Verpackungsverordnung ist der letzte Müll für Freiberufler:innen und kleine Unternehmen

Ich muss mir heute mal Luft machen:

Verpackung muss recyclebar sein, noch besser sollte sie vermieden werden. Das ist nicht immer möglich, denn wir bestellen alle gerne im Internet und die empfindliche Ware muss gut verpackt sein. Wer Verpackung in den Umlauf bringt, der soll auch dafür bezahlen, damit der daraus entstehende Müll entsorgt und im Bestfall recycelt wird. So weit, so richtig. Doch das Gesetz ist lückenhaft, nicht komplett durchdacht und ja, ich würde sagen, an einer Stelle Abzocke.

Ich betreibe einen kleinen Shop, in dem ich meine Bücher anbiete, die ich dann versende. Im Durchschnitt zehn Stück im Jahr. Dafür benutze ich ausschließlich bereits verwendete Verpackungsmaterialien inklusive der Klammern für Büchersendungen, nur Packband (aus Papier) kaufe ich dazu.
Dennoch unterliege ich der Verpackungsverordnung.

Auf eine Nachfrage bei LUCID, der Stiftung, Zentrale Stelle, VERPACKUNGSREGISTER, bei der ich mich registrieren und jedes Jahr angeben muss, wie viel Verpackung ich möglicherweise verwende, antwortete man mir auf meine Frage, ob ich wirklich für mehrfach verwendete Verpackung zahlen muss, folgendermaßen:


„Die Verwendung von gebrauchtem Verpackungsmaterial, insbesondere zum Versand von Waren, entbindet nicht ohne Weiteres von den Pflichten aus dem Verpackungsgesetz. Nur dann, wenn das gebrauchte Verpackungsmaterial bereits an einem System beteiligt worden ist, besteht keine Notwendigkeit, es erneut an einem System zu beteiligen. Weitere, nicht gebrauchte Verpackungskomponenten oder Zusatzelemente (Klebeband, Etiketten und Füllmaterial o.ä.) sind bei Einordnung der Verpackung als systembeteiligungspflichtige Verpackung in jedem Fall systembeteiligungspflichtig.

Der Verwender des gebrauchten Verpackungsmaterials muss gegenüber den zuständigen Behörden bei Bedarf belegen können, dass bereits eine Beteiligung erfolgt ist. Konkrete Vorgaben seitens der Zentralen Stelle Verpackungsregister für einen Nachweis gibt es mangels Zuständigkeit nicht.

Von der Registrierungspflicht befreit dieser Nachweis nicht.“

Die Entsorgungsfirmen verdienen hier also für Kartonagen und Verpackungsmaterial doppelt, solange ich nicht beweisen kann, dass der Karton, den ich erneut verwende, schon benutzt wurde.

Das bedeutet: Ich muss mich bei LUCID registrieren, außerdem bei einem Recycling-Unternehmen, z.B. Reclay und dort meine Verpackung anmelden. Von Reclay erhalte ich dann eine Rechnung über meinen möglichen Verpackungsverbrauch, diesen gebe ich dann bei LUCID ein. Wer sich dort anmeldet, sieht, wie kompliziert das System ist und erkennt, dass es für große Firmen gemacht ist. Ich bin keine große Firma, sondern eine kleine Freiberuflerin, die von ihren Einnahmen nicht leben kann. Ich habe keine Abteilung, die sich um solch administrativen Kram kümmert und bezahle auch keine externe Firma dafür. Ich achte privat und beruflich auf Wiederverwertung und Regionalität, ich kaufe, wenn möglich, ohne Verpackung (z.B. Wochenmarkt) und vermeide Verpackungsmüll, aber das ändert nichts. Für meine Mühe, auf die Umwelt zu achten, werde ich noch bestraft. Oder ich nehme mir die Zeit und versuche herauszufinden, ob der Absender, seine Verpackung auch wirklich registriert hat. Ein interessantes Unterfangen, wenn du nicht nur bei amazon, sondern auch bei kleinen Firmen kaufst. amazon ist übrigens registriert, zumindest bis 2021.

Dem Ehepaar, bei dem wir unsere Eier auf dem Wochenmarkt kaufen, geht es übrigens auch so. Die müssen auch ihre Verpackung bezahlen – Verpackung, die teurer geworden ist (inkl. der Gummis für die Eierkartons, wie Herr Eiermann kürzlich traurig erwähnte). Sie verkaufen Eier und saisonal Walnüsse, Äpfel, Pflaumen, Birnen – kein Geschäft, mit dem sie Millionen scheffeln, schätze ich.

Wir werden mit Firmen wie OTTO, amazon oder Media Markt gleichgestellt. Das ist doch absurd!

Mir geht es nicht nur um das Geld, sondern auch die Zeit, die mir gestohlen wird, um meinen Verbrauch ordnungsgemäß anzumelden und die Rechnung zu bezahlen. Administrativer Scheiß, der sich mit Meldungen bei der KSK, der Steuer, Buchhaltung etc. summiert und mir die Zeit raubt, um durchatmen zu können.

Bitte ändert die Verordnung!

Meine Bitte an die EU: Ergänzt die Verpackungsverordnung mit einem Passus, in dem Geringverdiener von dieser Pflicht ausgenommen werden. Danke.

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