CaptainCork – Verkostung: Pinot Noir 2015 Domaines Tatin

CaptainCork lädt zur Verkostung ein

CaptainCork lädt zur Verkostung ein

Letzte Aktualisierung: 26.06.2017

CaptainCork ist ein Wein-Portal mit frecher Schnauze und selbst aufgestellten Thesen, die zusammengefasst aussagen, dass wir guten Wein trinken und auch darüber reden sollen, ohne Scheu vor den großen Magazinen und Sommeliers, die nur noch in Weinsprache kommunizieren. Das finde ich auch. Darum mache ich das hier, unter anderem. 

Marcus Johst ging 2008/9 als erster an Bord, mit ihm ein kleines Team. 
2013 erschien das gleichnamige Buch »CaptainCork« (Hallwag Verlag). 2015 fand ein interner Kapitäns-Wechsel statt. Marcus Johst ist noch da. 

Als Newsletter-Abonnent gewann ich erst vor Kurzem eine Magnum-Flasche Ramon-Bilbao Crianza 2012. 

Nun riefen der Captain und die Sommelière Christine Balais zu einer “Leserverkostung” auf, mit der sie die Region Centre-Loire (Frankreich) bekannter machen möchten. 
Leserverkostung. Als Leser lass ich mich nicht gerne verkosten ;-), aber den Wein, den es dazu geben sollte, den würde ich schon gerne probieren. 

Zitat aus “CaptainCork – Das ultimative andere Weinbuch” (S. 124): “Weine von der Loire sind unterschätzt und im Handel unterpräsentiert. nicht blondiert, sondern kultiviert.”

Denn: Wer Lust habe, könne sich bewerben, hieß es. Ich hatte Lust. Solche Verkostungen finde ich großartig. Hier habe ich die Möglichkeit, Weine zu probieren, die ich mir normalerweise nicht kaufen würde. 
Per Flaschenpost trudelte mein Probierwein ein.  

Domaines Tatin Reuilly Pinot Noir Cuvée Pé’Miniau 2015

Die Trauben für diese Pinot Noir Cuvée stammen aus der Gegend rund um Reuilly, einem kleinen Örtchen der Region Centre-Val de Loire, circa siebzig Kilometer von der Loire entfernt. In der Nähe finden sich die Appellationen Pouilly-Fumé und Sancerre.

Die Rebstöcke wurzeln in einem Boden, der hauptsächlich aus rot-orangefarbenem Sand besteht, heißt es auf der Webseite des Weingutes.

Für den Wein vermählte der Önologe gepresste Trauben mit Vorlaufmost (free run juice). Der Ausbau erfolgte über neun Monate im Eichenfass.

Die Jahrgänge 2012 und 2014 gewannen verschiedene Preise.  
 
Auf dem Etikett wird Alexis Miniau in seiner traditionellen Tracht von 1922 abgebildet. Alexis Miniau lebte von 1852 – 1936 und setzte die ersten Rebstöcke der La Commederie. In der sechsten Generation betreibt die Familie das Weingut. Heute sind es die Tatins, früher hießen sie Bugeons oder die oben erwähnten Miniaus. 

 
Wie schmeckt er denn nun – der Wein?

Ich rieche nur sehr selten am Korken, diesmal habe ich jedoch kurz daran geschnüffelt, weil beim Öffnen der Flasche kein Geist, sondern ein Geruch entwich – ein guter. Der Korken hatte diesen Geruch absorbiert und roch nach hochdosiertem Cassissaft. 

1. Tag – 19.30 h

Farbe: Rubinrot mit hellem Rand, keine Schlieren

In der Nase: Zuerst ein leichter Geruch von Champignon, wie ich ihn schon öfters bei Pinot Noir gerochen habe. Der Geruch verfliegt aber, wenn der Wein mehr Luft bekommt. So auch hier. 
Danach bleibt er sehr verschlossen. Dezente Noten von vielleicht Schokolade, Cassis und Kirsche.

Im Mund: Alkohol und Tannine sind sehr deutlich zu schmecken. Ich habe den Geschmack von bitteren Traubenkernen im Mund, ein dünner Pelz bezieht meine Mundschleimhaut. 

Meine Begeisterung hält sich noch in Grenzen. Nach mehreren Schlucken schmeckt der Wein deutlich besser. Nein, das liegt nicht am steigenden Alkoholpegel, denn es bleibt genug in der Flasche für einen Testtrunk am zweiten und dritten Tag. 

 2. Tag – 19.30 h

In der Nase: Dezente Würze, Nelken, wenig Frucht, Holz. 

Im Mund: Die Tannine sind etwas sanfter, aber noch deutlich schmeckbar. Es bleibt der Geschmack von Würze und deutlichen Aromen der Traubenstengel /-kerne. An diesem 2. Tag ist der Wein harmonischer, aber mit Ecken und Kanten. 

Das gewünschte Beweisfoto #FrischesCentreLoire

Das gewünschte Beweisfoto #FrischesCentreLoire

3. Tag, 8.30 h – siehe Beweisfoto

Das wird der letzte Tag, dann ist die Flasche leer. Allerdings habe ich morgens früh einmal kurz verkostet, dann noch einmal am Abend. Ich war neugierig, wie sich der Wein über die Zeit – mit Luft – entwickelt hatte. Und morgens früh sollen Geruchssinn und Geschmacksknospen ja sensibler sein. 

In der Nase: Nach wie vor dezente Aromen. Ich frage mich, ob meine Nase kaputt ist. Und bekämpfe einen Anflug von Panik.

Im Mund: Die Luft hat dem Wein Samtigkeit verliehen, der Pelz bleib, ist aber dezenter, Aromen von Rosinen, Kirsche und einen Hauch Sherry sind schmeckbar. Das Holz ist nun im Hintergrund. 

Tag 3, 20.15 h – früher Spielfilmzeit, heute das Ende dieser Verkostung

Abschließend, in der Nase: Dezente Noten von Kirsch, Wacholder, Himbeere, Cherry Cola, Cassis. 

Im Mund: Tannine sind nach wie vor da und belegen die Mundschleimhaut, wenn auch nicht mehr so wie am ersten Abend, bleibt aber länger im Mund. 

Fazit

Ich würde meinen, dieser Wein sollte vorher dekantiert werden, vielleicht sogar doppeltdekantiert (mit einem Trichter in eine leere Flasche schütten und wieder zurück).

Zu einem kräftigen Essen passt dieser Pinot Noir gut, perfekt für die Grill-Saison. Zu Verfeinerung eines Desserts ist dieser Rotwein eher ungeeignet.

Auf jeden Fall habe ich wieder was gelernt. Vielen Dank dafür an CaptainCork und Christine Balais. 

 

CaptainCork und Reuilly Pinot Noir 2015

CaptainCork und Reuilly Pinot Noir 2015

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Letzte Aktualisierung: 26.06.2017

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