Rezension: »Glück ist backbar« von Marian Keyes

Kokosmilchkuchen aus "Glück ist backbar" von Marian Keyes

Kokosmilchkuchen aus “Glück ist backbar” von Marian Keyes

Astrid Pfister hat mir »Glück ist backbar« empfohlen. Dafür an dieser Stelle erst einmal vielen Dank.
Viele Monate stand dieses Backbuch auf meiner Wunschliste, bis ich es dann zufällig im Buchladen liegen sah und ein Exemplar mit nach Hause nahm.

Marian Keyes, Jahrgang 1963, stammt aus Irland und arbeitet als erfolgreiche Autorin von (Frauen)-Romanen in Dublin. Trotz oder wegen des Erfolgs, fühlte sich ihre Seele überreizt an. Ärzte diagnostizierten bei ihr eine Depression. Dass sie sich der Diagnose nicht hilflos ausliefern wollte, zeigt »Glück ist backbar«. Das Backen hat ihr geholfen aus dem Tief herauszukrabbeln. Und sorgt auch heute noch dafür, dass sie beim Teig anrühren wieder zu sich findet.

In der vierseitigen Einleitung des 232 starken Buches schreibt sie offen, angenehm theatralisch-literarisch – sie ist eben Schriftstellerin – über ihre Depression und wie das Kneten eines Teiges ihr Entspannung schenkte. Am Ende der Einleitung schlug mein Herz schneller, Marian Keyes war mir sehr nah. Wir halten unsere Hände, schweigend verstehen wir uns.

Glück ist backbar von Marian Keyes / Heyne Verlag

Glück ist backbar von Marian Keyes / Heyne Verlag

Zum Buch

Auf den nächsten Seiten erzählt sie mehr, als das sie empfiehlt, welches Backzubehör nötig ist. Dabei beweist sie Humor und dank ihres Erzählgeschicks wird die “Schwafelei” nie langweilig. Ihre übersprudelnde Energie füllt jeden Absatz aus. Auch bei den Tipps und Regeln, die sie für alle gibt, die zum ersten Mal backen, darf geschmunzelt werden.
Auf den nachfolgenden 200 Seiten präsentiert Marian Keyes ihre Lieblingskuchen. Das sind eine Menge. Ich gebe zu, mich sprechen sie nicht alle so an. Zu jedem Rezept erzählt sie einen “halben Roman”. Mir macht das Spaß. Die Backwerke sind vielseitig – von Brownies bis hin zur Torte, alles dabei.
Einige der Zutaten zählen nicht zu den Standardbackutensilien, wie z.B. Muscobado-Zucker (vermutlich eine andere Bezeichnung für Muscovado-Zucker, den Cynthia Barcomi gerne verwendet). Auch Vanille-Extrakt wird bei den Zutaten aufgeführt. Dank – da ist sie wieder – Cynthia Barcomi hab ich dieses Extrakt im Haus – selbstgemacht natürlich. Aber Marian Keyes möchte noch mehr: Demerara-Zucker oder Rosenwasser.
Die Rezepte sind gut erklärt, da sollte nichts schief gehen … eigentlich.

Was habe ich daraus gebacken?

Für den Kokosmilchkuchen (S. 110/111) hatte ich alle Zutaten zuhause. Ich konnte also direkt loslegen.
Der Kuchen braucht nicht nur Kokosmilch, sondern auch Kokoschips, die – wie Marian Keyes meint – wie die abgeschnittenen Fußnägel eines Riesen aussehen. Damit hat sie absolut recht. Allerdings meint sie auch, diese harten Chips werden während des Backvorgangs weich. Dem muss ich widersprechen. Die Chips waren zwar nicht mehr knackig, aber weich auch nicht – ein seltsames Mundgefühl.
Aber an der Stelle sind wir ja noch gar nicht. Mein Backglück verließ mich bei dem Kuchen, obwohl ich die gleiche Gugelhupfform verwendete.
Backen. Alles prima.
Doch der Kuchen sollte noch in der Form mit einem Sirup getränkt werden. Und ich hatte dieses Bauchgefühl, das mich mahnte, den Kuchen besser vorher auf eine Kuchenplatte zu stürzen und dann zu tränken – wie ich das auch immer mit dem Zitronenkuchen mache. Doch ich hielt mich ans Rezept. Es geschah, was nicht geschehen sollte: Der Kuchen klebte so fest an der Form, dass er in drei Teile zerbrach, als ich ihn mit Mühen und Messern befreite.
Schnell alles zusammen schieben – fällt ja kaum auf.
Marian Keyes schwärmt von diesem Kuchen in den höchsten Tönen, erzählt von Freunden, die sie mit diesem Kuchen glücklich gemacht hat.
Wir finden ihn okay, aber die Fußnägel … ähem Chips … wollen nicht so richtig mit dem getränkten Kuchenteig harmonieren.
Geschmackssache.
Und was den zerbrochenen Kuchen betrifft: Das passiert.

Ein paar Rezepte aus dem Buch werde ich noch ausprobieren und hoffe, dass mein Glück auch mit diesen Kuchen und Keksen backbar bleibt.

Fazit

»Glück ist backbar« ist mehr als ein Backbuch. Es ist ein witziges, persönliches Kleinod und dazu gut und witzig geschrieben. Die Rezepte sind simpel bis außergewöhnlich, und dank der Anleitungen auch für Backanfänger geeignet.
Ein gelungener Mix aus Backbuch, Ratgeber und Literatur. In jedem Fall köstliche Unterhaltung mit Mehrwert!

 

Marian Keyes
Glück ist backbar
Originaltitel: Saved by Cake
Heyne Verlag, 09.07.2012
Broschiert, 232 Seiten
ISBN 978-3453855854
12,99 €

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