Von alten Büchern und alten Bräuchen: »Julklapp – Illustrierte Deutsche Weihnachtsausgabe 1912«

»Julklapp - Illustrierte Deutsche Weihnachtsausgabe 1912«

»Julklapp – Illustrierte Deutsche Weihnachtsausgabe 1912«

[Aus meinem eigenen Bestand.]

Diese Ausgabe habe ich in irgendeiner alten Kiste auf einem Trödelmarkt gefunden. Sie ist ziemlich mitgenommen, aber sie sollte trotzdem nicht in den Altpapiercontainer. Darum habe ich das Heft gekauft und zu den anderen alten rettungsbedürftigen Büchern in die Vitrine gestellt.

Inhalt und Design

Ein DIN A 4 großes Heft, herausgegeben von Albert Bonnier Verlag (Leipzig) im Jahre 1912. Das Heftchen hat zwei Weltkriege hinter sich. Und vermutlich noch viel mehr. Aber es hält noch. Wertarbeit.

Das erste Blatt ist eine wunderschöne farbige Zeichnung von Carl Larsson mit dem Titel Lucia.

Auf der zweiten Seite stehen Titel, Verlag und Ausgabe. Vignetten und Schattenbilder von kleinen Wichteln schmücken diese Seite. Sehr liebevoll gestaltet.

 

Das nachfolgende Verzeichnis klärt über den Inhalt auf.

Gedichte und Geschichten von Johannes Trojan, Otto Ernst, Hermann Löns, Cäsar Flaischlen, Johann Beckmann, Ernst Jäckh, Hugo Sals, Selma Lagerlöf, Fritz Müller-Zürich, Marx Möller, H. Langheinrich, Emanuel Kremnitz.
Dazu zahlreiche Silhouetten, Grafiken und Bildern, teils farbig, u. a. von Carl Larsson, Bruno Liljefors, Richard Bergh, Axel Jungstedt.

"Wie ich Weihnachten feier" von Otto Ernst

“Wie ich Weihnachten feier” von Otto Ernst

Obwohl dieses Heft mehr als 100 Jahre alt ist, sind einige der Geschichten modern und aktuell.

Darunter auch eine Erzählung mit dem Titel “Türkische Frauen”. Die Sicht der damaligen und auch der heutigen Probleme werden auf der einen Seite geradegerückt und auf der anderen kritisiert. Ich war beeindruckt und zugleich überrascht.

“Der Harem des türkischen Bourgeois ist einfach der Salon der Dame, getrennt vom Selamlik, dem Raum der Herrengesellschaft, und für fremde Männer meist verschlossen.”

 

Zitat des Autors Ernst Jäckh:

 

“Sie sind Deutscher und Sie lieben uns Türken und Sie kennen unsere türkische Psyche. Sie achten meine Frau, wie Sie`s in Deutschland gewohnt sind, Damen zu respektieren.”

 

"Wiegenliedchen" von Cäsar Flaischlen

“Wiegenliedchen” von Cäsar Flaischlen

Mit der Geschichte “Weihnachten im Jahre 3000” von Fritz Müller aus Zürich sind wir dann in der Zukunft. Science-Fiction gibt es hier aber nicht. Wir befinden uns in einem Traum, in dem alle Menschen Chinesen sind. Weihnachten darf nicht mehr gesagt werden und die Feierlichkeiten klingen eher wie die Versammlung einer Sekte. Eine interessante Sichtweise auf das Jahr 3000, das uns heute näher ist. 1912 aber noch mehr als 100 Jahre drauf zählte.

Realistisch bleibt es bei “Drei afrikanische Weihnachten” von Dr. Paul Rohbach, teils mit Fotos, der hier von seinen Begegnungen in Afrika erzählt.

Infos zum Verlag 

Den Verlag gibt es übrigens heute noch. Der Bonnier Verlag ist der älteste schwedische Verlag. Gegründet wurde er von dem Deutschen Gutkind Hirschel, der im Jahre 1801 nach Schweden auswanderte. 1804 eröffnete er in Kopenhagen einen Buchladen. Tageszeitung, Verlag und eine Druckerei folgten. Leider ging er in Konkurs, doch seine Söhne nahmen seine Arbeit wieder auf. Nach deren Tod übernahm der Onkel Albert Bonnier die Geschäfte.

Heute ist die Bonnier AG weltweit aktiv und besitzt Rechte an mehr als 175 Unternehmen.

Julklapp – was ist das überhaupt? 

Der Duden erklärt das Wort so (Zitat):

Jul·klapp
/Júlklapp/
Substantiv, maskulin [der]
  1. kleines, zum Scherz oft mehrfach verpacktes Weihnachtsgeschenk, das jemand [im Rahmen einer Feier] von einem unbekannten Geber erhält oder das, nach skandinavischer Sitte, von einem unbekannten Geber nach lautem Klopfen, Rufen für jemanden ins Zimmer geworfen wird
Herkunft
schwedisch julklapp, aus: jul (Jul) und klappa = klopfen, pochen; der Überbringer von Weihnachtsgeschenken klopfte nach altem Brauch an die Tür, wenn er kam
LUCIA von Carl Larsson

LUCIA von Carl Larsson

Fazit

Ich bin stets beeindruckt von den alten Büchern und Geschichten, die hier nicht nur fiktiv sind, sondern Erlebnisse der jeweiligen Autoren darstellen. Doch ich stelle zu meinem Bedauern fest, dass die Menschen sich kaum verändert haben. Abgesehen vom technischen Fortschritt, der für die Menschheit auch ein Rückschritt ist.

Ein liebevoll gestaltetes Weihnachtsheft von 1912.

Links / Quellen

 

 

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