Der Unterschied zwischen real und virtuell liegt in der Tiefe.

Ich habe neben meiner Website und kleineren Ablegern, dieses Blog und zwei weitere Blogs, bin bei Xing und Twitter – hatte dort drei Accounts. Ich habe eine Freundeseite und eine Fanseite bei Facebook. Bei Piper-Fantasy.de habe ich ebenso einen Account wie bei lovelybooks.de. Ich war auch bei StayFriends, vor längerer Zeit.

Aber es wird Zeit, das virtuelle Leben weiter einzuschränken:

@NicolesStory auf Twitter ist beendet. @WirSchreiben ist ebenfalls beendet.

Bei Xing bin ich nur – mehr nicht. Xing hat mir noch nie irgendwelche geschäftlichen Kontakte ermöglicht. Wenn das über Xing möglich ist, dann nur, indem ich auch in den Foren aktiv bin. Aber wann soll ich dann möglichen Geschäftskontakten die Aufträge erfüllen?

Bei Twitter zwitschere ich weniger. Meine Freundesseite auf Facebook wird jetzt gekillt. Warum?

Ich habe 377 Freunde auf Facebook und täglich kommen neue dazu, ich erhalte täglich mehreren Einladungen zu Seiten, Institutionen und Veranstaltungen. Ich kann keine davon besuchen. Nun, ich könnte vielleicht, wenn ich durch die halbe Welt reisen wollte, aber wann soll ich dann schreiben? Was wird dann aus meiner Familie, meinen Kindern, den Tieren?

Ich war noch nie ein Partygirl und mische mich auch nur aus beruflichen Gründen unter viele Menschen. Oberflächlichkeit ist mir ein Gräuel. Tralala ist nicht meins.

„377 Freunde“. Das ist doch Blödsinn. Ich weiß, dass ich nur auf einen Freund von diesen 377 Freunden zählen könnte, wenn hier die Bude brennt. Und diesen Kontakt habe ich seit mehr als zwanzig Jahren im Real Life.

Es fehlt mir die Zeit und die Übersicht alle Einträge der 377 „Freunde“ zu lesen.

Aber Freundschaft – wahre Freundschaft – ist wichtig. Sie muss gepflegt und gehegt werden – und doch benötigte sie weder das Eine noch das Andere, weil wahre Freundschaft auch besteht, wenn man sich nicht jede Woche in der Kneipe namens “web” trifft oder jeden Tag zwei, drei Zeilen austauscht. Freundschaft funktioniert nicht zwischen 140 Zeichen und Freund 221 und 222.

Es ist unfair, denn ich kann nicht für 377 Freunde da sein – sicher, sie verlangen es nicht, und doch wünscht sich jeder Aufmerksamkeit, sonst hätte das Social Media nicht diesen Erfolg.

Bei Twitter verfolge ich 350 User und mich verfolgen über 1100. Das ist toll, dafür bin ich dankbar. Aber melde ich mich mal zwei Tage nicht, fällt das nicht mehr auf, meine Abstinenz geht unter – meine Person ist unwichtig, weil auch diese Kontakte zwar oft schön, interessant, witzig, lehrreich, nett, informativ und liebenswert – aber auf Dauer oberflächlich sind. Und umgekehrt ist es genauso: Wichtige Einträge ziehen an mir vorbei, es bleibt nicht die Zeit auf jeden einzugehen und Freundschaften aufzubauen – wahre Freundschaft. Und das ist schade, denn das vielbesprochene Social Web schlidderte auf eine Oberflächlichkeit zu, die für Kommunikation und Freundschaft nur schädlich sein kann.

Ich hatte viele Bekannte, als ich noch in Foren unterwegs und Administrator war. Als ich diese Foren verließ, verlor ich alle Bekanntschaften auf einen Schlag. Ich entschied mich gegen das Medium, nicht aber gegen die Menschen – und dennoch: eine E-Mail benötigt mehr Zeit, als eine PN oder DM mit wenigen Zeilen.

Bekannte kommen und gehen, aber Freunde bleiben für immer.

Meine Freundesseite bei Facebook werde ich darum abschalten. Ich würde mich natürlich freuen, wenn ihr mich auf der Fanseite – besser noch hier in meinem Blog – weiter begleitet. Natürlich, das ist nicht das Gleiche, ich kann euch nicht zurückverfolgen, bin nur eine Seite von vielen und kein Freund. Und ich verstehe, wenn sich nun einige meiner „Freunde“ abwenden.

Es fällt mir nicht leicht, die Freundesseite zu schließen und während ich das hier schreibe, denke ich: »Ach, ist doch egal!« Damit unterwerfe ich mich dem Zwang des Sozialen Internets. Früher waren es die Kreditkarten die fächerartig aus dem Portemonniae fielen, heute sind es die Links zu den eigenen Social Media Seiten, die ein bisschen angeberisch wirken.

Aber ich will mich keinen Zwängen unterwerfen, dem Sog der sozialen Webplattformen entziehen und weigere mich dieser Droge freien Eintritt zu gewähren. Es geht nicht ohne Internet. Alle meine beruflichen Kontakte sind über das Internet entstanden, aber um überhaupt noch Zeit zum Arbeiten zu finden, muss ich manche virtuellen Bereiche schließen. Ich möchte nicht an der Oberfläche der virtuellen Welt leben, und eintauchen könnte ich nur, wenn ich mein wirkliches Leben auf ein Minimum reduzieren würde.

Und das will ich nicht!

Internet – Fluch und Segen!

Es gibt also viele Gründe, warum ich mit meiner Freundesseite bei Facebook offline gehen und die Fanseite ausbauen werde. Auf jeden Fall bleibt noch genug von mir im Internet. Noch.

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