Das Motto der neuen Literatur: Klau, aber lass dich nicht erwischen.

Kein Einzelfall, gewiss nicht. Wer ein bisschen nachdenkt, sich intern mit Autoren und Lektoren unterhält, findet schnell heraus: Beklaut wurden schon einige Autoren, aber die Angst etwas zu sagen, ist groß. Denn meistens haben die Wortdiebe Glück und der Urheber gegen einen Bestseller kaum eine Chance. Manchmal wurden die Sätze auch so gut umgestellt, dass ein Beweis schwierig wird. Da heißt es dann: Plagiat oder Neid? Manchmal ist es Letzteres, manchmal stimmt aber auch das Plagiat. Und wie oft gewinnt der mit dem längeren Atem – dem größeren Geldbeutel? Der kleine, bestohlene Autor bleib frustriert zurück.

Ähnlich wird es auch mit dem Blogger names Airen sein, der in Deef Pirmasens Blog  „Gefühlskonserve“ Teile seines Romans “Strobo” (Sukultur Verlag, August 2009) veröffentlichte,  die dummerweise eine (damals noch nicht ganz) 17-jährige entdeckt, für sich verwendete und mit ihrem Debüt, wer hätte es gedacht, einen Bestseller landete. Helene Hegemann gibt das Plagiat zu. Immerhin!

Und? Werden die Bücher jetzt eingestampft? Erhält der eigentliche Autor nun einen Mitanteil des Verkaufserlöses oder wird sein Name zusätzlich auf das Cover gestempelt?

Vermutlich nicht. Hier und da wird sich entschuldigt, doch es wird alles beim Alten bleiben.

Allerdings ist Airens Roman im amazon-Rang immens gestiegen. Ein positiver Effekt hat die Aufregung somit doch – für alle. Und beim Stern gibt er gleich ein Interview dazu. So viel Publicity hätte er ohne Plagiat vermutlich nicht erhalten. Und: Respekt! Er geht verdammt locker mit dem Diebstahl seines Romans um.

Auch Helene Hegemanns Roman dürfte sich jetzt noch mal ein bisschen besser verkaufen. Das ist allerdings ein fragwürdiger Erfolg. Positiv ist allerdings ihr Einfallsreichtum und charakteristisch interessant die Dreistigkeit, den Text eines anderen Autors zu verwenden und ihn als den eigenen zu bezeichnen. Denn auch mit 17 Jahren sollte sie wissen, dass Abschreiben verboten ist. Bei einem Englischvokalbetest ist das vielleicht noch verzeihbar, den Text eines Autors zu klauen und als seinen zu verkaufen, ist jedoch ein anderes Kaliber! Doch in einem Interview bei welt.de sagt sie, dass sie auch ihre Freunde beklauen würde. Kein Mensch, der meine Freundin sein dürfte.

“Sie war jung und brauchte das Geld!”, scheint nach dem oben erwähnten Interview unpassend. Denn Helene Hegemann weiß genau was sie will und es ist ihr anscheinend auch egal, wie und von wem sie es bekommt. Nun, so lange Medien und Verlage da mitziehen, kann sie auf der Erfolgswelle reiten.

Es mag ihr egal sein, aber sie hat mit ihrer Art und ihrer Vorgehensweise weder meine Zuneigung, noch meine Bewunderung errungen.

Hoffen wir darauf, dass sie ein Einzelfall ist und ihr keine Trittbretttipper nacheifern.

Quellen:

welt.de

Mehr zum Thema bei Deef im Blog.

Mach es wie die Gebrüder Grimm: Erzähl es weiter. - Beachte die Datenschutzerklärung.