Rezension: »Französisch kochen« von und mit Aurélie Bastian

Cover: »Französisch kochen« von und mit Aurélie Bastian

Cover: »Französisch kochen« von und mit Aurélie Bastian

1987 war ich das erste und letzte Mal in Frankreich. Süße siebzehn, wenig Geld, Camping, Sonne, Strand und Meer – irgendwo in der Camargue. Keine Ecke, in die ich heute wieder reisen würde. Heute wünsche ich mich zu den Lavendelfeldern, Urlaub in der Provence oder doch in der Bretagne? Vielleicht ein Besuch beim Winzer Paul Maas, der einen Rotwein nach meinem Vornamen benannt hat? Wünsche nur.
Damals aßen wir Ravioli aus der Dose, aufgewärmt auf dem Campingkocher. Und jeden Tag gab es Baguette – anderes Brot hatten die Franzosen nicht. Ich erinnere mich an eine Familie, die wir in den ersten Tagen besuchten – wir, das waren vier junge Leute, die ihre Ferien genießen wollten. Irgendwer kannte diese Familie, wer und warum – das habe ich vergessen. Aber an das Essen erinnere ich mich noch. Ich fand es abscheulich. Diese Wochen haben meine Meinung über die französische Küche stark geprägt. Ich war jung. Vielleicht konnte die Madame des Hauses nur nicht kochen, das war alles. C`est la vie!

Im Laufe der Jahre lernte ich die kulinarische Vielfalt der Franzosen über den Wein, das Dessert und die Pâtisserie lieben.

Aurélie Bastians Bücher »Macarons« und »Tartes & Tartelettes« haben mir so gut gefallen, dass ich hoffte, sie könne mir mit ihrem Buch »Französisch kochen« auch die pikante französische Küche wieder schmackhaft machen.

Zum Buch

Reich bebildert mit Erläuterungen und kleinen Tipps präsentiert Aurélie auf 174 Seiten ihre französische Lieblingsküche. Vorspeisen, kleine Speisen, Gerichte mit Fleisch, Geflügel, Fisch und Gemüse und natürlich süße Nachtische. Fragen von ihren Bloglesern beantwortet sie am Ende des Buches und gibt eine Übersicht über deutsche und französische Bezeichnungen verschiedener Zutaten. Somit wird das Buch auch zu einem kleinen kulinarischen Fremdwörterlexikon. Das Rezeptverzeichnis ist nach Kapiteln und alphabetisch, jedoch nicht nach Zutaten sortiert.

Ein sehr schön gestaltetes Kochbuch über die französische Küche. Wer Deftiges mag und auf Fisch oder Fleisch nicht verzichten kann, der findet in »Französisch kochen« eine Vielzahl interessanter Gerichte.

Fehlerteufel

Auf der Verlagsseite wird auf einen Fehler hingewiesen. In den Teig für die Galettes au sarrasin (S. 38) gehören

200 ml Wasser + 1 gestrichener EL Salz oder einfach 200 ml Sprudelwasser mit Salz und
100 g Buchweizenmehl, fein gemahlen

anstelle, wie im Buch angegeben, 200 g Mehl und 100 g Wasser.

Schokotörtchen mit flüssigem Kern

Schokotörtchen mit flüssigem Kern

Was habe ich daraus gekocht?

Bei der Lektüre des Buches wurde mir schnell klar: Die Franzosen kochen deftig, viel und manches durcheinander. Eigentlich  mag ich das, doch Fleisch in der Menge – damit fühlte ich mich nicht wohl. Also begann ich bei den Desserts, doch die kannte ich alle schon. Das Fondant au chocolat (S. 132/133), die Crème brûlée (S. 134/135) oder die Mousse au chocolat (S. 136/137) mache ich häufig. Die Profiteroles – Windbeutel – kenne ich bereits und auch die eingelegten Birnen auf den nachfolgenden Seiten zeigten mir nichts Neues.

Und eigentlich wollte ich doch auch die herzhafte Küche der Franzosen neu kennen lernen.

Accras de morue – Frittierte Kabeljau-Krapfen (S. 32/33) – das klang gut.  Der Fisch wurde mit dem Hefeteig verknetet und in heißem Fett frittiert. Dazu gab es einen frischen Dip aus Mango, Joghurt und Schalotte. Der Dip schmeckte großartig. Die Accras de morue leider nicht. Der Fischgeschmack wurde vom Teig komplett überdeckt. Nach den ersten Backversuchen habe ich nachgewürzt … aber Geschmack wollte irgendwie nicht an die Krapfen ran.

Fischkrapfen mit Mango-Dip

Fischkrapfen mit Mango-Dip

Sehr gut gefällt mir die ausführlich bebilderte Back-Anleitung für das französische Baguette. Das werde ich demnächst nachbacken und mit der Kastaniensuppe (S. 50/51) kredenzen.
Für eine Feier eignet sich die Tarte fleur carottes-courgettes – Möhren- und Zucchini-Tarte (S. 42/43). Die längsgeschnittenen Möhren- und Zucchinischeiben werden ineinander gerollt und auf einem Boden gebacken. Das sieht super aus.

Fazit

Ein sehr schönes Buch mit französischem Charme und viel Herzblut, das ich gerne weiter empfehle.
Leider ist es Aurélie nicht gelungen, mir die deftige französische Küche näher zu bringen, das liegt aber nur an meinem persönlichen Geschmack.

In jedem Fall: Bon appétit!

 

Aurélie Bastian
Französisch kochen mit Aurélie
Meine Lieblingsrezepte
Gebundenes Buch, Pappband, 174 Seiten
Bassermann Verlag, Oktober 2015
durchgehend bebildert, Cover mit Heißfolienprägung
ISBN 978-3-572-08193-6
€ 19,99

Das Buch ist auch als » eBook erhältlich.

 

Weblinks zum Artikel

 

Vielen Dank an den Bassermann Verlag!

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