Rezension: »Der Riesling – Weingut Robert Weil« / Tre Torri Verlag

© Cover: »Der Riesling - Weingut Robert Weil« / Tre Torri Verlag

© Cover: »Der Riesling – Weingut Robert Weil« / Tre Torri Verlag

Seit ich Stuart Pigotts »Planet Riesling« gelesen habe, komme ich an der Faszination Riesling nicht mehr vorbei.
Probieren und studieren – eine Weisheit, die voller Wahrheit steckt, nicht nur, wenn es sich um Wein dreht.
Zu jedem Wein, den ich trinke, mache ich mir Notizen. Denn ich vergesse schnell die einzelnen Nuancen, nach denen ein Wein gerochen und geschmeckt hat.
Bücher – die habe ich immer schon studiert. Die Prosa-Welt langweilt mich zurzeit ein bisschen, doch es bleiben Sachbücher – in großer Zahl. Denn ohne Lesen? Das geht nun wirklich nicht.

 Zum Buch

Beinahe zwei Kilogramm schwer und 28 x 2,7 x 29,7 cm groß. Wer sich unter diesen Maßen nichts vorstellen kann, der möge bitte an ein Schallplattencover denken. Wer Schallplatten nicht kennt, dem sei gesagt, dieses Buch ist ca. 6 bis 8 Mal größer als ein Smartphone – und dicker in beiden Fällen. :-)
Im Bett lesen ist unmöglich, auf dem Schoß liegt das Buch auch nicht gut, nur auf Tisch oder Sofa wird das Studieren nicht zur Qual. Womit wir schon beim Einstieg sind. Der Prolog beginnt mit einem Zitat von Wilhelm Weil, der – möglicherweise nicht als Erster – gesagt haben soll: Qualität kommt von sich quälen.
Wie Recht er doch hat. 

Der Inhalt auf 255 großen Seiten

Mehrere Autoren haben an diesem 255 Seiten starken Buch gearbeitet und zeichnen für die unterschiedlichen Kapitel verantwortlich. Der Geschichte des Weinguts, den Gründern und Machern werden 68 Seiten gewidmet. Es folgt die Architektur des Weinguts.
Das Interview mit Wilhelm Weil, geführt von Christian Goldenboog, ist kein Frage-und- Antwort-Interview, vielmehr erzählt Wilhelm Weil auf 44 Seiten über seine Arbeit, seine Philosophie und darüber, was einen guten Riesling ausmacht.
Weingut und Weinbergsarbeiten folgen im nächsten Kapitel – hier wird noch einmal richtig ins Detail gegangen. Wer das durchgeackert hat, kann (beinahe) selbst Winzer werden.
Das Beste kommt wie immer zum Schluss: Die Weinverkostung. Caro Maurer beschreibt gemäß den COS-Prinzip (Color- Odor – Sapor / Farbe – Geruch – Geschmack) ihre persönlichen Eindrücke von mehr als dreißig Weil-Rieslingen. Dies ist für den Leser nur Theorie, aber dennoch interessant, sorgt jedoch auch dafür, dass der Mund wässrig wird.

Die Texte werden mit zahlreichen Fotos untermalt, ganzseitige Bilder bieten Ruhepausen zwischen Wissen und Theorie.
Besonders schön: Fotografisch wird die monatliche Entwicklung eines Rebstocks dargestellt – von Januar bis Dezember, vom Anbau bis zum Wein, dazu die schwankenden Temperaturen in jedem Monat.
Vignetten – Weinranken, Weinblätter – verzieren einzelne Seiten. Ein sehr schön gestaltetes Buch.

Mit einem Preis von 69,90 € zählt »Der Riesling – Weingut Robert Weil« zu den Liebhaberbüchern. Allerdings möchte ich kritisieren, dass ich bei diesem Preis auch ein ausgezeichnetes Lektorat erwarte. Leider sind mir Satz-, Komma- und Trennungsfehler aufgefallen. Abgesehen davon hätten manche Schachtelsätze umgearbeitet werden dürfen –  zum besseren Verständnis und einer optimalen Lesbarkeit.

Ich habe mir das Buch gebraucht gekauft und lag mit meinem Anschaffungspreis unter 15,- €. Ein Schnäppchen, das sich gelohnt hat. Denn so spendierte ich mir noch eine Flasche Wein vom Weingut Weil dazu.

Klasse und Masse – das geht

Sehr sympathisch und bodenständig zeigt sich Wilhelm Weil in einem Interview, das Felix Bodmann 2015 mit ihm führte. Klasse darf auch in der Masse vorkommen, heißt es da. Und das gefällt mir. Denn Weine, die in einer Auflage von 100 Stück hergestellt werden und entsprechend teuer sind, müssen nicht unbedingt köstlich sein. Es kommt auf das Handwerk an und darauf, wie viel Gutes der Winzer seinen Trauben angedeihen lässt – vor und nach der Weinlese. Letztendlich hängt alles mit dem eigenen Geschmack zusammen.
Im Buch erfahren wir allerdings, dass Wilhelm Weil bei der Übernahme des Weingutes – Ende der Achtziger – zunächst die Produktion runtergefahren hat und damals lieber weniger, dafür besseren Wein herstellen wollte. Auf diese Weise lässt sich das Winzer-Handwerk perfektionieren. Die Erfahrung lehrt einen die Klasse mit der Masse zu kombinieren – nehme ich an. :-)
In jedem Fall wirkt Wilhelm Weil sympathisch und authentisch – da schmeckt sein Wein noch mal so gut.

Buch und Wein: Der Riesling - Weingut Weil

Buch und Wein: Der Riesling – Weingut Weil

Verkostung zum Buch

Zum Buch habe ich mir den Gutswein gekauft, das ist der – ich würde mal sagen – Alltagswein. Mit einem Preis von ca. 13,- bis 15,- € (je nach Händler) gehört der Weil Riesling QbA trocken, Jahrgang 2015 zum günstigsten Wein des Weinguts Weil.
QbA steht übrigens für Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete – musste ich auch erst mal nachschlagen.

In meinem laienhaften Verständnis (ich übe ja noch) versuche ich meine Eindrücke zu diesem Riesling zu beschreiben. Das ist diesmal schwer, weil die Weinbeschreibungen in den Onlineshops mit meinem Ergebnis nicht übereinstimmen. Dort heißt es nämlich, u.a.: Am Gaumen zeigt der Wein eine volle Frucht mit Aprikosen- und Pfirsichnoten und feinen mineralischen Noten.

Diese Beschreibung ist in jedem Fall falsch. Warum? Am Gaumen zeigt sich nix. Oder hat schon mal irgendwer ein Foto von einem Gaumen gemacht, an dem sich Noten von Aprikosen und Pfirsich bilden? Eben. Sorry, aber wenn ich Weinbeschreibungen lese, muss ich oft schmunzeln: verdreht, verfälscht, zu schwer, zu übertrieben und nicht selten sprachlich falsch.

Das habe ich gerochen und geschmeckt

In der Nase: Frische, Zitrone, Hauch von Eisbonbon, Apfel und (wenig) Pfirsich, grüne Paprika und – ja, vielleicht rohe Kohlrabi. Die Gerüche sind dezent, nicht aufdringlich.
Im Mund: Frisch, zitronig, angenehme Säure.
Die Aromen des Weins bleiben angenehm lange im Mund.
Weder der Restzucker von 6,9 g/l, noch der Säuregehalt von 8,5 g/l sind dem Wein anzumerken.
Ein ausgewogener, junger Riesling mit dezenten Aromen, der gerne noch ein, zwei Jahre liegen darf.

Fazit

Das Buch »Weingut Robert Weil – Der Riesling« bietet einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Weingutes Weil und die Arbeit eines Winzers. Die Verkostungsnotizen von Caro Maurer schließen das Buch perfekt ab. Danach gibt es nur noch eins: Eine Flasche Wein öffnen und genießen.

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»Weingut Robert Weil – Der Riesling«
Tre Torri Verlag, November 2014
Hardcover mit Schutzumschlag, 255 Seiten
Größe:  28 x 2,7 x 29,7 cm
ISBN 978-3944628479
69,90 €

Das Buch erschien 2013 auch in einer englischen Version.

 

Webtipps

 

© Cover: »Der Riesling – Weingut Robert Weil« / Tre Torri Verlag

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