Gewebewelten – Verloren im Gedankenlabyrinth, 7. Kapitel

Gewebewelten_CoverDiesmal hat es ein bisschen gedauert, aber die Resonanz ist – erwartungsgemäß – gering und so lasse ich mir mit der Überarbeitung Zeit. Das 7.  – knappe – Kapitel ist für Saphira. Viel Spaß beim Lesen!

Fortsetzung

7. Kapitel

»Ich glaube, ich versinke.« Tobias flüsterte, dann schrie er: »Scheiße! Leute – ich versinke!«

»Was? Du spinnst.« Timo schüttelte den Kopf.

»O Gottogott. Sieh doch.« Lisa klammerte sich erneut an Timo. »Der versinkt wirklich.« Sie rüttelte an seinem Arm. »Schau doch!«

»Quatsch, der Boden ist stabil.« Die Arme ausgestreckt, den Kopf zur Seite geneigt, trampelte René mit den Füßen. Kaltes Wasser spritzte zu den Seiten. Lisa kreischte. »Hör auf damit, René!« Er blieb stehen, neigte den Kopf zur Seite und lauschte.

Auch Timo spürte festen Boden unter den Füßen. Das Wasser stieg weiter an, durchweichte seinen Hosenbund und kitzelte ihn spöttisch am Bauch. Timo schubste Lisa zur Seite und watete auf Tobias zu, der bis zur Brust im Wasser stand, obwohl er genauso groß wie Timo war.

»Los, steh auf und mach hier keinen Mist, Dicker.«

»Hilf mir!« Eine Welle schwappte gegen sein Kinn. Er hustete, spuckte, versuchte sich an Timo festzuhalten.

»Was ist mit ihm?« Nur durch die Geräusche erriet René was geschah – Unglaubliches.

Tobias’ Kopf trieb wie eine Boje auf dem glänzenden Wasser.

»Du musst ihm helfen! Der stirbt!« Lisa beugte sich nach vorne und erbrach in die phosphoreszierende Flüssigkeit – die einzige Lichtquelle an diesem Ort.

»Was ist los?«

»Tobias ertrinkt.« Lisa schluchzte und presste beide Fäuste gegen den Mund. René fasste sich an den Kopf: »Scheiße, Timo! Du musst ihm helfen.«

»Mach du das doch.« Timo hatte keine Lust den Helden zu spielen.

»Ich kann nichts sehen, du Arsch, schon vergessen? Es wäre schön, wenn du den Dicken rausholst und ihr den Ausgang finden könntet, bevor uns allen das Wasser bis zum Hals steht.«

Wertvolle Sekunden, ausgefüllt mit dummen Geschwätz, die ein Menschenleben fordern würden.

»Der verarscht uns nur. Versinkst du etwa?«

»Nein, aber ich rieche seine Angst.«

»Das kann genauso gut meine Scheiß-Angst sein, oder die Kotze von Lisa.«

»Ich mach keinen Mist, Leute, meine Beine stecken fest. Bitte, zieh mich raus!« Die Stimme klang gepresst, als raube ihm die Flüssigkeit den Atem.

»Timo. Du bist immer nur auf deinen Vorteil aus, aber wenn du Tobias jetzt nicht hilfst, hast du ein Leben auf dem Gewissen. Tauch jetzt!« Die Augen leer, das Gesicht von Verachtung gezeichnet, drohte René mit den Fäusten. Timo fürchtete sich nicht vor René – aber davor, am Tod eines Menschen schuldig zu sein.

Tobias’ Kopf tauchte unter. Seine Hände erstarrten, als fürchtete er, jede Bewegung brachte ihm den Tod.

*****

Weinkrämpfe zerrten an Janas Kräften. Sie zählte bis Fünf. 1-2-3-4-5. Schloss die Augen und verdrängte die Tränen. Sie brachte ein Lächeln zustande, ein Lächeln, das außer ihr niemand wahrnahm. Müde ging sie weiter geradeaus und summte die Melodie von »Somewhere over the rainbow«.

*****

Als Jahrgangsstufensprecher hatte Timo geschworen, sich für die Schwächeren einzusetzen. Blabla. Die Wahl sollte ihm seine Beliebtheit bestätigen und seinen Vater stolz machen. Timo verabscheute sich. Timothy Kreidler, mutig, smart, beliebt und unantastbar, war ein arrogantes Arschloch. Seine Kameraden, Lisa, sein Vater und die meisten Lehrer drängten ihn dazu. Aber er wollte nicht an Schoko-Tobys Tod schuld sein.

Timo tauchte.

→ Hier geht es mit dem 8. Kapitel weiter.

© Nicole Rensmann 2015

In unregelmäßigen Abständen werde ich den aktuell 300 Seiten starken, noch nicht veröffentlichten Fantasy-Roman »Gewebewelten« kapitelweise veröffentlichen. Wenn dir gefällt, was du liest, freue ich mich über dein positives Feedback und/oder eine Spende. Doch auch Kritik ist erlaubt. Bitte verwende die Kommentarfunktion. Danke. Und viel Spaß beim Lesen.



Gewebewelten – Verloren im Gedankenlabyrinth
Roman von Nicole Rensmann: Zur Übersicht

Mach es wie die Gebrüder Grimm: Erzähl es weiter. - Beachte die Datenschutzerklärung.