Was mache ich, wenn? Oder warum ich jetzt wieder Telefonnummern auswendig lerne.

Heute mal ein kleiner Schwank aus meinem Alltag. Gestern begann mein Tag so:

Am frühen Morgen schellte es an der Tür. Ich war gerade aus der Dusche raus, hatte mir ein Kleid übergeworfen (ohne Taschen, das ist wichtig für den späteren Verlauf dieser kleinen Abenteuergeschichte), die Haare nass. Die Spedition brachte die nächste Lieferung Fliesen. Nein, keine Neubestellung, sondern eine Reklamation, da die Lieferung davor zerbrochen war. Auch diese war wieder nicht in Ordnung, 🤨 aber das ist ein anderes Thema.

Es schellte also. Kurzes Pläuschchen mit dem Fahrer über die schlechte Verpackung gehalten – wir kennen uns zwischenzeitlich. Ich nahm den Lieferschein entgegen, auf dem er die fehlerhafte Ware notiert hatte, verabschiedete mich und brachte den Schein in die Wohnung. Zusammen mit dem Schlüssel legte ich ihn auf den Schreibtisch. Zum Tragen brauchte ich die Hände, logisch.
Zurück vor die Haustür. Die Sonne schien heiß.
Trotzdem Fliesen abpacken, es sind ja diesmal nur ein paar Pakete. Die Tür fiel zu. Ich dachte, macht nichts, Sohn ist zuhause, nahm das erste Paket, brachte es in die Abstellkammer. Sohn stand im Flur hinter mir und fragte mich, was ich da mache. Wir schleppten das nächste Paket zusammen – es war schwer, es war heiß, kein Frühstück, kein Kaffee. Es war noch früh.

Wir legten das Paket in die Abstellkammer. Achtung. Füße – vor allem mein linker – aber das ist auch ein anderes Thema. 😫

Wir standen im Flur. Ich schaute meinen Sohn an, schaute zur Tür. “Hast du eigentlich einen Schlüssel mit?”

Er: “Nein.”

Ich: “Handy.”

Er: “Nein.” (Wie gesagt… Frühstück, Kaffee fehlte noch, war in der Mache, dafür liegt das Handy auf der Küche und spielt Musik.

Ich: “Scheiße.”

Er: “Oh, Nein.”

Ich: “Ich packe den Rest alleine ab, lauf zu Nero (das große Kind) und hol den Schlüssel.

Sohn kam nicht wieder. War das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen. Endlich, da bog er um die Ecke.

Das große Kind war nicht zuhause. Keine Schlüssel.

Wen rufe ich jetzt an?

Die Handynummern wusste ich alle nicht mehr auswendig (ist das nicht schlimm?) Aber die Nummer meiner Eltern kannte ich, die haben die Handynummer des großen Kindes und können es informieren.

Beim Nachbarn geschellt, um zu telefonieren. Der öffnete nicht.

Super.

Beim anderen Nachbarn geschellt, nicht da.

Zum Bäcker gelaufen. Telefoniert. Eltern gehen nicht ans Telefon. Wunderbar! Läuft alles prächtig.

Nochmal beim großen Kind vorbeigelaufen. Meine Haare sind längst trocken. Meine Füße schmerzen. Ich habe überraschenderweise keinen Hunger, aber Durst.

Sturm geschellt, keiner öffnet. Zurück nach Hause. In der Zeit hat der Sohn noch mal beim Nachbarn geschellt. Endlich. Doch er hatte auch kein Glück bei Oma und Opa. Immerhin konnten wir in den Hausflur, in den Garten.

Trotzdem, wir saßen fest. Die Hunde bellten.

Und der Kater, der Türen öffnen konnte, lag beim Sohn im Zimmer – und die Tür war zu mit einer hochgestellten Klinke, damit der Kater die Türe nachts nicht öffnete. Er konnte uns also auch nicht helfen.

Diesmal zum Friseur gelaufen, denn ich brauchte Telefon plus Internet. Mein Gehirn arbeitete nicht richtig – Durst, Koffeinentzug, Hitze. Nummer nachgesehen. Telefoniert.

Ehemann im Büro angerufen, der daraufhin das große Kind informierte.

Das eilte in Windeseile zu uns (und das bei Windstille). Allerdings befand es sich ca. zwanzig Minuten Fußweg entfernt. All das wussten wir natürlich nicht, denn wir waren ja nicht erreichbar und mein Gatte konnte mich nicht zurückrufen. – Telefon drin, Handys drin. Wir draußen.

Warten auf unbestimmte Zeit. Ich überlegte bereits, ob wir beim Bäcker um Frühstück bitten sollten – bezahlt hätte ich dann später. Man kennt sich ja. Wir warteten noch.

Ich wässerte den Garten – Wasser in der Abstellkammer ist goldwert. Dann fischte ich die Post aus dem Briefkasten – wie ein Verbrecher. Und drehte ein bisschen Däumchen.

Endlich kam es, das große Kind, schüttelte den Kopf über uns und befreite uns aus der misslichen Lage.

Nun Kaffee und Frühstück zusammen – das war nötig.
Beinahe zwei Stunden später als gewöhnlich.

Danke an unseren Nachbarn, die Bäckerei Steinbrink, die Damen von Friseur Erber und natürlich an Nero – das große Kind.

Die Lehre aus dieser kleinen Geschichte: Nicht aufs Bild klicken, sondern die Telefonnummern eintippen, so wie früher, damit die Nummer im Kopf bleibt.
Und: Schlüssel nicht vergessen!

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