Messebericht: VICAMPO weinverliebt, März 2018

Spätburgunder vom Weingut Huff-Doll

Spätburgunder vom Weingut Huff-Doll

Meine erste Weinmesse. Natürlich in Düsseldorf, also quasi ums Eck. Das passte mir gut.  Organisiert wurde die Messe von VICAMPO, eine Online-Verkaufsplattform die nur eins anbieten: Weine direkt vom Weingut. Das bedeutet, wer über die Webseite von VICAMPO bestellt, erhält seinen Wein nicht vom Händler, sondern vom Hersteller persönlich. 
VICAMPO ist also quasi ein großer Online-Winzerzusammenschluss und bietet somit auch kleineren Weingütern die Chance ihre Weine online zu vermarkten. 

Shopbestellungen: Kleiner Nachteil – gar nicht so schlimm

Erst ab 12 Flaschen gibt es Gratisversand, diese 12 Flaschen müssen von einem Versender, also einem einzigen Weingut sein. Darunter beträgt der Versand 4,90 € allerdings auch nicht pro Bestellung, sondern pro Weingut.

Das klingt jetzt erst mal kompliziert. Ist es aber nicht. Ich habe schon bei VICAMPO bestellt, bevor ich von der Messe wusste und bin durchaus zurecht gekommen. 

Und wenn wir mal ehrlich sind, auch amazon ist eine Plattform für viele Anbieter. Wer dort gleichzeitig zehn Sachen kauft, kann durchaus mehrfach Porto bezahlen, weil er bei verschiedenen Händlern bestellt. 

Außerdem: VICAMPO bietet Pakete mit Weinen von unterschiedlichen Weingütern an, sodass eine Verkostung möglich ist. Danach kann immer noch eine Großbestellung aufgegeben werden – portofrei. 

Messe – Vorbereitungen

Über Facebook wurde ich auf die Messe aufmerksam. Auf der Webseite fand ich dazu keinen Link. Hier könnte VICAMPO nachbessern und in der Navigation einen Reiter “Veranstaltungen” einfügen und die Veranstaltungen bewerben, mit Verlinkungen zu den einzelnen Weingütern und zum Kartenvorverkauf. Das wirkt auf den Kunden informativ und authentisch, außerdem macht sich das auch gut für die Suchmaschinenoptimierung. Soweit mein Klugscheißerhinweis. 

Broschüren Vicampo 2018

In weiser Umnachtung habe ich für Sonntag Karten im Vorverkauf ergattert. Eigentlich wollte ich drei, doch ich konnte nur noch zwei bestellen. Schnell wurde klar, dass die Messe ausverkauft ist. Karten im Vorverkauf gab es keine mehr, weder für Samstag noch für Sonntag. Und auch an der Kasse sollte es nur noch wenige Karten geben. Glück gehabt. 

Auf zur Messe

Sonntagmorgen, gut frühstücken und ab nach Düsseldorf in die Classic Remise. Wer Oldtimer mag, sollte hier mal einen Besuch einplanen, denn da stehen eine Menge alter Schätzchen zum Bestaunen und Anfassen (Vorsichtig natürlich!). Wir sind einmal quer durch die Oldtimerhalle gegangen, um zur Weinmesse zu kommen.

Die Jacken hatten wir im Auto gelassen. Beim Einlass gab es einen Stempel auf die Hand.
Als Orientierung erhielten wir eine Broschüre mit Lageplan. Die Weingüter waren nach Region aufgeführt und auch aufgebaut. Die am Stand zu verköstigenden Weine waren in dem kleinen Heft mit Preisen und Rabatt vermerkt. Das Merken-Fenster war für ein X zu groß, für BEmerkungen leider zu klein, so musste ich meine Notizen irgendwo dazwischen quetschen.

5,- € als Pfand pro Glas fand ich okay, denn die gab es ja am Ende auch wieder zurück. Und zwischendurch konnten wir uns auch mal frische Gläser holen.

Der Rundgang

25 Weingüter aus Deutschland stellten ihre Produkte vor.
Dazu präsentierten Mitarbeiter von VICAMPO, die hauseigenen Highlights, darunter auch Weine aus Italien, Frankreich oder Übersee.

Wir begannen bei Stand 1 – dem Weingut Querbach, das mit besonderen Highlights aufwartete. Peter Querbach gibt seine Weine erst dann in den Verkauf, wenn er meint, sie seien auch trinkfertig. So verköstigten wir zu Beginn einen Riesling von 2008, dann von 2002 (!) und später eine Spätlese von 1994. Alle Rieslinge haben uns überzeugt, nur der Pinot Noir war einen Hauch zu pfeffrig. Aber das ist Geschmacksache.

Wir probierten weiter an Stand 2 bis wir bei Stand 25 angekommen waren – nur Weißweine, bevorzugt Riesling, Chardonnay, Weißburgunder und Sauvignon blanc. Aber längst nicht alle, die angeboten wurden. Dann gingen wir zurück, um die Rotweine zu verkosten.
Zu Beginn hatten die anwesenden Winzer deutlich mehr Zeit für ein Gespräch und ich konnte ein bisschen mehr über den ein oder anderen Wein bzw. den jeweiligen Winzer erfahren. Denn die Gespräche sind es, die eine Messe ausmachen.

Im Laufe des Tages füllte sich die Halle und an den Ständen drängten sich die Weinbegeisterten, um ihren Verkostungsschluck zu erhalten.

Kurz vorgestellt, stellvertretend für 25 Stände

Ich habe ein interessantes Gespräch mit Stefan Bieber von Biebers Weinkultur (Stand 4) aus dem Rheingau geführt. Ein netter Typ mit einem Herzen, das für gute Weine und feine Rieslinge schlägt. Einige seiner Weine stehen auf meiner nächsten Bestellliste.

Das Weingut von Othegraven (Stand 16) hatte den einzigen Promi-Bonus. Wer es noch nicht weiß, das Weingut gehört Günther Jauch. Er hat das Weingut aber nicht gekauft, weil das im Moment Trend ist, sondern weil das Weingut an der Mosel seiner Familie gehörte.
Leider waren alle Weine feinherb bis süß, abgesehen vom Riesling Max – und den kannte ich schon.

Kilian Moritz vom Weingut Schneiders-Moritz

Kilian Moritz vom Weingut Schneiders-Moritz

Natürlich bin ich bei Kilian Moritz vom Weingut Schneiders-Moritz (Stand 18) an der Mosel vorbei. Er hat in der Vergangenheit einen sehr spritzigen und fruchtigen Riesling für Jacques Weindepot kreiert. Seine Weine haben nicht (immer) den typischen Mosel-Charakter und darum finde ich sie außergewöhnlich gut. Wir haben Interna ausgetauscht.

Die Damen aus Württemberg vom Weingut Gaufer (Stand 24) und Gebrüder Geiger Junior (Stand 25) waren supernett. Und das, obwohl ich beim Weingut Gaufer einen Teil meines Weins durch die Gegend spuckte. Schuld war mein Mann, der einen Witz riss, den dummerweise nur wir verstanden. Peinlich! Sie hat es mit Humor genommen! Schade war es auch um den guten Tropfen. Der Vorteil: Ich werde mich noch lange daran erinnern. Der Nachteil: Frau Gaufer vermutlich auch.

Am Ende bei wem was bestellen?

Da standen wir nun vor der Qual der Wahl und wollten uns für EIN Weingut entscheiden. Unsere Wahl fiel auf die Nummer 1. Warum? Ich wollte die jahrgangsälteren Weine noch einmal in Ruhe zuhause verkosten.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die anderen Weine schlechter gewesen wären – das war absolut nicht der Fall. Im Gegenteil, wir haben tolle Weine verkostet und dazu interessante Gespräche geführt.
Ich habe einige Kreuzchen gemacht und noch mehr Notizen. Viele dieser Weine werde ich somit später im Shop nachbestellen. Denn im Moment ist der Weinschrank gut gefüllt.

Die Bestellung ist allerdings noch nicht da.

Kritik? – Nur wenig!

Obwohl an fast jedem Tisch kleine Spucknäpfe und auch im Raum größere Säulen aufgebaut waren, wurde es im Laufe des Tages darum sehr voll. Manchmal musste ich mich durch einen Pulk Menschen kämpfen, um meinen Wein niemanden vor die Füße zu spucken.

Es gab zwei Essens-Stände. Ich fand das ausreichend, aber es fehlte an Sitz- bzw. Stehtischmöglichkeiten. Und der Essensgeruch harmonierte nicht immer mit dem Geruch im Glas. Das ist sicherlich ein Problem, das nur schwer zu beheben ist.

Wein  – nur was für Männer?!

Was mir auffiel, übrigens nicht zum ersten Mal: Manch einer wusste von einem zum anderen zu schauen, aber viele Gesprächsteilnehmer sprachen eher zu meinem Mann, als zu mir. Obwohl ich der “Fachbesucher” war. Hier, liebe Herren, müsst ihr nachbessern. Ich lache darüber und sehe darin nicht mein Defizit, aber andere Damen vom Fach könnten vielleicht enttäuscht sein.  Zu Recht.

Fazit

Die VICAMPO weinverliebt – Messe war und ist eine tolle Gelegenheit, um mit deutschen Winzern ins Gespräch zu kommen und interessante Weine zu entdecken.
Ein Besuch wert.

Tipp: Karten immer im Vorverkauf bestellen.

Nächster Halt: ProWein

Nach dieser kleineren Messe mit ausschließlich deutschen Winzern, folgt nun die ProWein vom 18. bis 20. März 2018, bei der ich dieses Mal auch dabei sein werde. Und natürlich werde ich darüber berichten, falls ich bei mehr als 6615 Anbietern, knapp 60.000 Besuchern und über 1.000 Journalisten nicht verloren gehe. Ich bin gespannt.

(Mein Besuch und somit ein Bericht fällt leider aus gesundheitlichen Gründen aus. :-()

 

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Letzte Aktualisierung: 15.03.2018

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