Rezension: »Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott« von Horst Lichter / Markus Lanz

»Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott« von Horst Lichter / Markus Lanz

»Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott« von Horst Lichter / Markus Lanz

Horst Lichter wurde am 15. Januar 1962 in Nettersheim (Eifel) geboren, er hat zwei Kinder aus seiner ersten Ehe und eine Tochter aus einer weiteren Beziehung. Seit 2009 ist er mit Nada – seiner ehemaligen Kellnerin – verheiratet.
Wer Horst Lichter schon einmal gesehen hat, der weiß, das ist ein Typ mit Witz und Charme – ein “Lebemann”.

Nicht erst nach dem Buch ist klar: Horst Lichter steht auf Autos und Motorräder, er war nie ein Kostverächter – im Gegenteil: Frauen, Autos und gutes Essen prägten sein Leben. Vielleicht wäre aber alles anders gekommen, wenn er nicht schon Anfang zwanzig hätte erfahren müssen wie tiefschwarz sich die dunklen Kapitel eines Lebens anfühlen können.

Sein erstes Kind verstarb am plötzlichen Kindstod. Eine traurige Erfahrung, die er bis heute noch nicht verarbeitet zu haben scheint. Zwei Schlaganfälle folgen – und da ist er noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Er verlässt die Familie, baut sich ein neues Heim auf – die spätere Oldiethek -, bekocht Reisende und Freunde. Er verliebt sich, trennt sich, verliebt sich.
1999 beginnt seine TV-Karriere, zunächst im WDR, später dann im ZDF bei Johannes B. Kerner (2005). Weitere Kochshows wie Lanz kocht, Lafer!Lichter!Lecker! oder Die Küchenschlacht folgen. Parallel steht er seit 2004 auf der Bühne. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, u.a. »Alles in Butter« und »Die Lust am Kochen«. Seit 2009 ist er glücklich mit seiner Nada verheiratet.

Ein erfolgreicher Mann, der Horst Lichter – einer, der seinen holprigen Heimatweg verließ, um unter Tränen seinen eigenen Pfad zu trampeln und neu zu bepflanzen. Dafür hat er meinen Respekt.

Zum Buch

239 Seiten im Hardcover, Sachbuchformat, bestückt mit Fotos – von der Kindheit bis heute. Manche der Fotos sind ein bisschen ungünstig platziert und passen nicht immer zum Text. Und der wiederum will nicht zu der Biographie von Horst Lichter passen.
Warum? Es fehlt an Seele.

Markus Lanz versucht auf ähnlich lustige Art eines Horst Lichters durch dessen Leben zu führen. Leider passt der humoristische Stil nicht zu Herrn Lanz und auch nicht zu dieser Lebensgeschichte, die in sehr frühen Jahren von Höhen und Tiefen geprägt ist.
Manche Vergleiche (Zitate, Liedtexte etc.) hinken stark und passen nicht in die Chronologie. Und überhaupt: Eine Reihenfolge ist nur schwer zu erkennen. Hier wird gesprungen und gehopst, von einem Jahr zurück und zum nächsten vor, wie bei einer mündlichen Überlieferung, doch müsste es die Aufgabe des Wieder-Erzählers sein, die Erinnerungen dem richtigen Ablauf zuzuordnen.

Der oftmals flapsige Ton des Autors, schlimmer noch die stilistische Effekthascherei sind an manchen Stellen kaum zu ertragen, diese wiederholend kurzen Sätze erinnern an einen schlechten Krimi, nicht an die Lebensgeschichte eines Mannes, der die traurigen Kapitel seines Lebens mit Humor niederzulachen versucht.

Fazit 

Vielleicht sollte das Buch genauso werden. Dann ist es okay. Ich hätte mir mehr Seele, mehr Empathie gewünscht. Aber Meinungen sind unterschiedlich und das muss auch so sein.

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Horst Lichter / Markus Lanz
»Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott«
Gütersloher Verlagshaus, März 2009
Hardcover – vergriffen (gebraucht erhältlich)
ISBN 978-3-442-15547-7

Auch als Taschenbuch für € 9,95 und als Audio CD erhältlich

 

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