Rezension: »Sweet & Easy – Enie backt« von Enie van de Meijklokjes / Edition Fischer Verlag

© Cover: »Sweet & Easy - Enie backt« / EMF Verlag

© Cover: »Sweet & Easy – Enie backt« / EMF Verlag

Es gibt Koch- und Backbücher, die begeistern mich, solche aus denen ich mir nicht so viel Mehrwert ziehen kann und welche, die mit meinem Gusto, meinem Leben überhaupt nicht zusammenpassen. All das hatte ich schon. Doch ich habe mich noch nie von einem Backbuch veräppelt gefühlt. Irgendwann ist wohl immer das erste Mal.

Auch – und das möchte ich nicht unerwähnt lassen – Bücher, bei denen ich das Gefühl hatte die Bilder passen nicht exakt zum Rezept, hatte ich schon. Ich war aber naiv zu glauben, dass der Fehler am Rezept liegt und möglicherweise am Lektorat. Nicht jedoch, dass hier der Hobbybäcker auf den Arm genommen werden soll.
Aber der Reihe nach, denn wir sprechen nicht von irgendeinem Backbuch sondern von »Sweet & Easy – Enie backt« aus dem Verlag EMF (nicht, wie gewohnt aus dem Tre Torri Verlag).

Mein Vorgeplänkel zum Buch

Es erstaunte mich, dass parallel zur Veröffentlichung von Band 4 »Sweet & Easy – Enie backt – Meine neuen Backrezepte« (Tre Torri Verlag 2016) ein weiterer Band zur TV-Serie zum Thema Rezept zum Fest für das ganze Jahr in einem anderen Verlag erscheinen sollte. Aber Enie kann ihre Rezepte verkaufen an wen sie will. Und  die vertraglichen Interna zur TV-Serie auf Sixx sind mir auch nicht bekannt. Nun gut. Noch ein Enie – Buch. Ich freute mich. Leider nicht lange.

Zum Buch 

Keine 100 Seiten in festem Einband, 36 Rezepte mit Foto, am Ende ein kleines 1 x 1 der Zutaten. Die Rezepte sind nach Festen sortiert: Weihnachten, Ostern, Geburtstags- und Familienfeste, Feiertage und Partys.
Wie fast jedes Buch beginnt auch dieses mit einem Vorwort, das nicht nach Enie klingt, sondern nach bezahltem Content. Ich kann mich irren – ich will es auch. Aber hier wird weniger auf das Buch eingestimmt, sondern der Inhalt zusammengefasst. Da fehlt es an Persönlichkeit. Das gab es allerdings auch schon bei anderen Büchern. Leider.

Zimtschnecken

Zimtschnecken

Die Rezepte und ich

Wenn ich Enie-Bücher studiere, klebe ich auf fast jede Seite einen Zettel, der bedeutet: Backen. Als ich das Buch zuklappte, steckte nicht eine einzige Notiz darin. Ich begann also von vorne. Aber Rezepte und Fotos wirkten auf mich nicht stimmig. Tatsächlich hatte ich das Gefühl: Das passt nicht zusammen und Das kennst du schon. Nun dachte ich, die Rezepte hätten in einem anderen Enie-Buch gestanden und ausgerechnet in diesem Buch wurden genau all die Rezepte zusammengefasst, die nicht mein “Ding” sind oder zu meinen Vorräten nicht passten. Denkste.

Was habe ich daraus gebacken? 

Es fiel mir schwer, ein Rezept zu finden, da Zutaten und Rezeptanleitungen mit den Fotos nicht harmonierten. Schließlich entschied ich mich für die Zimtschnecken.
Ich liebe Zimtschnecken und habe dieses Hefegebäck auch schon in unterschiedlichen Variationen gebacken. Dieses Rezept war neu und – ich muss es leider noch mal erwähnen – wie auf dem Foto im Buch konnten die Schnecken nicht werden. Schon der Zucker auf dem Foto war kein Puderzucker, sondern Kristallzucker und die fünffache Windung funktioniert bei einem 10 cm breiten Streifen nicht, der von der langen Seite aufgerollt werden soll.
Auch der Teig wollte nicht gelingen, er war zu flüssig, sodass ich mehrfach Mehl hineinkneten musste, bis der Teig ausgerollt werden konnte. Ich fühlte mich bestätigt, doch glücklich machte mich das nicht.
Das Endergebnis war okay, die Zimtschnecken haben geschmeckt, allerdings auch nur am ersten Tag, am zweiten waren sie sehr trocken. Aber das ist bei Hefegebäck ja häufiger der Fall.

Zwei Bücher, ein Foto, Enttäuschungen und Fragen. Schade.

Zwei Bücher, ein Foto, Enttäuschungen und Fragen. Schade.

Der Faux-pas oder ein Backbuch das veräppelt ohne Apfelkuchenrezept

Der Zufall hatte hier seine Finger im Spiel. Denn vor einiger Zeit hatte ich mir ein Backbuch gekauft: »Liebesbisschen« von Laura Seebacher (GU-Verlag) liegt ebenfalls noch auf meinem To-Back-Stapel, ich hatte schon mehrfach darin geblättert.
Und Bäm! Ich erinnerte mich, wo ich eins der Bilder aus dem Enie-Buch gesehen hatte.
Auf S. 66/67 bereitet Laura Seebacher Cheescake-Zylinder Semifreddo zu, dazu vier Fotos von der Zubereitung und dem Endergebnis.
Auf S. 74/75 in »Sweet & Easy – Enie backt« (Edition Fischer Verlag) werden Halbgefrorene Cheescake-Zylinder gebacken. Und nun rate mal, welches Foto dort gezeigt wird? Exakt eins der Fotos von Laura Seebacher. Die Rezepte weichen allerdings voneinander ab.
Ein Blick ins Impressum am Ende des Buches zeigt mir, nicht ein einziges Foto wurde für »Sweet & Easy – Enie backt« neu angefertigt. Alle Fotos stammen von StockFood und wurden somit bereits in anderen Büchern oder Magazinen abgedruckt. Soweit, so schlecht.

Bittersaurer Nachgeschmack

Meine Priorität liegt auf Genuss mit guten Zutaten, nicht auf Foodstyling. Ich möchte authentische, ehrliche Rezepte. Es ist okay, wenn die silbernen Untersetzer nicht auf dem Foto zu sehen sind und auch die Streudeko, die den gesamten Kuchen versaut, kann weg. Dieser ganze Foodstyling-Chichi stößt mir sauer auf und zeigt mir anhand dieses Buches, dass die Prioritäten falsch gesetzt werden. Was nützt das schönste Foto, wenn am Ende die Familie hungrig ins Bett geht, weil der Braten über all den cineastischen Einstellungen kalt geworden ist? Was nützen all die hübsch dekorierten Torten, wenn sie nicht gegessen werden können und im Müll landen, weil die Deko abfärbt oder Allergien auslöst?
Vor allem aber schrecken diese übertrieben schicken Fotos ab, für die der Kuchen noch mal angepinselt und das Steak mit Glanz besprüht wird. Denn in der Realität sieht das Ergebnis anders aus. Na und?

Ich liebe kochen und backen, ich bin auch recht gut darin, glaube ich, aber ich lasse mich nicht mit Schick und Charme, mit Ausleuchtung und Pomp blenden.
Meine Fotos waren immer schon schlicht – fokussiert auf das Ergebnis: Kuchen, Keks, Salat & Co.
Und das wird auch so bleiben. Denn das Handwerk Kochen und Backen ist mir wichtig – nicht das Styling. Und das hatte mich bisher auch an Enie stets begeistert.

Nebenbei fürchte ich allerdings auch, dass StockFood speziell für die Fotografen eine weitere Einnahmequelle bedeutet – und das heißt auch wieder: die Bezahlung für Food-Fotografen ist schlecht.

Fazit – allgemein

Zukünftig werde ich zuerst einen Blick ins Impressum werfen, denn diese neu gewonnene  Erkenntnis schulde ich den Verlagen, die sich die Mühe machen, Fotos von den im Buch angegebenen Rezepten von einem Fotografen anfertigen zu lassen. Oder gibt es die gar nicht mehr? Oh, bitte nicht!

Fazit zu »Sweet & Easy – Enie backt« (EMF Verlag)

Hier steht Enie drauf, aber ich bin mir nicht sicher, ob Enie drin steckt.

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»Sweet & Easy – Enie backt«
Rezepte zum Fest für das ganze Jahr
EMF Verlag / Pro7Sat1Deutschland TV, Oktober 2016
96 Seiten
ISBN 978-3-86355-610-5
12,99 €

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Webtipps

 

© Cover: »Sweet & Easy – Enie backt« / EMF Verlag
Vielen Dank an den EMF Verlag!

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