Wenn plötzlich alles richtig scheint …

"Zwei Wege boten sich mir dar und ich nahm den, der weniger begangen war und das veränderte mein Leben." - Robert Forst / Grafik: Thomas Hofmann

„Zwei Wege boten sich mir dar und ich nahm den, der weniger begangen war und das veränderte mein Leben.“ – Robert Forst / Grafik: Thomas Hofmann

Nach der Veröffentlichung von „Niemand“ bin ich in ein kleines Kreativ-Loch gefallen, ich glaube, so sollte ich es benennen. Es war als müsste ich mich von einer schweren Geburt erholen, obwohl Niemand zu schreiben, alles andere als schwer für mich war. Lustig, kompliziert, interessant, verrückt und wunderbar trifft es eher. Doch das Abgeben, das Freilassen, das Bewerben und letztendlich das Feststellen, immer noch dort zu stehen, wo ich vorher stand: In der Gruppe der ambitionierten Schriftsteller, die aber nicht so erfolgreich sind, wie sie gerne wären. Ich war des Kämpfens müde, des Schreiens und Bewerbens, des Bittens und Bemühens. Und ich wusste nicht, ob ich so ein Buch wie „Niemand“ noch einmal schreiben könnte.

Ich brauchte eine Pause und fühlte mich dabei schlecht. 
Die Veränderungen des Literaturbetriebs, die Eröffnung eines „Verlags-Casting-Portals“ nach dem anderen und der Anstieg der selbstpublizierenden Autoren wiesen mir Richtungen, die ich kurz ausprobierte, aber nicht gehen wollte. Ich stand an einer Wegkreuzung, wählte den rechten Weg, dann den linken. Ich lief ein bisschen kreuz und quer durch den Wald. Und sah die Lichtung vor lauter Bäumen nicht.
Auf diesen Wegen habe ich mich in Bereichen umgesehen, die mir Marketing von einer anderen Seite gezeigt haben: Produkttests. Die hier im Blog meistbesuchte Rubrik hat mich zu neuen Werbemaßnahmen und Ideen inspiriert.
Ich habe meine zweite Leidenschaft publik gemacht: Das Kochen und Backen. Auch ein Schritt, der mir gar nicht leicht fiel, denn ich weiß zwar: Ich kanns, bin aber keinesfalls so perfekt wie ein Food-Blogger oder viele der anderen Hobbyköche. Es war ein Einblick in meine Küche – mehr nicht. Immerhin konnte ich so schreiben – wenn auch nicht das, was ich wollte. Doch diese neu eingeschlagenen Wege – Wege, die von vielen beschritten werden – sind nicht die Gründe dieses Eintrags.

Plötzlich stand ich erneut an einer Wegzweigung und habe einen unsicheren Schritt getätigt, ängstlich, aber voller Hoffnung. Nach diesem Schritt habe ich gemerkt: Er war richtig, er war gut, er gab mir Auftrieb. Und dann las ich eine Information in einem Newsletter und ich machte einen weiteren Schritt und stellte fest, wie leicht es ist, eine Frage zu stellen und nicht so schwer wie ich dachte, die Antwort zu erhalten.

Manchmal sind die Wege ein bisschen verschlungen, sie sind steinig, steil oder fallen tief hinab, sind gepflastert mit Verzweiflung und ein bisschen Selbstmitleid. Diese Wege sind nicht verkehrt, gehören sie doch zu denjenigen, die uns das Leben von einer anderen Seite  zeigen und uns im besten Fall dahin führen, wo wir hin gehören. Wege und Kreuzungen sind zum Begehen, Entdecken und Wiederfinden da. Ich habe mich wieder gefunden.

Ich bin Schriftstellerin. Ich schreibe, ich will veröffentlichen. Ich muss noch nebenbei arbeiten, das mache ich gern, denn auch dabei kann ich kreativ sein. Ich gehe nicht unter, wenn es hart wird, denn ich weiß wie kämpfen funktioniert. Ich danke und bin dankbar – nicht immer. Ich habe Fehler, viele.
Ich habe mein neues Ziel gefunden, hier verweile ich jetzt, denn es liegt viel Arbeit vor mir:

Soeben habe ich den Vertrag für den zweiten Niemand-Band unterschrieben. Der Roman erscheint voraussichtlich im Oktober 2015 beim Atlantis Verlag. Ich freu mich wahnsinnig doll, so richtig superwuperdoppeltdreifachjuchu und habe gleichzeitig schreckliches Herzklopfen, ob alles so klappt wie ich es will. Denn im Niemandsland liegt ’ne Menge Schrott rum und der Schrottmann ist auch keine besonders große Hilfe – im Gegenteil. Ich bin voll „auf Niemandsland“ – denn die Zeit drängt.

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