Gelesen: »Trauma« von Dean Koontz

Am 09.08.1974 werden im selben Krankenhaus zwei Kinder geboren – und verschiedene Umstände in dieser Nacht verbinden sie auf Lebenszeit:
Das eine, James Henry Tock, wächst in einer liebevollen Familie auf. Er wird Bäcker, doch sein Leben wird von den Prophezeiungen seines Großvaters überschattet.
Die Mutter des anderen Jungen stirbt bei der Geburt, doch der Vater des kleinen Punchinello Beezo ist sicher, dass der Tod der schönen Seiltänzerin kein Zufall war, erschießt einen Arzt und eine Krankenschwester und flüchtet dann mit seinem neugeborenen Sohn.

»In der Nacht, in der ich geboren wurde, machte Josef Tock, mein Großvater väterlicherseits, zehn Prophezeiungen, die mein Leben bestimmen sollten.«

Dean Koontz ist ein Meister des »Hookers«, des ersten Satzes, und bittet den Leser nicht freundlich in sein Werk einzutreten, sondern fesselt ihn an die Geschichte. Die für Dean Koontz ungewöhnliche Ich-Form macht sich sein Protagonist James Henry Tock zunutze. So führt er den Leser in einigen Abschnitten nicht nur an der Nase herum, sondern spricht ihn auch persönlich an.
James, den alle nur Jimmy nennen, wie sein Großvater vorhersagte, erzählt seine Lebensgeschichte und dabei herrschen fünf der zehn Prophezeiungen vor, denn diese sagen ihm tragische Ereignisse voraus.

Am ersten dieser fünf Tage, dem 15.09.1994, wird er als Geisel genommen, trifft nicht nur Lorrie, eine junge Frau, sondern auch einen Mann, dessen Name ihm nicht unbekannt ist. Allein das rettet ihm das Leben, wenn auch zusätzlich ein paar glückliche Umstände und neu entfachter Mut dazu gehören. Sowohl Lorrie, als auch der aufgrund Spoilergefahr hier nicht namentlich erwähnte »Bekannte« entpuppen sich als stetig begleitendes bzw. immer wiederkehrendes Schicksal für Tock.

Der nächste Tag aus der Prophezeiung naht, doch diesmal droht nicht Jimmy die Gefahr – Frau und Kind sollen die Opfer sein. Und Jimmy, der sich normalerweise nur darauf versteht mit Kuchen und Gebäck zu hantieren, verwandelt sich zu einem kampfsicheren Helden.

In »Trauma« stellt Koontz wieder einmal unter Beweis, zu welchen stilistischen Wundern er in der Lage ist. Er bietet eine intakte Drei-Generationen-Familie, die trotz oder gerade wegen der dramatischen Ereignisse zusammenhält, spannend, ein bisschen skurril und mit einer guten Portion Humor. Trotzt einiger Längen in der ersten Hälfte des Buches und der leider vorhersehbaren Ereignisse, die erst auf den letzten Seiten eine überraschende Wendung nehmen, ist »Trauma« ein gelungenes Buch, in dem auch die Emotionen nicht zur kurz kommen und ein paar Taschentücher bereit gelegt werden sollten – nur für den unvorhersehbaren Fall, dass einem die Tränen kommen.

Längst sind in Amerika mehrere neue Bücher von Dean Koontz auf dem Markt. Der deutsche Heyneverlag hinkt mit einigen Übersetzungen hinterher, doch schon im März 2007 wird der Verlag »Todesregen« präsentieren, dies mal wieder ein Hardcover für 19,- Euro. Die Dean Koontz-Pause ist diesmal also sehr kurz.

Und bis dahin lässt sich die Zeit mit einem TV-Interview überbrücken, das Bill Maher mit Dean Koontz führte – zu lesen auf Amazon.de.
Ein deutsches Interview mit dem amerikanischen Bestsellerautor erschien in dem Magazin phantastisch!, Ausgabe 13 (1/2004). »Die Welt ist unbegrenzt fremd…« ist hier nachzulesen.


Dean Koontz

Trauma

Original: »Life Expectancy«, 2004

Heyne Verlag, 2007

Broschiert

479 Seiten

Webtipps:

Dean Koontz im Interview
Rezension»Todesregen«

www.deankoontz.com
Deutsche Dean Koontz Community

Die Rezension steht auf folgenden Seiten bzw. wird verlinkt von:

www.schreib-lust.de
www.randomhouse.de

© Text: Nicole Rensmann
© Cover: Randomhouse


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