Nichts als Fakten

Früher wollte ich Anwältin werden. Ich wollte das Recht verteidigen, für die Guten da sein, das Böse eindämmen, Ungerechtigkeit verbieten. Ich bin keine Anwältin, aber meine Gesinnung ist noch die gleiche. Naiv, ich weiß. Aber ich bin froh, dass ich mir diese Naivität bewahrt habe. Es ist anstrengend, manchmal einsam, oft verletzt es einen, aber wegsehen kann ich nicht.

Heute erhielten wir Post von der Rechtsanwaltskanzlei Auer Witte Thiel aus München. Das Schreiben war mit einem Überweisungsträger versehen. Die Anwaltskanzlei schrieb, dass Sie die Firma Eurobill AG, Industriestraße 7, 6300 Baar vertreten. Wir hätten unter einem Benutzernamen Hirsch45 [] (inkl. Kästchen) ein Angebot in Anspruch genommen, das über ein Payment-System-Eurobill abgerechnet worden wäre. Trotz Fälligkeit hätten wir die vertraglich geschuldete Vergütung in Höhe von 50,00 Eur nicht bezahlt.

5 Euro Mahnkosten und 0,16 Eur Zinsen kämen nun noch auf den Gesamtbetrag oben drauf.

Nun bin ich eine sehr gewissenhafte Zahlerin. Ich kenne meine Rechnungen, weiß wann wo was abgeht und auch an wen. Ich halte Zahlungstermine immer ein. Zudem ist der Benutzername unbekannt, eine Rechnung von einer Firma Eurobill aus einem in Deutschland nicht existenten Ort lag nie vor.

Das Internet – Fluch und Segen zugleich – klärt:
Die EUROBILL AG mit Sitz in der Schweiz ist ein Inkasso-Unternehmen, das wiederum für Dritte arbeitet. Laut verschiedener Stimmen in den unterschiedlichsten Foren bucht es fälschlicherweise und ohne Vorankündigung kleine oder größere Beträge von Konten ab.
Die Anwaltskanzlei Auer Witte Thiel  beschreibt in Ihrem Profil, u.a. dass sie Folgendes vertreten: Mengeninkasso und Internet-Forderungen. Die Kanzlei ist in der Presse mit Stimmen der Anwälte sehr präsent, in der Regel geht es dabei um die Zustimmung neuer Gesetzesverordnungen.

In zahlreichen Foren berichten Betroffene über die Anwaltskanzlei Auer Witte Thiel aus München, von der sie ähnliche Schreiben wie das oben genannte, erhalten haben.
Der nächste aktuelle Fall (der von oben eindeutig abgrenzbar ist), der mich beschäftigt, ist teils aus Eigenverschulden entstanden. Dazu muss man stehen und eine längere Zeit aufs Taschengeld verzichten. Aber Kinder müssen lernen und in unserer heutigen Zeit ist das leider manchmal teurer als erhofft.

Lernen müssen sie vor allem, dass virtuelle Menschen nicht gut sind, dass nicht alle Anwälte sich für sie einsetzen, dass viele Menschen nur an sich denken – nie an den Anderen, schon gar nicht, wenn es ums Geld geht. Was ist geschehen?

Ein augenscheinlich freundlicher Kontakt, eine nette SMS, eine normale Handynummer. Ein reger Austausch. Teuer wurde es erst am Ende.
Und so verlangte die Firma Thetacom GmbH, Siemensstraße 8, 24963 Tarp eine beachtliche Summe, die bei normalen SMS nicht hätte zustande kommen können. Aber dies waren keine normalen SMS, sondern ein erkaufter Kontakt, der nur aus finanziellen Gründen freundlich war und 1,99 € pro SMS kostete – anstatt ca. (je nach Anbieter) 0,20 €. Denn hier wurde die SMS an die Mehrwertnummer 53053 weitergeleitet. Einen Hinweis darauf, wie er bei jeder versandten SMS von Rechts wegen hätte sein müssen, gab es nicht.

Widerspruch per Einschreiben mit Rückschein wurde eingelegt. Die Handynummer erst einmal gesperrt, die Sache mit dem Mobilfunk-Provider besprochen.

Die ThetaCom meldet sich nach einem Tag per E-Mail – ein Schreiben ohne Namen, kein Impressum, keine Adresse – ein Formschreiben, wie sich in einem Forum herausstellt, in dem andere Betroffene exakt denselben Wortlaut wiedergeben.
„Die Thetacom“, so heißt es da, „ist ein Technologieunternehmen, das als Application Service Provider den Technischen Betrieb mobiler Dienste auf eigenen Systemen anbietet.

Die Thetacom tritt hierbei als Mediator auf, dass Inhalteanbieter im Rahmen der technischen Anbindung unterstützt. Inhalteanbieter bieten Kunden in eigenem Namen entgeltliche Dienste, Informationen und Applikationen zum Abruf an. Die Thetacom GmbH ist ausschließlich als technischer Dienstleister für ihre Geschäftskunden tätig, die Kurzwahlnummer werden zur vollverantwortlichen Nutzung an unsere Geschäftskunden vergeben. Wir stehen daher nicht direkt im Zusammenhang mit der Erbringung von den konkret abgerechneten Mehrwertdienstleistungen.[…]“

Nach wiederholter Erwähnung, dass hier ein Betrug vorliegt, erhielt ich die Adresse des Thetacom Kunden: Algan & Usta GBR, Nordergraben 20-24, 24937 Flensburg. Ein Widerspruch ist auf dem Weg – per Einschreiben, mit Rückschein.

Hier gibt es Tipps und Anregungen:

  • http://www.antispam.de/wiki/Vorgehen_bei_Telefon-Mehrwertdienst-Betrug
  • http://www.verbraucherschutz-forum.de

Zusätzlich bietet der Verbraucherschutz in Ihrer Stadt Hilfe an. Scheuen Sie sich nicht, sich dort beraten zu lassen. Oder gehen Sie zu einem Anwalt!
Über Google finden sich über die o.g. Firmen entsprechende Informationen, Links zu den hier genannten Firmen und auch zu weiteren Betroffenen.

Mach es wie die Gebrüder Grimm: Erzähl es weiter. - Beachte die Datenschutzerklärung.