Gelesen: »Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis« von L. Brakebusch & A. Heufelder / Zuckschwerdt Verlag

© Cover: »Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis« von L. Brakebusch & A. Heufelder / Zuckschwerdt Verlag

© Cover: »Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis« von L. Brakebusch & A. Heufelder / Zuckschwerdt Verlag

Als ich das Vorwort las, musste ich mir das Weinen verkneifen. Im Laufe der Lektüre habe ich den Tränen freien Lauf gelassen. Das war sicherlich nicht die Absicht der Autoren, und ich weiß auch noch nicht, ob ich dankbar über die Erkenntnis sein soll, die ich aus diesem Buch gezogen habe. Aber ich fühle mich das erste Mal, seit sehr langer Zeit, verstanden.

Zu den Autoren

Dr. med. Leveke Brakebsuch gründete im Jahre 2001 das erste Internetportal für Menschen, die an Hashimoto Thyreoiditis oder Morbus Basedow erkrankt sind. Nicht allein als Ärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, sondern auch als Betroffene schöpft sie aus einem breiten Wissen und verknüpft dieses mit persönlicher Erfahrung. Eine bessere Hilfe kann es kaum geben.

Ihr Co-Autor Prof. Dr. med Armin Heufelder ergänzt mit Fachwissen und bietet ein großes Spektrum an medizinischer Erfahrung. Er arbeitet als Internist, mit Schwerpunkt Endokrinologie, Diabetologie und Rheumatologie.

Zum Buch

Der Ratgeber aus dem Zuckschwerdt Verlag erschien 2016 in der 7. überarbeiteten Auflage. 215 Seiten im Taschenbuchformat, prall gefüllt mit Informationen, Tipps, Erfahrungsberichten und Anregungen.

Das Inhaltsverzeichnis erstreckt sich über sieben Seiten und zeigt die Komplexität des Themas. Wer nur eine spezielle Frage beantwortet haben möchte, wie zum Beispiel: »Darf ich Blut spenden?«, der findet schnell eine Antwort – in diesem Fall auf Seite 19.

Ich fange beim Vorwort an, überspringe lediglich das Kapitel über Hashimoto und Schwangerschaft – das Thema ist bei mir durch – und ende auf Seite 211 mit Berichten von Betroffenen.

In der Einleitung wird die Bedeutung von Hashimoto Thyreoiditis erläutert. Die Autoren gehen auf die verschiedenen Formen, Heilungschancen oder Krankheitsverläufe ein, stellen Untersuchungsformen und Normwerte vor.
Es folgen Tipps zum Leben mit Hashimoto Thyreoiditis. Symptome der Überfunktion, der Unterfunktion und der Immunkrankheit werden tabellarisch aufgelistet, seltenere Fälle schriftlich erklärt. Zusätzlich gibt es einzelne Kapitel zu den Themen Hormone, Psyche und Augenerkrankungen. Therapiemöglichkeiten, Ernährungstipps (nur kurz angerissen) und das bereits erwähnte Thema Schwangerschaft unterstützen den Hashimoto Thyreoiditis-Patienten in seinem Anliegen, mit der Krankheit besser umgehen zu können.

Fazit in Etappen

Fehlt was?

Das Thema ist komplex und muss noch weiter erforscht werden. Der Ratgeber bietet mehr als einen Überblick. Heilung vermittelt er nicht. Im Gegenteil wird klar, dass ich mich selbst um vieles kümmern muss: Psyche, Ernährung, qualifizierte Ärzte. Und wenn mal wieder ein „Wehwehchen“ auftaucht, muss ich mutig genug sein, meinem Arzt zu sagen, dass ich eine Abklärung wünsche, denn nicht immer ist die Schilddrüse schuld.  Ich gebe zu, das ist schwer.

Hier wären sicherlich auch Partner und Familie gefragt, den Hashimoto Thyreoiditis-Patienten an die Hand zu nehmen und zu unterstützen. Nur reden muss der Patient – ja, ich – dann auch. Aber wer redet schon gerne nur über seine „Wehwehchen“?

Erfahrung: Lieber Hatschi als Hashi?! 

Selten reißt mich ein Sachbuch emotional mit.
Doch ich habe beim Lesen gemerkt, dass meine „Wehwehchen“ keine Spinnereien sind, sondern durch die Hashimoto Thyreoiditis ausgelöst wurden. Das ist eine Erleichterung, auf der einen Seite. Zu viele der aufgeführten Symptome habe ich wiedererkannt. Selbst die vom Kardiologen vor Jahren diagnostizierte Mitralklappeninsuffizienz hängt –  S. 44 – mit Hashimoto Thyreoiditis zusammen. Ich habe meine Ahnung bestätigt bekommen, dass meine schubartig wiederkehrenden Nackenschmerzen und das „nächtliche Einschlafen der Hände“ nur weitere Symptome sind, sowie viele andere aufgeführte Symptome, die mein Hashimoto Thyreoiditis für mich parat hält. Besten Dank auch.
Ich habe festgestellt, dass ein »Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis« mich weiterhin vor schwierige, immer wiederkehrende Aufgaben stellen wird.

Zettelwirtschaft als Erinnerung

Zettelwirtschaft als Erinnerung

Was habe ich gelernt?

Dieses Buch hat mir Mut und Kraft gegeben, wieder mehr auf meinen Körper zu hören und nicht alles mit „Stell dich nicht so an!“ vom Tisch zu werfen.
Vor einem Jahr habe ich ein Dokument mit meinen Beschwerden erstellt – für den nächsten Arztbesuch. Abgegeben habe ich das Skript nie. Das wird sich ändern.

Im Buch habe ich mir wichtige Stellen mit Zetteln markiert und Notizen gemacht. Auf der ersten Seite klebt ein Post-it mit Vitaminen, die ich zusätzlich einnehme. Vitamine, die mir in bestimmten Situationen schon geholfen haben. Dieser Zettel soll eine Erinnerung sein, wenn sich mal wieder die Routine einschleicht und ich die Einnahme vergesse.
Doch im Grunde weiß ich, Selen, Zink, Magnesium und Vitamin D (im Winter) unterstützen mein Wohlbefinden. Vitamin B 12 und Eisen sind für mich ab und an sinnvoll.

Ich werde das Buch zu jedem Arztbesuch mitnehmen und dem Arzt vorlegen, als Erinnerungsstütze für mich und Info für den Arzt. Obwohl die Angst vorhanden ist, dass der Arzt meine Beschwerden nicht mehr ernst nimmt, wenn ich ihm sage, dass ich Hashimoto Thyreoiditis habe. Aber dann kann ich ja gehen. (Hab MUT!)

Für wen ist das Buch?

Für alle, die an Hashimoto Thyreoiditis erkrankt sind. Für alle, die einen Menschen lieben, der an Hashimoto Thyreoiditis erkrankt ist. Und für Ärzte jeglicher medizinischer Richtung.

Abschlussworte

Dieses Buch ist über mich. In jedem Kapitel habe ich mich wiedergefunden, alles konnte ich nachvollziehen. Ich bin traurig, beruhigt, entsetzt. Ich wollte mich nie von der Schilddrüse und Hashimoto regieren lassen, doch nach dieser Lektüre weiß ich, das ist längst geschehen. Mein Körper reagiert, und er hat mich vorher nicht mal gefragt.

In jedem Fall kann ich jedem, der an Hashimoto Thyreoiditis erkrankt ist, dieses Buch an sein (möglicherweise mitralklappeninsuffizientes Herz) legen. Dieses Buch macht deutlich, ohne Schnörkel. Es klärt auf, ohne komplizierte Begriffe. Es macht Mut, die Beschwerden neu anzugehen und hilft immer dann, wenn sich Lethargie einschleicht, weil es ja eh nicht zu ändern ist.
Doch: Besser geht immer!

L. Brakebusch, A. Heufelder
Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis
Zuckschwerdt Verlag, 2016
Ein Ratgeber, 7. Auflage
228 S., 8 Abb., 41 Tab.
ISBN: 978-3-86371-196-2
Preis 14,95 €

Auch als ebook für 12,99 € erhältlich.

 

Webtipps

 

© Cover: »Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis« von L. Brakebusch & A. Heufelder / Zuckschwerdt Verlag

Aus meinem eigenen Buchbestand.

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