Rezension: »Wie schmeckt trocken« von Markus del Monego / Süddeutsche Zeitung Edition

© Cover: »Wie schmeckt trocken« von Markus Del Monego / Süddeutsche Zeitung Edition

© Cover: »Wie schmeckt trocken« von Markus Del Monego / Süddeutsche Zeitung Edition

Der 1966 in Basel geborene Markus Del Monego wurde 1998 als erster (und bisher einziger) Deutscher zum Weltmeister der Sommeliers gekürt. 2003 trug sein vielfaches Weinwissen dazu bei, dass er den Titel »Master of Wine« errang.

Sein Leben dreht sich um den Wein – beruflich und privat. 1997 gründete er die Firmen tasteTainment  und caveCo in Essen. Seit 2008 arbeitet er als Sachverständiger für Bewertung von Weinen (IHK Essen).
Seit 2010 berät er die Süddeutsche Zeitung bei der Weinauswahl in der Vinothek und gibt Weintipps.

Er hat bereits einige Bücher geschrieben oder daran als Co-Autor mitgewirkt.
In seinem neuesten Buch stellt er die Frage »Wie schmeckt trocken?«.

Zum Buch

176 Seiten, verpackt in einem festen Einband, ein Lesebändchen in rot – soweit, so nett.
In Weinrot gehaltene Zeichnungen und zahlreiche fingierte Weinflecke schmücken die Seiten. Ein langes Verzeichnis befindet sich zu Beginn des Buches, das den Inhalt in drei Kategorien aufteilt: Wein erleben, Wein erklären, Wein kennen. Dahinter verstecken sich 53 kurze Geschichten, thematisch unsortiert.

Der Klappentext verspricht amüsante Anekdoten.

Kaum jemand erzählt humorvoller und anregender von den großen und kleinen Weingeschichten, die einen guten Tropfen erst richtig zum Genuss machen. […]
Ein Buch wie ein frischer Vinho Verde – prickelnd, phantasievoll und absolut unterhaltsam. (Zitat Klappentext)

Meine Meinung

Anekdoten sind kleine Geschichten – mit irgendwem, über irgendwas, im irgendwo, aus irgendwann: Eigene Erlebnisse, historische Ereignisse und Persönlichkeiten, Wissenswertes. All das findet sich auch in Markus Del Monegos Buch.

Mal geht es um die Geschichte des Weins – kurz angerissen, dann um Aromen, später welche Experimente in Kombination mit Wein gewagt werden sollen (Schokolade), dann reisen wir wieder in die Vergangenheit.

Mein Tipp für Zwischendurch:

Ich sage nur Schokolade. Unbedingt. Ein Glas Rotwein, kein leichtes Tröpfchen, es darf schon etwas schwerer sein, wie z.B. ein Shiraz aus Australien oder ein würziger Spätburgunder von der Ahr. Dann ein Stück Schokolade, am besten dunkle Pralinen, die auf der Zunge schmelzen, dazu ein Schluck Rotwein – und du bist im Himmel der Genüsse.

Markus Del Monego publiziert sein über die Jahre hinweg erworbenes Wissen, doch das Buch wirkt wie der Zusammenschluss von einzelnen Blogartikeln. Und ja, am Ende würde ich dem Klappentext teilweise zustimmen: Anekdoten – ja. Amüsant – nicht so sehr.

Manchmal fehlt es an der Vollständigkeit. Obwohl ich in Geschichte nie gut war, so erinnere ich mich daran, dass die alten Herrschaften mit ihren Weinkelchen auch deshalb angestoßen haben, damit der Wein des jeweils anderen in den eigenen Kelch schwappt – eine Maßnahme gegen Vergiftung. Markus Del Monego weiß bereits auf den ersten Seiten noch einige Rituale mehr, aber genau diese fehlt. Das führt dazu, dass ich mein Wissen infrage stelle (gut, das ist mein Problem), aber mich auch nicht ausreichend informiert fühle.

Nun soll dieses Buch keine Enzyklopädie und auch keine Chronologie darstellen, sondern Weinwissen unterhaltsam vermitteln.

Leider treffen die Anekdoten nicht meinen Amüsement-Pegel. Zeitweise bin ich gelangweilt und stelle mir eine große Runde vor, die bei der ein oder anderen Geschichte verhalten lacht, um den Erzähler nicht zu brüskieren. Ich möchte das auch nicht.
Doch vielleicht trägt er die Anekdoten lustig, mit viel Witz und Esprit vor. Das könnte amüsant werden – vielleicht.

Die Titelfrage beantwortet Markus Del Monego auf S. 172 mit einer kurzen Geschichte über seinen Großvater.

Aber wie schmeckt denn nun trocken?

Markus Del Monego erklärt: Trocken bezieht sich keinesfalls auf die Konsistenz des Weins, sondern auf den Effekt, der beim Weintrinken entsteht. Dabei haben Weine ohne oder mit sehr wenig Süße einen austrocknenden, teilweise auch adstringierenden Einfluss auf die Schleimhaut im Mund. (Zitat, S. 172)

Meine Erfahrung mit trockenem Wein klingt so: Wenn ein Kunde zu mir in den Weinladen kommt und sagt, er möchte bitte einen trockenen Wein, dann höre ich erst einmal nach oder lass ihn einen Wein probieren, damit ich heraus finde, was er oder sie unter “trocken” versteht.
Beim Weißwein meint der Kunde häufig einen Wein mit wenig Restsüße, also geringem Zuckergehalt. Doch obwohl der Wein kaum Zucker enthält, darf und kann er noch fruchtig schmecken.
Möchte der Kunde einen trockenen Rotwein, meint er meistens nicht den Restzucker, sondern die Tannine, die bei Rotwein die Mundschleimhaut mit Schmirgelpapier auskleiden. Dann darf der Wein durchaus trocken sein – also mit weniger Restsüße -, muss aber sanfte Tannine haben.

FAZIT

Das über Jahrzehnte erlangte Weinwissen, komprimiert auf 176 DIN A5 Seiten – dabei musste etwas schief gehen, und so scheinen manche Themen gekürzt und unsortiert. Vielleicht wäre weniger in einem Buch mehr gewesen, dafür dann aber eine kleine Serie zum Thema Wein & Co.?
Aber wie das so ist – bei Wein und bei Büchern – die Geschmäcker sind verschieden.
»Wie schmeckt trocken?« – Antwort: In diesem Fall ein bisschen fad.

Zu lesen – in abendlichen Häppchen – mit einem Glas Wein

Markus Del Monego
»Wie schmeckt trocken?«
Süddeutsche Zeitung Edition, 10/2016
Hardcover, 176 Seiten
14,90 €

 

Webtipps

 

© Cover: »Wie schmeckt trocken« von Markus Del Monego / Süddeutsche Zeitung Edition

Vielen Dank an Becker PR und die Süddeutsche Zeitung Edition für die Zusendung des kostenlosen Rezensionsexemplars.

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