Wie ausgestorben

Heute Morgen musste ich sehr früh zum Arzt. Die Praxis liegt mitten in der Stadt und ich musste auch das Einkaufscenter durchqueren.

Ruhe!

Es war so ruhig. So angenehm still.

Sonst herrscht dort Krach, Stimmengewirr, eine beinahe unerträgliche Geräuschkulisse, die durch die hohen Räume immer wieder nachhallt. Eine unangenehme Atmosphäre, eine, in der ich nicht arbeiten könnte.

Doch heute Morgen war das anders.

Als ich an einem Café vorbeiging, unterhielten sich gut gelaunt zwei der Bedienungen miteinander. Sie räumten dabei auf. Ihrem Gespräch konnte ich, obwohl ich meinen Weg fortsetzte, lange folgen.

Ein vereinsamter Mann trank leise seinen Kaffee. Vereinzelt saßen hier und dort Menschen auf den Bänken. Sie warteten oder ruhten sich aus. Vielleicht suchten sie auch nur Gesellschaft, weil die von mir so erholsam empfundene Ruhe, sie zuhause erdrückt.

Am Obststand roch es nach feuchtem Karton. Eine der frisch gelieferten Waren schien – dem Geruch nach – die Fahrt nicht überstanden zu haben.

Hätte ich mehr Zeit gehabt, dann hätte ich mir in aller Seelenruhe die Frühlingsausstellung ansehen können. Und in einigen Ecken des Centers wäre ich vermutlich sogar vollkommen allein gewesen.

Es ist schön für einen Moment, diese Minuten das Gefühl zu haben, beinahe allein auf der Welt zu sein. Aber nur für diesen kurzen Augenblick.

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