Gelesen: »Mängelexemplar« von Sarah Kuttner / Fischer

[Werbung, unbezahlt – aus eigenem Bestand]

© Cover: »Mängelexemplar« von Sarah Kuttner / Fischer TaschenBibliothek

© Cover: »Mängelexemplar« von Sarah Kuttner / Fischer TaschenBibliothek

Sarah Kuttner fand ich als Moderatorin auf VIVA oder MTV anstrengend. Als sie dann ihre ersten Bücher publizierte, interessierte ich mich nicht dafür, aus verschiedenen Gründen. Nun saß Sarah Kuttner im Kölner Treff (WDR). (Ja, schon wieder habe ich dort Lesestoff und interessante Menschen entdeckt.)
Und ich muss zugeben, dass mich jedes Wort ansprach, nicht zuletzt, weil ich mich darin wiederfand. Wie kann das sein?
Egal. Grund genug, ein Buch von ihr zu lesen.

Timo Kümmel empfahl mir »Mängelexemplar«, meinte jedoch, dass die Sprache mir ein bisschen zu hip sein könnte. Zu hip? Ich war gespannt.
Gekauft!

Ins Buch geschaut

Das mir vorliegende Exemplar ist ein kleines Büchlein mit festem Einband, 310 Seiten, erschienen bei Fischer.

Erster Satz: »Eine Depression ist ein fucking event.«

»Mängelexemplar«, Sarah Kuttner / Fischer TaschenBibliothek, S. 7

Und damit ist schon klar, worum es geht.
Der Roman ist in der Ich-Perspektive geschrieben und beginnt in der Praxis des Psychotherapeuten. Danach reisen wir ein Jahr in die Vergangenheit und lernen die siebenzwanzig Jahre alte Protagonistin Karo und ihr Problem erst einmal näher kennen. Sie schleppt einige Themen aus der Kindheit mit sich herum, verliert den Job, dann den Freund.
Wer ihr bleibt, ist der beste Freund Nelson und die Mama, die sich mit Depressionen auskennt.
Karo beschreibt ihre erste Begegnung mit der Psychologin Anette, wir erleben die erste Panikattacke, bekommen Einblick in ihr Inneres, das sie förmlich zerreißt. Wer mag kann auch beim autogenen Training mitmachen und darf stolz sein, als Karo ein paar problembehaftete Punkte in ihrem Leben erfolgreich beendet.
Doch damit endet das Dilemma nicht.

Ist die Sprache hip? In jedem Fall flott und frech. Ich würde behaupten, Sarah Kuttner bedient sich hier im wörtlichen Sinne dem Galgenhumor. Das passt, denn ansonsten hätten wir ein ernstes Drama oder einen psychologischen Ratgeber oder den Erlebnisbericht einer Autorin.

So wie sich Karo im Laufe der Handlung verändert, passt sich auch die Sprache ein bisschen an.

Ob in dem Roman autobiographische Züge eingebaut wurden? Auch wenn Autoren es nicht immer wahr haben wollen: Mit Sicherheit!

Fazit

Wer schon einmal an einer Depression litt oder noch leidet, der könnte zu Beginn des Buches das Gefühl haben, nicht ernst genommen zu werden. Das trügt. Denn am Ende ist Karo sehr nah.
Sarah Kuttner hat ein ernstes Thema selbstironisch und ehrlich verpackt. Ich bin sehr positiv überrascht!

Und eins weiß ich nun: Ich bin ein Mackenmädchen oder ein »Mängelexemplar«. Es gibt Schlimmeres.

Sarah Kuttner
Mängelexemplar
Fischer Taschenbuch, 2009
ISBN 978-3596184941
9,99 €

Auch als Hardcover, Audio-CD, Hörbuch oder E-Book erhältlich.

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