Roman an – und natürlich willst du vorab nichts verraten. Müssen sich deine Leser somit wilden Spekulationen hingeben oder erzählst du uns vielleicht ein bisschen über den Protagonisten und den Handlungsort? Wird es ein Jugendroman oder spricht die Geschichte eher das erwachsene Publikum an?

Gute Fragen, aber wie du ganz richtig festgestellt hast, will ich noch nichts verraten. Auch jetzt nicht. Und übrigens … habe ich etwas von einem Roman gesagt? Die Rede war von einem Buch. J

(Nachtrag: Es handelte es sich um »Das Buch von der Zukunft«.)

Dann fassen wir uns also in Geduld, auch wenn es schwer fällt. Aber du hast für die Ausgabe 14 des Magazins »phantastisch!« geschrieben und wirst ab der Ausgabe 16 regelmäßig eine Kolumne verfassen. Über welche Themen speziell?

Ich habe anhand der Entstehungsgeschichte meiner Anthologie »Eine Trillion Euro« versucht, ein bisschen was von dem zu erzählen, was ich im Lauf der Zeit über den Zustand der Science-Fiction in den verschiedenen europäischen Ländern herausgefunden habe. Und außerdem habe ich mich von Klaus Bollhöfener breitschlagen lassen, künftig eine regelmäßige Kolumne zu verfassen mit Themen, die sich ums Schreiben drehen. In Ausgabe 16 soll es losgehen.

Von der Verfilmung zum »Jesus-Video« distanzierst du dich. Gibt es dennoch konkrete Pläne zu weiteren Verfilmungen deiner Bücher?

Ja. Neues Spiel, neues Glück, wie man so sagt. Es laufen Optionen auf »Eine Billion Dollar«, auf „Der Letzte seiner Art“ und, man höre und staune, auf »Das Marsprojekt«.

Nach den Jugendromanen »Marsprojekt« und »Perfect Copy« erschien kürzlich Die seltene Gabe im Arena-Verlag. Werden dort auch zukünftig deine Jugendbücher, neben den Romanen bei Lübbe, erscheinen? Gibt es hierzu schon neue Pläne?

Ja, es wird zunächst – auf vielfachen Wunsch, wie es so schön heißt – eine Fortsetzung des »Marsprojekts« geben. Und wenn die gut ankommt, wird es nicht bei einer bleiben. Ich hoffe es jedenfalls, denn insgeheim hatte ich schon immer vor, eine ganze Serie daraus zu machen. Die „Fünf Freunde“ auf dem Mars, sozusagen.

Beobachtest du die deutsche phantastische Szene? Siehst du einen aufsteigenden oder absteigenden Trend der Nachfrage über die letzten Jahre?

Ich beobachte die Szene, logisch, aber mein Augenmerk gilt eher den Autoren, nicht den Absatzzahlen. Wie die allgemeine Nachfrage nach Phantastik aussieht, dazu kann ich schwer was sagen. Das wissen die Verlage sicher besser. Ich vermute aber mal, dass es nach wie vor nicht lukrativ ist, Science-Fiction zu schreiben oder zu verlegen.

Und auf welchen Autoren liegt da dein Augenmerk?

Das will ich lieber nicht verraten. Erstens, um niemanden nervös zu machen. Zweitens, um niemanden durch Nicht-Nennung zu entmutigen.

Jedenfalls, ich beobachte, und ich bin sehr bestechlich – allerdings nur durch wirklich tolle Romane oder Kurzgeschichten. Michael Marraks »Lord Gamma« war so ein Roman, bei dem ich aufgesprungen und aktiv geworden bin, damit der in einem großen Verlag erscheint. So was würde ich jederzeit wieder machen.

Generell gesagt, registriere ich in der Szene das, was man ja auch sonst in Deutschland als vorherrschende Grundstimmung spürt: Dass man, statt “Jetzt erst recht!” zu sagen, es lieber bei einem matten “Hat ja alles doch keinen Zweck” belässt. Ganz selten jemand, der Biss hat. Die Leute mit Biss kann ich an einer Hand abzählen.

Gibt es Autoren oder andere Künstler, mit denen du gerne einmal zusammenarbeiten möchtest?

Ich bin bei so was ganz grässlich; mit jemandem zusammen einen Roman zu schreiben wäre entweder das Ende einer Freundschaft oder der Anfang einer Feindschaft, vermutlich beides. Mit Illustratoren ist es natürlich was anderes, aber diesbezüglich ist zur Zeit nichts geplant.

Im Sommer dieses Jahres gibst du die Anthologie Eine Trillion Euro heraus, in der sich Erzählungen unterschiedlicher Science Fiction Autoren aus Europa vereinen, heraus. Sind in dieser Richtung weitere Projekte geplant?

Im Moment nicht. Ich habe, ehrlich gesagt, erst mal die Nase voll vom Job eines Herausgebers.

Kannst du dir vorstellen, wiederholt einen Gastroman für Perry Rhodan oder für eine andere Serie zu schreiben?

Für andere Serien zu schreiben, würde mich ohnehin nicht reizen, und Perry Rhodan … Wie gesagt, vorstellen kann ich mir viel, aber im Moment ist nichts geplant.

Welche Bücher hast du in den letzten Monaten gelesen? Welche liegen auf deinem Nachttisch?

Den nächsten Satz bitte mit italienischem Akzent drucken: Isch `abe gar keinen Nachttisch. Für so was sind französische Schlafzimmer zu klein. Und wenn: Ich lese ohnehin nie im Bett. Dafür habe ich eine Lesecouch. Zur Zeit lese ich, muss ich zugeben, hauptsächlich französische Donald Duck-Comics – die angenehmste Methode, die Sprache zu vertiefen, die ich bis jetzt gefunden habe. Was Bücher anbelangt, habe ich aus den letzten Monaten in guter Erinnerung beispielsweise Milan Kunderas »Die Unsterblichkeit«, Frederik Forsyths »Der Unterhändler« und den dritten Band des »Gezeitenwelt«-Zyklus »Das Weltennetz« von Thomas Finn. Neil Gaimans »American Gods« fand ich nur bis zur Hälfte gut, und die Leseenttäuschung schlechthin war Cornelia Funkes »Tintenherz« – der langweiligste, kopfigste und „gemachteste“ Roman, den ich seit Jahren gelesen habe. Ja, und außerdem lese ich seit einiger Zeit wieder regelmäßig »Perry Rhodan«, mit wachsendem Vergnügen.

Gibt es Bücher, die du mehrmals gelesen hast? Wenn ja, welche und warum?

Es gibt sogar etliche Bücher, die ich immer wieder lese – Pirsigs »Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten« etwa oder Erica Jongs »Angst vorm Fliegen«, Arthur C. Clarkes »Rendezvous mit Rama«, Robert Silverbergs »Es stirbt in mir«, Alistair McLeans »Rendezvous mit dem Tod« und so weiter. Aber warum kann man manche Bücher immer wieder lesen und andere nicht? Ich wollte, ich wüsste es.

Ich danke dir für das Interview und wünsche dir, dass deine Bücher – heute und zukünftig – zu denjenigen gehören, die öfters aus den Bücherregalen gezogen und gelesen werden.

(Stand: 12.05.2004)


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© Nicole Rensmann

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