Abgecheckt: Tiroler Delikatessen – Alles Käse!

Eingeschweißt in Folie - ungekühlt - fühlte sich der Käse nicht wohl.

Eingeschweißt in Folie – ungekühlt – fühlte sich der Käse nicht wohl.

Testeritis-Siegel2Meinen Käse kaufe ich auf dem Wochenmarkt. Dort ist er frisch und appetitlich, keine überflüssige Verpackung, angenehme Beratung und die Preise sind gut.

Nun durfte ich drei Käsesorten des Versandhändlers Tiroler Delikatessen testen. Meine Wahl fiel auf: Rotweinkäse, Pustertaler Räucherkäse und Tiroler Felsenkellerkäse.

Bisher habe ich davon Abstand genommen mir Lebensmittel zusenden lassen. Kaffee, Wein oder abgepackte Süßigkeiten bilden eine Ausnahme. Doch frische Waren, zu denen auch Käse zählt, kaufe ich lieber dort, wo ich die Ware sehen und probieren kann. Vielleicht würde mich die Firma Tiroler Delikatessen überzeugen, zukünftig meine Lebensmittel auch (ab und an) online zu kaufen?

Von Folien und Schweiß

Die drei Käsesorten erhielt ich per Post, eingeschweißt in Folie inklusive Einschlagpapier für die spätere Aufbewahrung des Käses. Schon beim Auspacken des Pakets erkannte ich, dass der Käse viel zu warm geworden war. Fett hatte sich an der Folie abgesetzt. Ich befreite die jeweils ca. 150 g Stücke aus ihrer engen Plastikverpackung. Mein Eindruck bestätigte sich:

(v.l.) Felsenkellerkäse, Rotweinkäse, Rauchkäse - hier fällt auf, dass der Käse viel zu warm geworden ist.

(v.l.) Felsenkellerkäse, Rotweinkäse, Rauchkäse – hier fällt auf, dass der Käse viel zu warm geworden ist.

Der Käse war zu warm geworden, er hatte geschwitzt. Alle drei Käsestücke sahen leider nicht annähernd so gut aus wie auf den Artikelfotos und weit entfernt von appetitlich. Der Käse glänzte stark, eine Fettschicht hatte die Schnittflächen überzogen und der Rotweinkäse schien nachgedunkelt. Der Räucherkäse war zudem nicht in einem Stück, sondern bestand aus zwei Stücken. Hätte ich als Kunde bestellt und bezahlt, dann wären all diese Punkte ein Reklamationsgrund gewesen.

Geschmack und Konsistenz

Nun lag der Käse erst mal an der frischen Luft und durfte kurz durchatmen, bevor wir uns in der Familie gegenseitig zur Käse-Verkostung einluden.

Rotweinkäse

Shopbeschreibung: Unser Rotweinkäse ist ein cremig-zarter Schnittkäse aus thermisierter, silofreier Alpen-Heumilch. Der fruchtig, herzhafte Käse wird in Burgunder Rotwein getaucht und erhält so nach mind. 5 Monaten Reifezeit nicht nur seine typisch schwarze Rinde, sondern auch seinen kräftigen Geschmack.

Unsere Meinung: mild und nur ein Hauch von Weinnote. Der jüngste Verkoster sagte: Nichtssagend! Das lag an der Erwärmung während des Versands. Nachdem der Käse gekühlt wurde, schmeckte er deutlich besser.

Pustertaler Räucherkäse 

Shopbeschreibung: Er überzeugt mit seinem mild bis leichtwürzigen Geschmack und der zarten, nicht harzigen Räuchernote. 

Unsere Meinung: mild geräucherte, angenehme Geschmacksnote. Auf Schwarzbrot besonders lecker.

Kaspressknödel - tolles Gericht mit deftigen Käse und als Verwertung für altes Brot

Kaspressknödel – tolles Gericht mit deftigem Käse und als Verwertung für altes Brot.

Tiroler Felsenkellerkäse 

Shopbeschreibung: Die Reifung im Felsenkeller unter den Innsbrucker Bergen sorgt dafür, dass der Käse auch als Hartkäse wunderbar cremig bleibt und dennoch herzhaft-würzig schmeckt.

Unsere Meinung: sehr würzig und herzhaft, nichts fürs Frühstücksbrot, eher für das Abendessen – auf einem rustikalen Körnerbrot. Auch geraspelt als Finish über Gnocchi oder Nudeln oder verarbeitet z.B. in Kaspressknödel (→ Rezept aus »Deftig vegetarisch« von Anne-Katrin Weber) geschmackvoll.

Käse soll bekanntlich einen Moment vor dem Verzehr aus dem Kühlschrank geholt werden, zu kalt entfaltet Hartkäse nicht sein Aroma. Doch der Wärmestau hat das Käsearoma nicht gefördert. Alle Käsesorten hatten einen relativ fettigen Geschmack, was bei 45 bzw. 50% Fett zwar erwartet werden kann, aber bei kühler Lagerung nicht so stark auf der Zunge fühl- und im Magen spürbar ist.

Darum kam der Käse jetzt in die Käsefolie, die mit im Paket lag, und wanderte in den Kühlschrank.

Ein Blick auf den Versandhandel Tiroler Delikatessen

Während der Käse kühlte, schaute ich mir die Webseite der Firma näher an. Online gibt es nicht nur Käse, sondern Delikatessen aus Tirol für jeden Gaumen. Wurst- und Schinkenwaren, Brot, Müsli, Wein und Spirituosen oder süßen Aufstrich. Der Shop bietet alles, was der Tirol-Fan begehrt – auch als Geschenk. Die Firma hat seinen Sitz nicht in Tirol, sondern in Bitterfeld.

Gut verpackt in dem beiliegenden Käsefolienpapier kommt der Käse in den Kühlschrank und darf sich erholen.

Gut verpackt in dem beiliegenden Käsefolienpapier kommt der Käse in den Kühlschrank und darf sich erholen.

Ich bin ein Fan von „Über uns“-Seiten und halte sie bei dem Verkauf von sensiblen Lebensmitteln für unerlässlich. Woher kommt der Käse, wo wurde der Schinken hergestellt? Wer steckt hinter dem Konzept?

Erst unter dem Reiter „Shopinfo“ erfahre ich, dass Dirk Esters seit 15 Jahren für  die schonende, naturbezogene Herstellung der Produkte und die Verwendung von traditionellen, bäuerlichen Herstellungsverfahren verantwortlich zeichnet.
Davon hätte ich gerne mehr. Wer hat den Käse hergestellt? Wo ist er gereift?

Nach der Kühlung

Nach der Kühlung sah der Käse besser aus, lediglich der Felsenkellerkäse zeigte noch Spuren: Salzkristalle und nach wie vor ein feiner Fettfilm, was bei einem länger gereiften Käse normal ist. Das verschwand nach 24 Stunden. Geschmacklich überzeugen die Käsesorten erst richtig am nächsten Tag. Das fettige Gefühl im Mund fehlte nun, ideal für den Ursprungsgeschmack. Unser aller Favorit ist der Räucherkäse.

Hartkäse bei Käse & Wurst Kleinhenn-Jandt auf dem Remscheider Wochenmarkt.

Hartkäse bei Käse & Wurst Kleinhenn-Jandt auf dem Remscheider Wochenmarkt.

Fazit

Käse lässt sich vermutlich nur eingeschweißt in Folie verschicken, das ist für Aroma und Konsistenz ein kulinarisches Problem. Eine Abhilfe weiß ich leider nicht. Vielleicht hilft ein gekühlter Versand.
In Zeiten, in denen der Kunde gerne online bestellt, ist ein Shop, der Tiroler Spezialitäten anbietet, eine Bereicherung.
Bei den Mengenangaben der Käsesorten im Shop hätte ich mir mehr Auswahlmöglichkeiten gewünscht.

Mich hat der Erhalt über die Post von sensiblen Lebensmitteln nicht überzeugt. Ich werde meinen Käse weiterhin auf dem Wochenmarkt kaufen, dort wo ich vor Ort riechen, schmecken und sehen kann. Auch wenn ich dann auf manche Delikatessen verzichten muss.
Lebensmittel einkaufen bedeutet für mich auch, den Handel vor Ort unterstützen, auf frische und regionale Produkte setzen und Verpackung sparen.

Trotzdem vielen Dank an Tiroler Delikatessen – es war eine Erfahrung und Bereicherung. :-)

Webtipps:

Die Tiroler Delikatessen Käse Galerie

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