Anam Cara - Seelenfreund

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Anam Cara-I-Seelenfreund

 

Cover Anam Cara

Anam Cara – Seelenfreund

Ein phantastischer Epidosenroman

Atlantis-Verlag, 2003

ISBN 3-936742-43-X

DinA5 Paperback, 180 Seiten, 11,90 EUR

Cover: Mark Freier

(Für eine Großansicht des Covers bitte mit der Maus über die Grafik fahren.)
 

Rezensionen

 

2. Platz beim Deutschen Science Fiction Preis 2004 (DSFP)

2. Platz beim Deutschen Phantastik Preis 2004 Roman Debüt national

4. Platz beim Deutschen Phantastik Preis 2004 Roman national

 

Seit 06. Juli 2004 wird »Anam Cara – Seelenfreund« bei Bookcrossing im Book-Ring gelesen. Wer sich daran beteiligen möchte oder sich nur für die Meinungen der Leser interessiert, folge bitte dem Link.

 

 

Nur schwer findet sich Sina nach dem plötzlich Tod ihres Mannes Thomas Heidkamp mit dem Alltag ab. Doch dann erhält sie die Email eines Fremden, der behauptet die Seele von Thomas in sich zu tragen und aus der Zukunft zu kommen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn Sina und ihre Kinder befinden sich in tödlicher Gefahr...

Klappentext: Begleiten Sie eine Seele auf ihren Irrwegen durch Zeit und Raum auf der Suche nach ihrem Zuhause, wo die Hinterbliebenen weitaus mehr Qualen durchleben müssen, als nur die des Verlustes eines geliebten Menschen. ANAM CARA ist vielleicht eine Spekulation über Reinkarnation, aber auch eine tragische Geschichte über Tod und Trauer, und dennoch voller Kraft und Hoffnung. Ein gefühlvoller Thriller mit epischen Elementen, einem Hauch Science Fiction und Historischem über die unvorstellbar starke Macht der Liebe.

 

 

Mit dem Tod und einer Seele durch Zeit und Raum

»Theorien, Spekulationen und Phantasie schenken uns nicht nur die schönsten Geschichten, sondern auch so manches Wunder.«

(Filamina)

 

 

Leseprobe aus dem zweiten Kapitel

 


II

 

Die Gegenwart

 

»Bitte schlaf ein, kleine Maus«, flüsterte Sina ihrer Tochter zärtlich aber drängend zu. Ihre Schläfen pochten vor Schmerzen, sie fühlte sich matt und ausgelaugt und befürchtete an einer Grippe zu erkranken. Die Arbeit stapelte sich auf dem Schreibtisch und die Hausarbeit musste sie ebenfalls noch erledigen. Wenigstens brutzelte das Mittagessen schon im Ofen: ein Nudelauflauf, der einen köstlichen Geruch von Speck und Butter in der Wohnung verströmte.

Leise summte Sina ein Lied vor sich hin, versuchte sich zu entspannen und ihre Ruhe auf Lea zu übertragen. Nach einer Weile gelang es ihr, das Baby in einen sanften Schlaf zu wiegen und sachte in sein Bettchen zu legen.

Sina seufzte. Als habe jemand ihre Unlust gehört, klingelte das Telefon. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen. Sie hoffte auf Thomas. Heute vermisste sie ihn besonders stark. In neugieriger Vorfreude eilte sie zum Telefon.

Sina liebte die Gespräche mit ihrem Mann. Seine wohlklingende, tiefe Erzählerstimme jagte ihr stets ein angenehmes Kribbeln über den Rücken. Sie konnte sich gar nicht mehr vorstellen, wie es war, als sie nur schriftlich miteinander kommunizierten.

 

Vor vier Jahren versteigerte Sina ein Ölgemälde, das sie im Keller ihres Vaters gefunden hatte, über ein Online-Auktionshaus. Thomas kaufte es für einen befreundeten Antiquitätenhändler. Nach dem Ende des Handels begann ein reger E-Mail-Austausch, durch den ein so starkes und intensives Gefühl zwischen ihnen heranwuchs, wie es keiner von Beiden zuvor hatte erleben dürfen.

Obwohl sich Angst in die Sehnsucht mischte, das Gefühl verlösche beim Anblick des jeweils Anderen, trafen sie sich – nach einigen Monaten – an einem Mittwochabend in einem gemütlichen Restaurant.

Vor Nervosität brachten beide kaum einen Bissen hinunter, dafür wechselten sie viele schüchterne und bewundernde Blicke, von denen jedoch weder ihr Magen noch ihre Gefühle satt wurden. Die Angst erwies sich als unbegründet, das Kribbeln blieb. Es verwandelte sich in das warme Blubbern im Bauch, das schon nach Sekunden den Körper vollständig erfüllte und jedem eine anregende Gänsehaut verschaffte.

Von da an verbrachten sie viel Zeit miteinander, in der sie zwar nie allein waren – denn Sinas vierjährige Tochter Nele forderte ihre Mutter – dafür wuchsen sie aber zu einer Familie zusammen.

An ihrem dritten Jahrestag heirateten Thomas und Sina. Ein Jahr später wurde Lea geboren. Um sich ausschließlich den Kindern widmen zu können, kündigte Sina ihre Stelle als Versicherungskauffrau. Doch nach wenigen Monaten quälte sie die Unzufriedenheit, sich selbst nicht zu fordern und so stellte sie sich bei ihrem früheren Chef vor, der ihre Arbeitskraft stets geschätzt hatte. Er richtete ihr ohne Widerspruch einen Heimarbeitsplatz ein, der Sina flexible Arbeitszeiten ermöglichte.

Sina genoss ihr Glück, denn vor ihrer Begegnung mit Thomas hatte das Schicksal ihr gern massive Felsbrocken in den Weg gestellt.

 

»Heidkamp«, meldete sich Sina.

»Hallo, Frau Heidkamp. Münster hier.«

Der Anrufer stockte und Sina spürte eine unsichtbare, kalte Hand ihren Rücken herunter und zurück in ihren Nacken rennen. Sina schwieg, ihr Mund wurde trocken und sie wusste, dass dies kein nettes Gespräch werden sollte.

Thomas arbeitete als Programmierer bei einer kleinen Firma knapp vierzig Kilometer entfernt. Die täglichen Fahrten nahm er in Kauf, denn der Job stellte, neben der Familie, seine absolute Erfüllung dar. Und bei Herrn Münster handelte es sich um Thomas´ Chef.

»Frau Heidkamp, Ihr Mann ist noch nicht da. Ist er krank? Normalerweise meldet er sich ja, aber ...«

»Er ist noch nicht da? Er ist hier um halb sieben weggefahren, so wie jeden Morgen. Haben Sie versucht, ihn über sein Handy zu erreichen?«

»Nein, das habe ich noch nicht. Frau Heidkamp, machen Sie sich keine Sorgen. Wir hören uns um, ich sag Ihnen später Bescheid.«

Aber sie machte sich Sorgen und plante keineswegs untätig zu warten, bis sich das Büro später bei ihr meldete. Sie verfluchte sich, weil sie die lange Handy-Nummer noch nicht auswendig kannte und nun verlorene Sekunden in ihrem Filofax kramen musste. Umso schneller tippte sie dann die Zahlenfolge. Ein eisiger Finger löste sich von der imaginären Hand in ihrem Nacken und bohrte sich zu ihrem Herzen durch, wühlte sich in ihre Seele und stach sie qualvoll ohne Unterlass.

Das Freizeichen ertönte einmal, zweimal, dreimal. Beim vierten Mal meldete sich jemand.

»Hallo?«

»Wer sind Sie?«, fragte Sina vorwurfsvoll.

»Ich bin Polizeimeister Willem. Darf ich nun um Ihren Namen bitten?«

Für Sekunden fühlte sich Sina wie gelähmt. Als ihre Hand zu zittern begann und die Lähmung von ihr abfiel antwortete sie: »Sina Heidkamp.«

Am anderen Ende der Leitung hörte sie ein Flüstern und Tuscheln, so als spreche der Polizeibeamte mit einer anderen Person.

‚Mit Thomas?‘, durchfuhr es Sina. ‚Bitte, lieber Gott, lass ihn mit Thomas reden.‘

Dann fragte der Mann: »Sind Sie die Ehefrau von Thomas Heidkamp?«

»Ja.«, antwortete Sina, und das Quäntchen Hoffnung, an das sie sich geklammert hatte wie eine Fliege an einen Strohhalm in einem Glas Milch, wurde von einer grausamen Gewissheit überdeckt. Ihr Köper sackte ein Stück in sich zusammen, so als habe ihr jemand die Wirbelsäule gestohlen.

»Frau Heidkamp, fährt Ihr Mann einen silbernen Ford mit dem amtlichen Kennzeichen ... «

Der Strohhalm zerbrach mit einem leisen »Knack«. Die Fliege strampelte um ihr Leben. [...]